Die Heiland - Wir sind Anwalt

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Die Heiland - Wir sind Anwalt
Die ambitionierte Anwältin Romy Heiland (Lisa Martinek, l) und ihre Assistentin Ada Holländer (Anna Fischer). (Foto: Reiner Bajo / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Klaus Braeuer

Anwaltsserien gelten neben Arztserien und Krimis als die beliebtesten hierzulande. Jetzt startet eine neue Serie rund um eine Anwältin, die von Geburt an blind ist, und die eine freche junge Frau als ihre Assistentin einstellt.

„Die Heiland - Wir sind Anwalt“ startet an diesem Dienstag (20.15 Uhr) im Ersten. Gleich im ersten Fall geht es um einen Universitätsprofessor (Peter Davor), der eine junge Studentin (Sinja Dieks) vergewaltigt haben soll. Romy Heiland (Lisa Martinek) kennt ihn von früher, geht aber gleichwohl knallhart mit ihm ins Gericht.

Das tut sie auch in den fünf weiteren Fällen, in denen es unter anderem um den erbitterten Kampf zweier zickiger Tennisspielerinnen geht. Die Geschichten sind austauschbar, die Vorgehensweise der blinden Anwältin - sie hat ein Sehvermögen von einem Prozent - ist es nicht: Sie schaut sich stets die Orte des jeweiligen Geschehens genau an und stellt dort Szenen nach - und sie hat ein gutes Gespür und Gehör dafür, wer lügt oder etwas zu verbergen trachtet.

Etwas von ihrem Privatleben ist auch zu erfahren: Sie lebt allein, mit ihrem Graupapagei namens Youri, der „Liebling“ zu ihr sagt. Das würde ihr Ex-Freund Ben Ritter (Peter Fieseler) vermutlich auch, zumal er Romy einst den Vogel geschenkt hat, doch sie hat sich später von ihm getrennt.

Heilands Eltern kommen gerne mal zu Besuch - ihr Vater Paul (Rüdiger Kuhlbrodt) war mal Richter und bringt gerne Whisky mit, Mutter Karin (Peggy Lukac) trauert ihrem Beinahe-Schwiegersohn hinterher. Und ohne ihre nur Assistentin Ada Holländer (Anna Fischer) wäre die Anwältin ohnehin aufgeschmissen. Sie achtet darauf, dass sie ordentlich angezogen ist, keine Wimperntusche auf der Nase hat, und sie beschreibt ihr die Mandanten, sichtet Fotos und liest Akten vor.

Die beiden Frauen in der etwas anderen Serie sind sehr gegensätzlich, ergänzen sich aber erwartbar gut. Anna Fischer (32, „Harter Brocken“) gibt diese Ada sehr chaotisch und erfrischend. Lisa Martinek (46, „Blaumacher“) spielt ihre Figur ruhig und einfühlsam und spricht auch so. Sie blinzelt, schaut andere nicht direkt an. „Ich habe mit dem Mobilitätstrainer von Frau Pabst zusammengearbeitet und gelernt, wie ich mich mit dem sogenannten Langstock bewege, in Räumen und auf der Straße“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur dazu, wie sie sich auf die Rolle vorbereitet habe.

Und sie habe die blinde Anwältin Pamela Pabst in ihrer Kanzlei und vor Gericht begleiten dürfen. „Daraus ist eine sehr schöne Freundschaft entstanden“, sagte Martinek. „So konnte ich lernen, wie sich ein Blinder bewegt, wie er auf die Beschaffenheit des Bodens achtet, und dass dabei der Gehör- und der Geruchssinn eine ganz andere und sehr viel wichtigere Rolle spielen als bei sehenden Menschen.“

Die Serie ist inspiriert durch das reale Vorbild von Pamela Pabst: Die blinde Anwältin lebt und arbeitet in Berlin - und sie schrieb die Autobiografie „Ich sehe das, was ihr nicht seht“. Die Regisseure Christoph Schnee und Bruno Grass und die Headautorin Jana Burbach sorgen für freche Dialoge wie „Behindert sein kann ich allein, aber rennen nicht“ oder „Für sie könnte man glatt lesbisch werden“.

Sie zeigen Blindheit nicht als Behinderung, sondern als Eigenschaft - und der Zuschauer erfährt einiges über Romys Hilfsmittel: Ein Pieper sagt ihr, welche Farbe ihre Blusen haben; ihre Bildschirmordner werden angesagt, die Nummer wählt ein Computer. Der Stock ist weniger für den Blinden, sondern vielmehr für die anderen Menschen da, zur Warnung und besseren Wahrnehmung. Und so zeigt Romy Heiland, dass jemand, der nicht sehen kann, im Alltag dennoch klarkommen und in manchen Dingen anderen sogar voraus sein kann.

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