Das Smartphone gehört nicht in die Schultüte

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Das Smartphone gehört nicht in die Schultüte.
Das Smartphone gehört nicht in die Schultüte. (Foto: Federico Gambarini)
Agence France-Presse

Das Smartphone gehört längst auch bei vielen Grundschülern zum Alltag. Doch bevor Eltern zum jetzt beginnenden neuen Schuljahr auch die Schulstarter in der Schultüte damit beschenken, sollten sie lieber abwarten. Experten halten die Kleinen für noch nicht ausreichend reif - dies gilt übrigens für die gesamte Grundschulzeit. Fragen und Antworten.

  • Was spricht für ein Smartphone für Erstklässler?

Der Digitalverband Bitkom forderte im vergangenen Jahr Handys auch für die Kleinsten. Mit einem Recht auf digitale Teilhabe auch von Kindern begründete das der Lobbyverband. Manche Eltern halten das eigene Handy für Kinder auch für unverzichtbar, unter anderem, um die Kinder immer erreichen zu können.

  • Was spricht gegen ein Smartphone für Schulanfänger?

Experten der unter anderem vom Bundesfamilienministerium getragenen Initiative „Schau hin!“ halten die Kinder im Grundschulalter schlicht noch nicht für reif genug. Erst mit elf oder zwölf Jahren sei die nötige Reife erreicht - das ist erst nach der Grundschule. Die Experten begründen dies mit der fehlenden Fähgkeit, die Gefahren des Internets richtig einzuschätzen. Außerdem überfordern die vielen Funktionen des Geräts. Dazu kommt das fehlende Vermögen, die Kosten richtig einzuschätzen - sowohl bei der Anschaffung als auch im laufenden Vertrag.

  • Ist das Smartphone grundsätzlich für die Kinder zu verdammen?

Nein, eigene Erfahrungen mit Smartphone oder Tablet zu machen kann auch in diesem Alter nach Einschätzung der Experten sinnvoll sein. Dazu ist eine Grundvoraussetzung aber, dass eine tägliche Nutzungszeit vereinbart und dann auch eingehalten wird. Im Alter der Erstklässler sollten dies nicht mehr als 30 Minuten sein, lautet die Empfehlung. Für solche Zeiten benötigen die Kinder aber kein eigenes Gerät - das kann auch eines der Eltern sein.

  • Welche Alternative gibt es?

Viele Eltern wollen gerade durch die üblich gewordene ständige Erreichbarkeit auch ihr Kind ständig erreichen können - zum Beispiel auf dem Rückweg von der Schule. Für dieses klassische Telefonieren reichen aber auch herkömmliche Handys ohne Internetzugang aus. Diese sind nach wie vor im Handel zu bekommen und kosten deutlich weniger als Smartphones.

  • Wie können Eltern ihre Kinder überzeugen?

Mit dem Hinweis, dass ein anderes Kind aber doch auch schon ein Smartphone hat, versuchen Kinder gern ihre Eltern zu überreden. Hier sollten Eltern schlicht klar in ihrer Position sein. Dabei kann helfen, dem Kind für eine begrenzte Zeit das eigene Smartphone zu überlassen. Außerdem spielt das eigene Vorbild der Eltern eine Rolle. Wer bewusst für gewisse Zeiten offline ist, kann das auch überzeugender den Kindern vermitteln.

Die Auerbach-Stiftung mit Sitz in Tettnang setzt sich für einen maßvollen Umgang mit Mobilgeräten ein. Das können Kinder mit einfachen Ritualen erlernen. Zum Beispiel mit dem Handybett. Was es damit auf sich hat und wann das Handy am besten schlafen gehen sollte, das erklärt Stiftungsvorstand Steffen Heil im Interview mit der Schwäbischen Zeitung.
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