Der Hyundai i20N gibt mächtig Gas

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Thomas Geiger

Hyundai spreizt sein Portfolio: Während die Koreaner sich auf der einen Seite mit Elektroautos, Plug-in-Hybriden und nicht zuletzt mit der Brennstoffzelle weiter im Öko-Ranking nach vorne arbeiten, bedienen sie immer öfters auch die Spaßfraktion und weiten deshalb die Palette der N-Modelle aus. Nachdem der i30N bereits erfolgreich im Revier von Golf GTI und Focus ST räubert, soll der i20N diesen Erfolg vom kommenden Frühjahr an eine Klasse darunter wiederholen. Für einen Schätzpreis um 20 000 Euro wird er Polo GTI und Fiesta ST auf die Pelle rücken.

Dafür haben sich die Entwickler bei ihrer Arbeit in Namjang sowie auf und um den Nürburgring besonders viel Mühe gegeben und bei der neuen Generation des Kleinwagens kaum eine relevante Schraube unberührt gelassen. Es gibt nicht nur eine bulligere, vom WRC-Rennwagen inspirierte Karosserie, die sich bei der ersten Begegnung allerdings noch unter dem Tarnkleid des Prototypen versteckt, und einen 1,6 Liter großen Turbo, der 204 PS leistet und mit bis zu 275 Nm zu Werke geht. Sondern die breiten Reifen auf den schmucken 18-Zöllern stecken auf einem gründlich gestrafften Fahrwerk, die Lenkung ist deutlich direkter und das manuelle Getriebe hat kürzere Schaltwege und gleicht beim Gangwechsel automatisch die Drehzahl an.

Ein mechanisches Differenzial beschleunigt die Kurvenfahrt und statt die Sitze nur neu zu polstern, wurden die Sportschalen gleich komplett neu konstruiert. Dazu bissigere Bremsen, einen soundgewaltigen Klappenauspuff, ein variables Leuchtband im Drehzahlmesser, einen Schaltindikator mit LED-Blitzen und vier Fahrmodi, die man mit zwei zusätzlichen Tasten direkt aus dem Lenkrad heraus schalten kann – fertig ist ein handlicher Kraftmeier, der den Polo GTI zu einem lustlosen Langweiler stempelt.

N – das steht laut Projektleiter Alexander Eichler nicht nur für die Entwicklungszentren in Namjang in Korea und in Meuspath am Nürburgring, sondern der Buchstabe soll auch an eine Schikane erinnern. Und genau dafür ist der i20 N gemacht. „Wir wollen gar nicht die stärksten oder die schnellsten sein. Erst recht nicht auf der Geraden. Aber wir wollen das Auto bauen, das den meisten Spaß bietet,“ sagt der Ingenieur und bittet zum ersten Ausritt rund um den Ring. Trotzdem können sich auch die nackten Fahrdaten sehen lassen. Die exakten Werte will Projektleiter Eichler zwar noch nicht verraten. Doch auf Tempo 100 ist der Konkurrent Fiesta ST-Fighter in weniger als sieben Sekunden und um die 230 km/h sollten schon drin sein.

Auf den engen Sträßchen der Eifel merkt man schnell, dass sich der Aufwand von über drei Jahren Entwicklungsarbeit gelohnt hat. Der i20 klebt förmlich auf der Straße und rasiert durch die Radien, dass es eine wahre Freude ist. Sein Turbo spricht ohne nennenswerte Verzögerung an und dreht bis weit über 5000 Touren. Solange der Asphalt trocken und die Reifen warm sind, bringt er seine Kraft so sauber auf die Straße, dass die Schutzengel des ESP eine ruhige Kugel schieben können. Erst recht, wenn man in den Sport-Modus wechselt, die Toleranzschwelle der Sicherheitsfanatiker spürbar anhebt. Der i20N spannt die Muskeln an, das Fahrwerk versteift sich, der Auspuff spielt sich in den Vordergrund, der Puls schlägt schneller und der GTI aus Korea wird zu einer führerscheinfressenden Asphaltfräse.

Am meisten Spaß macht aber der N-Drive-Modus, den man über die Taste mit der Rennflagge aktiviert. Dann wird der Kraftmeier gar vollends zum Kämpfer, der um jede Zehntelsekunde fightet. Die Gänge fliegen nur so durchs kurze Getriebe, die Elektronik reduziert die Drehzahlsprünge und die Schalthinweise im Cockpit flackern wie in der Disco. Kein Wunder, dass die Marketing-spezialisten dem Knopf im Lenkrad einen eigenen Namen gegeben haben: „N Grin Control System“ nennen sie die sportliche Fahrdynamik-Regelung. Denn sobald man die aktiviert hat, ist ein Grinsen garantiert.

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