„Dead Pixels“ - Schlachthof auf dem Schreibtisch

«Dead Pixels»
Meg (Alexa Davies) vor ihrem Avatar in der britischen Comedyserie „Dead Pixels“. (Foto: Mister Whisper/Channel4/ZDFneo/dpa / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Christof Bock

Millionen Menschen auf der Welt haben einen Avatar. Einen digitalen Doppelgänger, der in einem Computerspiel übermenschliche Aufgaben löst oder aber Gemetzel anrichtet. Eine Pixel-Figur, die man nach Belieben beherrschen kann.

Bei den drei Mittzwanzigern Meg, Nicky und Usman wirkt es aber eher so, dass sie von ihren Avataren beherrscht werden. Die WG-Kumpel Meg (Alexa Davies) und Nicky (Will Merrick) haben graue Bürojobs. Sie haben sich einst einen Schwur geleistet, das Spiel eines Tages durchzuspielen. Der Pilot Usman (Sargon Yelda) langweilt sich auf seiner Designercouch. Er sollte sich eigentlich um seine kleinen Kinder kümmern, wenn seine Frau nicht da ist. Aber wenn im Computerspiel „Kingdom Scrolls“ eine Festung verloren zu gehen droht, ist der Alltag nur noch Nebensache.

„Dead Pixels“, 2019 für den britischen Channel-4-Ableger E4 entwickelt und jetzt auf ZDFneo zu sehen, will Gamer nicht als weltfremde Außenseiter zeigen, sondern nimmt die Szene sehr ernst.

Der Drehbuchschreiber Jon Brown und der Regisseur Al Campbell bezeichnen sich als „massive Gamer“. Meg schreit auf offener Straße ein Mädchen zusammen, das sich aus Modegründen wie eine Videospielerin anzieht, aber in Wahrheit keinen Schimmer hat. Sie habe zwei Mal in Eimer geschissen, um ein Videospiel durchzuziehen, brüllt sie. Am Freitag laufen ab 23.30 Uhr alle zwölf Folgen der ersten zwei Staffeln.

Die Liebe zum Detail merkt man an den bizarren Anekdoten, die sich durch die Serie ziehen. So schließt das naive Muttersöhnchen Russel (David Mumeni), gerade frisch in der Clique, Freundschaft mit dem Schweizer Gamer „Meine Mutter ist gestern gestorben“ und lädt ihn nach Hause ein. Ein No-Go, wie die Profis sofort empört aufschreien. Russel muss feststellen, dass „Meine Mutter ist gestern gestorben“ in Wirklichkeit ein 14 Jahre alter Schüler ist, der am nächsten Tag vor seiner Haustür steht - und dessen Mutter in der Tat vor ein paar Tagen gestorben ist. Dieser Mix aus schwarzem Humor, dichten Dialogen und Fremdschäm-Momenten ist es, der Fans von Klassikern wie „Gilmore Girls“ oder „Fleabag“ die Serie schnell schmackhaft machen kann.

Bemerkenswert ist, dass auch im digitalen Kosmos - das Spiel erinnert entfernt an „World of Warcraft“ - banale Probleme lauern. Nachdem die wertvolle Festung durch Avatare von Koreanern erobert worden ist, müssen die drei am Büro-PC stundenlang digitale Tiere schlachten, um Geld für den Rückkauf zu bekommen. Da kommt Nicky eine grausige Idee: Warum nicht einen Raubmord am prachtvoll ausgestatten Avatar des nervigen Russel begehen? Meg ist im Gewissenskonflikt. Denn in „Kingdom Scrolls“ hat ihre Doppelgängerin, die „Barbarische Bucklige Greta“, zwar Gruppensex im Haus des Jademonds. Sie hätte aber auch gern im echten Leben mal wieder einen Mann im Bett. Und Russel sitzt nur einen Schreibtisch weiter. Wie wird sie sich entscheiden?

© dpa-infocom, dpa:210407-99-112513/2

"Dead Pixels"

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