„Der Seefahrer“ feiert in Karlsruhe Premiere

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Deutsche Presse-Agentur

Von fröhlicher Weihnacht keine Spur: Die Absteige von Sharky und seinem blinden älteren Bruder Richard gleicht einer heruntergekommenen Behausung. Hochprozentiges verteilt sich im Raum, Wäsche und Essensreste sind über Boden und Möbel verstreut.

Die Wohnung versprüht alles - außer Charme, Gemütlichkeit, Leben. Dennoch feiern Sharky und seine Saufkumpane in Conor McPhersons gefeiertem Theaterdrama „Der Seefahrer“ ihr gesegnetes Fest in der Bude, bis sich ein Unbekannter zur Pokerpartie hinzugesellt. Es ist der Teufel persönlich, der die Karten mischt und mit Sharky eine Partie um seine Seele spielt. Die deutsche Erstaufführung am Freitagabend im Badischen Staatstheater Karlsruhe wurde mit langem Applaus gefeiert.

Die „menschliche Hybris“ bildet den Schwerpunkt beim diesjährigen Theaterfestival „Schlaglichter // No.2“. Und in keinem der sieben Bühnenwerke wird sie auf ähnlich diabolische Weise vermittelt wie in McPhersons alkoholschwerer Version des „Faust“. Der Mensch - Sharky - hat dem Teufel seine Seele verschrieben und als Gegenleistung seine Freiheit aus der Gefängniszelle erhalten. Die Absprache gerät allerdings in Vergessenheit, bis Luzifer persönlich sich zur Pokerpartie hinzugesellt und an die Vergangenheit erinnert. Anders als Goethes Faust, ein ruheloser und verzweifelter Gelehrter, ist Sharky (überzeugend gespielt von Thomas Gerber) der versoffene, ewige Verlierer. Gestrandet, arbeitslos und von der Frau verlassen, kommt er mehr schlecht als recht über die Runden. Er kümmert sich um seinen ständig kommandierenden Bruder und kämpft gegen seine Sucht.

Zum Weihnachtsfest gesellen sich seine Saufkumpane hinzu: Ivan, ein alter Freund des Hauses, von seiner Frau ausgesperrt; Nicky, der nun mit Sharkys Ex-Frau zusammen ist; und der mysteriöse Fremde aus längst vergessener Vergangenheit, der auf die Seele seines armseligen Opfers spekuliert.

Als „Meister der Geistergeschichten“ wird Autor McPherson gefeiert. Doch bis das Stück auf der Bühne des Badischen Staatstheaters eine Prise Gespenstisches gewinnt und sich so etwas wie dämonische Stimmung verbreitet, dauert es seine Zeit. Zwar humorvoll, aber auf Dauer auch ein wenig langatmig erinnert sich die tragikomische Gruppe der Alkoholiker, Glücksspieler und Verlierer an vergangene Sauftouren, sie befasst sich mit quälenden Magenproblemen, Proleten aus der Nachbarschaft und leeren Flaschen.

Der 1971 geborene McPherson versteht es zwar, die alltäglichen Plagegeister des Alkoholikers zu verdeutlichen, das Ruhelose und Jähzornige - doch tritt das teuflische Spiel dabei zu stark in den Hintergrund. Die eigentliche Tiefe, die dunkle und fesselnde Auseinandersetzung mit menschlicher Schuld und den eigenen Dämonen, mit Verzweiflung und Erlösung, erreicht das Stück in der Karlsruher Inszenierung von Donald Berkenhoff nur für vergleichsweise kurze Zeit.

„Der Seefahrer“ steht am 28. Februar (19.30 Uhr) ein weiteres Mal auf dem Spielplan des Badischen Staatstheaters.

www.badisches-staatstheater.de

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