Deutsche Kälber verbluten an unbekannter Krankheit

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Deutsche Presse-Agentur

Häufig verenden die Kälber an den Folgen des Blutverlustes, wie Eva Kappe vom Tiergesundheitsdienst Bayern in München berichtet. „Die Ursache ist noch unbekannt“, sagte Kappe auf Anfrage am Montag. „Eine Infektionskrankheit oder eine Vergiftung sind denkbar.“ Meist seien es Einzelfälle, die Krankheit breite sich offensichtlich nicht gleich über den ganzen Stall aus.

Experten des Tiergesundheitsdienstes fanden bisher bei allen betroffenen Kälbern auch starke innere Blutungen. Zudem war das blutbildende Knochenmark der Kälber stark geschädigt. So könnten die Blutungen Folge einer Blutgerinnungsstörung sein, weil die dafür benötigten Blutplättchen nicht mehr im Knochenmark hergestellt werden, vermutet der Gesundheitsdienst auf seiner Internetseite. Nach wie vor ungeklärt sei aber, was zu der Knochenmarkschädigung führe. Bekannte infektiöse und nichtinfektiöse Krankheitsursachen seien durch Labortests ausgeschlossen worden. Auch weitere Tiermediziner rätseln über das Krankheitsbild, das einige umgangssprachlich auch „Blutschwitzen“ nennen.

Einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Focus“ zufolge sind in den vergangenen zwei Jahren Hunderte Kälber in Deutschland an dem Leiden erkrankt. „Die Ursache ist unklar“, bestätigte auch der Veterinärmediziner Klaus Doll von der Universität Gießen dem Magazin. „Es kann an einem Virus, einem Bakterium oder einer Vergiftung liegen.“ Für den Menschen sei die Krankheit jedoch vermutlich nicht gefährlich.

„Seit Anfang 2008 häufen sich Berichte von Kälbern, die unter den Symptomen des Blutschwitzens verenden“, schreibt der Tiergesundheitsdienst. Laut Kappe hat der Dienst seit 2007 rund 50 Fälle aus Bayern untersucht. Es sei nicht klar, ob es tatsächlich fortwährend mehr erkrankte Tiere oder nur mehr Meldungen dieses Krankheitsbildes gibt.

Auch weltweit rätseln Ärzte über die Krankheit: Im Internet- Fachforum Promed-mail schreibt der britische Tierarzt Richard Brown, die Symptome seien einer Farn-Vergiftung ähnlich, die er vor 20 Jahren im mittelamerikanischen Belize beobachtet habe. Das Gift im Farn greife das Knochenmark an. Der australische Tierarzt Jim Taylor berichtet ebenfalls von Farn-Vergiftungen mit ähnlichen Symptomen auf seinem Kontinent. Auch das Antibiotikum Furazilidon habe bei australischen Kälbern sogenanntes Blutschwitzen hervorgerufen. Das Mittel ist in der EU für Nutztiere verboten.

Tiergesundheitsdienst Bayern: www.tgd-bayern.de

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