Diskriminierungsklage: Zu alt für Musik-Event?

Nils Kratzer
Nils Kratzer wurde der Zugang zu einem Open-Air-Musikevent in München verwehrt, weil er zu alt aussah. (Foto: Peter Kneffel / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Der Bundesgerichtshof (BGH) will sich zur Frage äußern, ob jemand aus Altersgründen von einer Party ausgeschlossen werden darf oder ob er damit diskriminiert wird.

Bei der Verhandlung im Februar in Karlsruhe hatte sich gezeigt, dass die Antwort gar nicht so leicht ist - vor allem hatte der siebte Zivilsenat sich schwer damit getan, ab wie vielen Teilnehmern eine Veranstaltung ein Massenevent ist. Auch die Vergleichbarkeit mit anderen Diskriminierungsfällen etwa in Bezug auf ethnische Herkunft, Religion oder Geschlecht spielen eine Rolle (Az. VII ZR 78/20).

Hintergrund ist die Klage von Nils Kratzer, dem Kontrolleure im Sommer 2017 den Zugang zu einem Open-Air-Musikevent in München verwehrten, weil er zu alt aussah. Der damals 44 Jahre alte Mann fordert 1000 Euro Entschädigung und beruft sich auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Vor den Münchner Gerichten hatte er keinen Erfolg. Die Veranstaltung sei nicht für ein allgemeines Publikum vorgesehen, sondern für Personen im Alter von 18 bis 28 Jahren gedacht gewesen, die auch noch als „Partygänger“ gekleidet sein sollten. Das Landgericht München I ließ aber die Revision zum BGH zu, weil Leitsätze zur Auslegung der AGG-Vorschriften fehlten.

Kratzer erklärte nun vor dem Urteil: „Man möge sich nur einmal vorstellen, ein potenzieller Gast mit dunkler Hautfarbe wäre wegen seiner Hautfarbe abgelehnt worden und ein deutsches Gericht verneint den Diskriminierungsschutz. Das wäre eine unverzeihliche Peinlichkeit, die sich gerade deutsche Gerichte nicht erlauben könnten.“ Die Frage des Massengeschäfts stelle sich für ihn nicht. „Die Veranstaltung war grundsätzlich öffentlich beworben, es wurde Eintritt verlangt und es hat sich ja nicht um eine Privatparty gehandelt.“ Er hoffe auf eine „effektive Umsetzung“ des EU-Ziels eines umfassenden Diskriminierungsschutzes, so Kratzer.

Der Vertreter der Veranstalter hatte vor dem BGH argumentiert, Organisatoren müssten für den wirtschaftlichen Erfolg das Publikum auswählen dürfen. Sollte der BGH von Altersdiskriminierung ausgehen im vorliegenden Fall, wären etwa Ü30-Partys aus Sicht der Anwälte beider Seiten übrigens nicht gänzlich ausgeschlossen. Die Veranstalter müssten dann aber wohl in Kauf nehmen, dass auch Menschen außerhalb der Zielgruppe mitfeiern.

© dpa-infocom, dpa:210505-99-471105/3

Wir haben die allgemeine Kommentarfunktion unter unseren Texten abgeschaltet. Für einzelne Texte wird es auch weiterhin die Möglichkeit zum Austausch geben. Aufgrund der Vielzahl an Kommentaren können wir derzeit aber keine gründliche Moderation mehr gewährleisten. Mehr Informationen zu unseren Beweggründen finden Sie hier.
Kommentare werden geladen

Meist gelesen

Impftermin-Ampel: Jetzt mit Push-Nachrichten für Ihr Impfzentrum

Die Impftermin-Ampel von Schwäbische.de zeigt mit einem Ampelsystem Impfzentren der Region an, in denen es gerade freie Termine gibt. 

+++ JETZT NEU: Nutzer mit einem Schwäbische Plus Basic, Premium- oder Komplettabo können sich nun exklusiv und noch schneller per Pushnachricht aufs Handy über freie Termine bei Ihrem Wunsch-Impfzentrum informieren lassen. Hier geht es direkt zum Push-Service, Abonnenten können ihn sofort nutzen.

Nutzer ohne Abo können weiterhin die bestehende Impfampel auf dieser Seite hier nutzen.

Coronavirus

Inzidenzwert sinkt kontinuierlich - Grenzwert von 100 noch nicht erreicht

Zwar sinkt der Inzidenzwert im Ostalbkreis kontinuierlich. Unter die 100er-Grenze hat er es bislang allerdings noch nicht geschafft. Wie das Landesgesundheitsamt (LGA) am Montag im aktuellen Lagebericht aufführt, liegt die Inzidenz aktuell bei rund 109. Für weitere Lockerungen muss der Wert an fünf Tagen hintereinander unterhalb des Grenzwerts liegen. 

Mit 14 Neuinfektionen steigt die Zahl der Gesamtfälle seit Ausbruch der Pandemie auf 14.

 Weil das Kreisimpfzentrum Ummendorf nur noch 2300 Impfdosen wöchentlich erhält, können ab Ende Mai voraussichtlich nur noch Zwe

Bald gibt's im Impfzentrum Ummendorf wohl keine neuen Ersttermine mehr

Rund 5000 Corona-Schutzimpfungen könnten im Kreisimpfzentrum (KIZ) Ummendorf wöchentlich an Bürger verabreicht werden. Soweit die Theorie. Die Praxis sieht momentan so aus, dass ab 31. Mai im KIZ möglicherweise nur noch Personen geimpft werden können, die bereits eine Erstimpfung erhalten haben, weil der Impfstoff ansonsten nicht ausreicht.

Das Sozialministerium habe dem Landratsamt Anfang Mai mitgeteilt, dass wir bis auf Weiteres lediglich Impfstoff für 2300 Impfungen pro Woche erhalten, so eine Sprecherin des Landratsamts auf ...

Mehr Themen