Der „Leipziger Mendelssohn“ in sieben Kapiteln

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Deutsche Presse-Agentur

Die Musikstadt Leipzig hat 2009 allen Grund zum Feiern. Vor 200 Jahren, am 3. Februar 1809, wurde Felix Mendelssohn Bartholdy geboren. Der Komponist und Dirigent aus großbürgerlichem Hause kam als Gewandhauskapellmeister in die Stadt an der Pleiße und hinterließ vielfältige Spuren.

Das Stadtgeschichtliche Museum greift das Jubiläum in seiner neuen Ausstellung „Der Leipziger Mendelssohn“ vom 3. Februar bis zum 10. Mai auf. Zwölf Jahre lang, von 1835 bis 1847, wirkte Mendelssohn in Leipzig als Gewandhauskapellmeister. Auf den ersten Blick keine übermäßig lange Zeit, „doch Mendelssohn wurde nur 38 Jahre alt“, erinnert Jürgen Ernst, Leiter des Mendelssohn-Hauses in Leipzig, an den Meister. „Man kann also sagen: Der Lebensmittelpunkt des virtuosen Komponisten, Malers und Dirigenten ist Leipzig gewesen.“ Mendelssohn, findet Museums-Direktor Volker Rodekamp, sei „diejenige Person, die ganz maßgeblich dazu beigetragen hat, dass Leipzig den Titel einer Weltstadt der Musik für sich beanspruchen kann“.

Um den Zuschauern den „Leipziger Mendelssohn“ nahezubringen, haben die Ausstellungsmacher einen kulturhistorischen Ansatz gewählt. Ein Kapitel der Ausstellung widmet sich dem Antlitz Leipzigs zur Zeit von Mendelssohns Wirken. Historische Stadtansichten sind ebenso zu sehen wie eine Biedermeier-Sitzgruppe, die den damaligen Zeitgeist veranschaulichen soll. Weitere Kapitel drehen sich um den Gewandhauskapellmeister oder den Komponisten Mendelssohn.

Ein Abschnitt widmet sich der besonderen Beziehung zu Johann Sebastian Bach (1685-1750). Mendelssohn gilt als „Bach- Wiederentdecker“. „Er war es, der die Matthäuspassion in der Thomaskirche nach Bachs Tod erstmals wieder aufgeführt hat“, sagt Kuratorin Kerstin Sieblist. Er habe sich mit Benefizkonzerten für ein Bach-Denkmal an der Thomaskirche engagiert. In unmittelbare Nähe finden Musikfreunde seit vorigem Jahr auch wieder ein Mendelssohn- Denkmal. Die Statue war in Nazi-Deutschland abgerissen worden, weil die Machthaber die Erinnerung an den Komponisten jüdischer Herkunft tilgen wollten. Die Nachbildung des Originals wurde im Oktober 2008 übergeben.

Um die Musik Mendelssohns erlebbar zu machen, hat sich das Stadtgeschichtliche Museum etwas Außergewöhnliches einfallen lassen: In einer Ecke steht ein computergesteuertes „virtuelles Ausstellungs- Orchester“ - für jedes beteiligte Instrument ein Notenständer. Wird nun ein Stück abgespielt, lässt der Computer Lämpchen an den Ständern aufleuchten, so lange das Instrument seinen Einsatz hat. Über Kopfhörer können die Besucher dazu die Musik hören. Mendelssohns Musik werde so „zu Gehör, aber eigentlich auch zu Gesicht“ gebracht, schwärmt Kuratorin Doris Mundus.

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