Ab heute gibt es eine neue Notruf-App in Deutschland: Was kann „Nora“ und für wen ist sie gedacht?

Deutsche Presse-Agentur

In diesem Sommer wurde auf dramatische Weise deutlich, wie wichtig ein gutes Warn- und Notrufsystem ist, um Menschen und Tiere vor einer Katastrophe zu retten. Bei den Überflutungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz starben mehr als 180 Menschen. Aber auch in der Region mussten immer wieder Rettungsdienste ausrücken. 

Doch nicht nur bei Extremwetter stellt sich für Menschen mit Einschränkungen beim Hören und Sprechen die Frage, wie sie auf sich in einer Notsituation aufmerksam machen und Polizei und Feuerwehr erreichen können.

Ein Teil des neuen bundesweiten Notfallsystems soll die Notruf-App Nora sein. Sie wurde heute vom nordrhein-westfälischem Innenminister Herbert Reul (CDU) vorgestellt. Sein Ministerium hatte die Leitung des Projekts vor zwei Jahren übernommen. 

Was ist die App Nora?

Gehörlose und Menschen mit Sprechschwierigkeiten müssen auch in der Lage sein, barrierefrei einen Notruf abzusetzen. Dies soll nun die bundesweite Notruf-App Nora leisten können.

Deren Einführung wurde immer wieder verschoben, im April startete die Testphase. Sie wurde unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben für Menschen mit Sinnesbehinderungen NRW und dem Deutschen Gehörlosen-Bund (DGB) entwickelt. 

„Die App wird Menschen mit Hörbeeinträchtigung sehr helfen. Nicht alle können ohne Weiteres einen Gebärdendolmetschdienst nutzen, der auch in Notfällen weiterhilft“, sagt Carsten Schneider, Experte des Deutschen Feuerwehrverbandes. Zum Beispiel sei nicht jeder Gehörlose von Geburt an gehörlos und habe die Gebärdensprache erlernen können. 

Letztlich kann die App aber auch für Menschen ohne Hör- und Sprecheinschränkungen in bestimmten Gefahrensituation hilfreich sein, da sich so lautlos ein Notruf absetzen lässt. 

Wie funktioniert die App?

Menschen sollen über die App mit wenigen Klicks einen Notruf absetzen können. Zuvor müssen sie sich allerdings per Mobilfunknummer und Namen registrieren. Dies sollte man also möglichst schon frühzeitig tun, um im Notfall keine Zeit zu verlieren. Über die Handyortung kann im Notfall der genaue Standort der Person ermittelt werden, die die App nutzt.

Es ist zudem möglich, dass in der App bestimmte Hinweise für die Rettungsdienste übermittelt werden können - etwa über Vorerkrankungen des Hilfesuchenden oder eine besondere Gefahrenlage. Es kann über Symbole angegeben werden, welche Art Notsituation eingetreten ist, beispielsweise ein Feuer oder ein Unfall. Über eine Chatfunktion kann auch direkt mit der Polizei und Feuerwehr kommuniziert werden. 

Wo ist die App verfügbar?

Die App kann im Google-Play- und im Appstore von iOS kostenlos heruntergeladen werden. Laut Webseite funktioniert Nora aktuell nur in 15 Bundesländern in Deutschland. In Berlin seien noch Abstimmungen erforderlich.

Welche Apps sind zur Notfallvorsorge noch sinnvoll?

Die wichtigste App für Warnmeldungen ist die App "Nina" vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Nutzer können dabei einstellen, für welche Landkreise sie Warnmeldungen erhalten wollen - also beispielsweise auch für weiter entfernt lebende Verwandte.

Notruf-App Nora
Die neue Notruf-App Nora soll die Notrufnummern 110 und 112 von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten ergänzen. (Foto: Rolf Vennenbernd)

Nina alarmiert den Nutzer nicht nur bei Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes und Meldungen des Hochwasserschutzes, sondern auch vor anderen möglichen Gefahrensituationen - beispielsweise einem Terrorangriff, Großbränden oder Wasserverunreinigungen. 

Ähnliche Informationen liefert die App "Katwarn" vom Fraunhofer Institut Fokus im Auftrag öffentlicher Versicherer. Allerdings ist "Katwarn" das nationale Warnsystem in Österreich. Das deutsche und das österreichische System sind gekoppelt, sodass Nutzer in Lindau beispielsweise auch relevante Warnmeldungen aus Vorarlberg bekommen können.

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