Datensicherheit für Unternehmen: So leicht haben es Hacker

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Diskutierten über Cyber-Kriminalität (von links): Mathias Maierhofer, Thomas Strobl (CDU), Moderatorin Jasmin Off, Lars Klingbei
Diskutierten über Cyber-Kriminalität (von links): Mathias Maierhofer, Thomas Strobl (CDU), Moderatorin Jasmin Off, Lars Klingbeil (SPD) und Andreas Schell. (Foto: Michael Scheyer)
Chefreporter Ulm und Alb-Donau

„162 Euro kostet es, Ihre Googlemail-Adresse hacken zu lassen.“ Andreas Schell, Vorstandsvorsitzender der Rolls-Royce Power Systems, alarmiert sein Publikum beim Panel „Cyber Security“ im Ludwig-Dürr-Saal des Bodensee Business Forum. Denn mit diesem Preis, schlanken 162 Euro, für eine im Internet zu bestellende kriminelle Dienstleistung konfrontiert, wird klar: Das Problem der Datensicherheit ist nicht mehr auszuklammern. Es betrifft jeden User. Mathias Maierhofer, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Telecom Liechtenstein, ergänzt: „Es gibt zwei Sorten von Unternehmen: Solche, die wissen, dass sie Opfer von Hackern sind. Und solche, die es sind und noch nicht wissen.“ 70 Prozent der deutschen Unternehmen seien bereits wenigstens ein Mal gehackt worden.

Nicht nur für Unternehmen interessieren sich die Täter, wie Lars Klingbeil, Generalsekretär der SPD, weiß. Die Mitglieder des Verteidigungsausschusses des Bundestags seien Cyber-Angriffen ausgesetzt gewesen: „Und in der SPD-Parteizentrale registrieren wir wöchentlich mehrere Attacken.“

Die Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen. Doch wie reagiert die Politik? Jasmin Off, Moderatorin und Leiterin der Digitalredaktion der „Schwäbischen Zeitung“, will von Klingbeil wissen: „Wie oft taucht er Begriff Cyber-Kriminalität im Koalitionsvertrag auf?“ Der SPD-Mann muss passen. „Gar nicht“, hat Off recherchiert. Ein Raunen geht durch den Saal. Denn es geht um die Gefahr des Stillstands einer ganzen Gesellschaft. Es geht um vernetzte Industriemotoren, die ohne Schutz leicht zu knacken sind. Um Patientendaten, die in unbefugte Hände geraten könnten. Oder, wie bereits geschehen, um Krankenhäuser, deren IT-Netze lahmgelegt wurden.

Industrie, Handel und Dienstleistung werden immer anfälliger für Cyber-Angriffe, ist sich Markus Winter, Serienunternehmer und Digitalisierungsexperte, sicher: „Heute übernehmen Maschinen 29 Prozent der Arbeit, bis Ende der 2020er-Jahre werden es 52 Prozent sein.“ Entsprechend erhöhen sich die Risiken. Und Winter mahnt: „Sicherheit im Cyber-Raum wird zunehmend zum Verkaufsargument!“ Kleinere Firmen und Start-ups hätten es schwerer als große Unternehmen, ihre Daten zu schützen: „Denn Cyber-Sicherheit ist richtig teuer.“

Länderübergreifend organisiert

Die Gegenseite hingegen ist bestens aufgestellt: Die Zeiten, in denen Computer-Nerds aus der heimischen Garage heraus Netzwerke aus reiner Neugier hackten, sind längst vorbei. „Heute sind Gruppen über Ländergrenzen hinweg unterwegs, die an Technologie, an Daten, an Erpressung interessiert sind“, berichtet Maierhofer, „diese Täter bieten die gestohlenen Daten dann im Internet zum Kauf an.“ Oder es geht um politische Interessen: „Wir haben es mit staatlichen oder halbstaatlichen Organisationen im Ausland zu tun, die uns ausspähen oder die die politische Stimmung beeinflussen“, wirft Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) ein: „Es ist fast schon eine kriegerische Auseinandersetzung.“

Wie können sich Unternehmen schützen? Gegen die Folgen von Attacken auf Netzwerke von Hausärzten, Firmen, Steuerberatern oder Behörden habe das Landeskriminalamt Baden-Württemberg eine „Cyber-Wehr“ gegründet, sagt der Innenminister: „Die hilft, wie die Feuerwehr, sofort, als digitaler Tatort-Reiniger.“ Und präventiv? Eine wirksame Methode kennt Maierhofer: „In Australien wird keine chinesische 5G-Technik aus Angst vor Spionage mehr verwendet.“ Gegen spionierende Mitarbeiter im eigenen Unternehmen dagegen gebe es keine Rezepte. Grundlegend für den persönlichen Schutz sei immer noch ein schwierig zu knackendes Passwort: „Aber das müssen sie immer wieder und in kurzen Abständen ändern“, rät Maierhofer.

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