Der Herr der Pinakotheken nimmt Abschied

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Deutsche Presse-Agentur

Zum Ende seiner bald zehnjährigen Amtszeit als Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen will Reinhold Baumstark nicht nach den Sternen greifen.

So sagte es der Kunsthistoriker jedenfalls, als er kürzlich eine Ausstellung aus der Mitte seiner Häuser präsentierte: Die Barock-Gemäldesammlung des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz (Jan Wellem) mit Werken von Rubens bis Rembrandt war Ende des 18. Jahrhunderts von Düsseldorf nach München gelangt. Heute bildet sie den Grundstock der Alten Pinakothek. Am 18. Februar (Mittwoch) wird Baumstark aus seinem Amt verabschiedet, am 19. Februar wird er 65 Jahre alt und geht in den Ruhestand.

Neuneinhalb Jahre war er der Herr über mehr als 30 000 Kunstobjekte in den drei Pinakotheken in München, der Schack-Galerie und einem Dutzend Filialen in ganz Bayern. Der gebürtige Westfale ist bescheiden geblieben, obwohl er vor allem für die Pinakothek der Moderne Großes geleistet hat. Baumstark lobt lieber die „gewaltige Leistung“ des gesamten Teams der Staatsgemäldesammlungen. „Ich bin glücklich über dieses Team, dass es möglich ist, auch große Dinge zu schultern“, sagte er zur Eröffnung der Johann Wilhelm-Ausstellung.

Unter Baumstark hat sich die historische Kunstbewegung vom Rhein an die Isar fortgesetzt. Im Mai öffnet das neue Museum Brandhorst mit moderner Kunst von Andy Warhol bis Cy Twombly nahe der Pinakothek der Moderne ihre Pforten. Die Sammlung Brandhorst wanderte ebenso nach München wie die Kölner Sammlung Stoffel mit hochkarätiger Gegenwartskunst von Immendorf bis Lüpertz. Kurz vor dem Ruhestand holte Baumstark als dritte rheinische Gabe noch die Kölner Wilde-Sammlung mit Fotografien des frühen 20. Jahrhunderts nach München - ein „Quantensprung“ für die Pinakothek der Moderne sei das, sagte er in einem Interview. Baumstarks Ziel war es immer, die mit seiner Hilfe 2002 eröffnete Pinakothek der Moderne zu einem führenden Haus für moderne Kunst in Deutschland zu machen.

Zahlreiche Ausstellungen unter Baumstarks Ägide entwickelten sich zu Publikumsmagneten, wie etwa Cy Twomblys Lepanto-Zyklus oder die Max Beckmann-Schau. Dabei hatte er auch immer wieder mit knappen Kassen und einem geringen Ankaufsetat zu kämpfen. Außerdem verweigert Bayern als einziges Bundesland die Staatshaftung für geliehene oder geschenkte Kunst. Baumstark muss die Versicherungen aus seinem eigenen Etat zahlen. Er setzt auf Privatinitiativen, ohne die auch dringend notwendige Renovierungen seiner Häuser kaum möglich wären.

Für seine Verdienste um die Kunst wurde Baumstark, der von 1991 bis 1999 Generaldirektor des Bayerischen Nationalmuseums in München war, mit dem Maximiliansorden und dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.

Sein Nachfolger ist der bisherige Direktor der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, Klaus Schrenk. Zum 1. März übernimmt der 59- Jährige die Leitung der Staatsgemäldesammlungen. Auf ihn warten nun große Herausforderungen wie die Neugestaltung des Kunstareals in München und die Lösung der Raum- und Depotprobleme der Pinakotheken. Rund sechs Jahre bleiben dem 59-Jährigen für die großen Aufgaben, dann geht auch er in den Ruhestand. Kunstliebhaber dürfen sich freuen: Schrenk gilt als ein brillanter Ausstellungsmacher.

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