„Der Revolver“: Geschichte einer fatalen Leidenschaft

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«Der Revolver» von Fuminori Nakamura
Fuminori Nakamuras literarisches Debüt jetzt auch auf Deutsch: Der Revolver. (Foto: - / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Yuriko Wahl-Immel

Es ist Liebe auf den ersten Blick. Sie hat faszinierende Kurven, fühlt sich gut an. „Noch nie habe ich etwas so Schönes gesehen.“ Der Student Nishikawa muss sie einfach haben. Seit sein Blick zufällig auf sie fällt, am Boden liegend. An einem Flussufer in Tokio, neben einem Leichnam.

Statt Alarm zu schlagen angesichts des Toten und einer Blutlache, nimmt er die Schusswaffe heimlich in seinen Besitz - aber schon bald wird es umgekehrt sein: Die Waffe nimmt Besitz von ihm. Packend erzählt von Fuminori Nakamura im Roman „Der Revolver“.

Seinen „Schatz“ versteckt Nishikawa zuerst in seiner kleinen Wohnung. Er ist ein zurückhaltender Typ, lässt sich treiben, wirkt durchschnittlich, unauffällig, ambitionslos. Sein Leben hat er bisher als eintönig und langweilig empfunden. „Über mein Tun und Lassen habe ich mir kaum je Gedanken gemacht.“ Die Waffe beschert ihm erstaunliche Glücksgefühle, ihr Besitz und das Geheimnis darum machen sein Dasein abwechslungsreicher.

Zuerst fühlt sich Nishikawa also gestärkt, er wird selbstbewusster. Mit Kumpel Keisuke zieht er los, reißt Frauen auf, hat Affären. Dann, ein Schock für den Studenten: Die Polizei findet die Leiche, geht von Mord aus. Die Yakuza - japanische Mafia - hatte wohl ihre Hände im Spiel. Die Tatwaffe wird nun dringend gesucht.

Mehr und mehr lockt der Revolver, zieht Nishikawa in seinen Bann. Seine Gedanken kreisen ständig um den Colt und die Patronen, die noch in der Trommel stecken. Obwohl er kein aggressiver Mensch ist, auch vorher nie Interesse an Waffen hatte, drängt es ihn irgendwann, den Revolver zu benutzen, zu feuern, Leben auszulöschen.

Nakamura schildert eindringlich und am Ende beklemmend, wie sich Persönlichkeit und Psyche des Studenten wandeln. Wie das Leben des jungen Mannes fatal aus den Fugen gerät, weil er dem Revolver verfällt, von ihm besessen ist. Ausgerechnet in Japan, einem Land, in dem es wenig Waffenliebhaber gibt, wo Verkauf und Besitz streng kontrolliert werden, Waffenkriminalität selten vorkommt.

Die Sache wird jedenfalls manisch, und man ahnt: Es kann nur eskalieren. Der zunehmend wirre Student trägt den Revolver nun häufig verborgen mit sich, erschießt eines Tages eine Katze. Ein Kriminalbeamter klopft kurz danach an, verdächtigt ihn, warnt ihn. Trotzdem - das Drama nimmt seinen Lauf, ein Mordplan wird geschmiedet. Und schließlich kommt es zu einer überraschenden Wende, die man erst einmal verarbeiten muss.

Der „Revolver“ ist Nakamuras Debütroman, erschien in seiner Heimat schon 2003. Inzwischen hat der Autor (42) gut ein Dutzend weitere Romane veröffentlicht - teilweise in mehrere Sprachen übersetzt - und viele Auszeichnungen erhalten. Sein Erstlingswerk endet mit einem Knalleffekt.

- Fuminori Nakamura: Der Revolver, Diogenes Verlag, Zürich, 240 Seiten, ISBN 978-3-257-07061-3.

Der Revolver

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