Deutsche „Vanity Fair“ wird eingestellt

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Deutsche Presse-Agentur

Wenige Wochen nach dem Personality-Magazin „Park Avenue“ wird auch die deutsche Zeitschrift „Vanity Fair“ eingestellt.

In dieser Woche erscheine das Magazin zum letzten Mal, sagte eine Sprecherin des Condé Nast-Verlags am Mittwoch in München und bestätigte damit einen Bericht des Branchendienstes „kress report.“ Damit ist der Versuch gescheitert, mit neuen Hochglanz- Gesellschaftsmagazinen Bewegung in die deutsche Zeitschriftenlandschaft zu bringen. Im Wirtschaftsboom trafen die Newcomer den Nerv der Zeit, in der Krise ging ihnen aber die Luft aus.

„Vanity Fair“ erreichte mit einer Mischung aus Lifestyle-Themen, politischen Interviews, Mode und JetSet-Themen wie „Lieblingsrestaurants von Paris bis Tokio“ zuletzt eine Auflage von rund 200 000 Exemplaren in Deutschland. Betroffen von der Einstellung sind die Redaktion in Berlin mit rund 80 Mitarbeitern und die Verwaltung in München. Condé-Nast-Chef Jonathan Newhouse begründete die Entscheidung mit der dramatischen Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfeldes. Diese Entwicklung sei vor wenigen Monaten noch nicht absehbar gewesen. „Es ist ein Schock, wenn ein exzellentes Magazin eingestellt wird.“

Dabei hatte er noch im Dezember nach dem Rücktritt von Geschäftsführer Bernd Runge quasi eine öffentliche Bestandsgarantie abgeben und angekündigt, „Vanity Fair“ werde trotz der schwierigen Lage nicht eingestellt. „Es gibt keinen Grund, 'Vanity Fair' nicht weiterzuführen. Es ist unsere erfolgreichste Marke“, sagte er in einem Interview. Umso überraschender kam nun das Ende. Die Welt verändere sich rasant und in einer Weise, auf die sich niemand wirklich vorbereiten könne, sagte er jetzt.

Wie viele Arbeitsplätze betroffen sind und ob die Beschäftigten zu anderen Titeln des Verlags („Glamour“, „Myself“, „GQ Style“) wechseln können, konnte die Sprecherin nicht sagen. Newhouse versicherte in seiner Stellungnahme, die Mitarbeiter könnten stolz darauf sein, was sie mit „Vanity Fair“ geschaffen hätten. „Wir haben unser Bestes getan.“ Zeit für einen Abschied haben die Mitarbeiter nicht mehr: Das letzte Exemplar wird an schon an diesem Donnerstag (19. Februar) in den Handel gebracht. „Park Avenue“ wurde vom Verlag Gruner + Jahr bereits vor Wochen eingestellt.

Damit haben sich sowohl „Vanity Fair“ als auch „Park Avenue“ keine zwei Jahre am Markt gehalten. Die größte Aufmerksamkeit ihrer kurzen Geschichten haben beide Magazine einer Frau zu verdanken: Der als „CSU-Rebellin“ bekannt gewordenen Politikerin Gabriele Pauli. Erst sorgte im Frühjahr 2007 „Park Avenue“ mit Fotos für Furore, die Pauli im Domina-Stil zeigten. Wenige Monate später vermarktete sie ihren Parteiaustritt aus der CSU gegen ein Honorar exklusiv über „Vanity Fair“.

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