Das Scala hat mit eigenen Ansprüchen zu kämpfen

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Schwäbische Zeitung

Ein schöneres, geschmackvoller eingerichtetes oder besser gelegenes Restaurant kann sich der Gast kaum wünschen: Das Restaurant Scala thront imposant über dem Stadtsee von Bad Waldsee. Die aufmerksamen Servierdamen geben den Gästen das Gefühl des Willkommenseins. Also genau der richtige Rahmen, um ein gepflegtes Essen zu genießen, das laut eigener Aussage „Luxus gepaart mit schwäbischer Bodenständigkeit“ verspricht.

„Die Gäste“, so verbreitet es Chefin Cornelia Frick im Internet, „werden das Essen lieben, weil es gut gemacht ist.“ Ist es das wirklich? Das Restaurant weckt hohe Erwartungen. Der Blick in die Karte facht die Vorfreude auf Außergewöhnliches weiter an. Küchenchef Simon Schuwerk versucht offenbar, jahreszeitliche Rohstoffe mit internationaler Finesse zu kombinieren. Das drückt sich zum Beispiel im Carpaccio von Roter Bete mit Trüffelöl aus. Oder im veganen Kürbisrisotto mit sautierten Pilzen.

Akzent und Klarheit beim Würzen fehlen

Als Vorspeise trägt die junge Kellnerin ein warmes Ragout von Miesmuscheln und Shrimps herbei. Und der Anblick ist mehr als appetitanregend: Meeresfrüchte, geröstetes Brot mit Knoblauch, ein Kürbis-Chip sowie eine imposante Riesengarnele. Doch leider beginnt mit ihr auch das Problem der Vorspeise. Denn sie ist nicht sauber gereinigt, sodass noch zentimeterlange Reste des Darms im Krebstier sind. Außerdem war die Garnele zu lange zu hoher Hitze ausgesetzt, sodass sie trocken ist und einen unangenehm festen Biss hat. Muschelfleisch und Shrimps in Soße fallen indes nicht negativ auf. Allerdings: Die Soße zeigt am Gaumen keine Aromen. Es fehlen beim Würzen Akzent und Klarheit, denn die dominierenden Komponenten sind Sahne und Salz. Säure fehlt dem Gericht komplett, sodass es geschmacklich hinter die ästhetische Optik zurückfällt.

Das beste ist die Soße

Unglücklicherweise zeigt auch das Hauptgericht, Zweierlei vom Kaninchen, deutlich mehr Schwächen als Stärken: Das Fleisch der geschmorten Keule ist so trocken, dass es beim Kauen rasch sämtliche Zahnzwischenräume ausfüllt, am Gaumen bleibt ein traniger Nachhall. Lange Geschmortes wird normalerweise mürbe und ist durchdrungen von der Soße, in der es köchelt. Das gebratene und in Schinken gewickelte Rückenfilet mit Salbei ist geschmacklich deutlich besser. Aber auch hier ist sämtliche Feuchtigkeit aus dem weißen Fleisch gewichen. Die gestampfte Steckrübe kann den Teller nicht retten. Wer vorher nicht wusste, wie Steckrübe schmeckt, weiß es auch hinterher nicht. Denn das Wurzelgemüse ist überdeckt von Nelkenaromen. Selbst der Kohlrabi taugt nicht als Glanzstück, weil schon optisch zu erkennen ist, wie ihn weiße Adern holzig durchziehen. Das deutet auf eine zu lange Lagerung hin, was ihn muffig schmecken lässt. Da hilft es auch nicht, dass der Kohlrabi teils gelb – vermutlich mit Safran – eingefärbt ist. Das Beste an diesem Teller ist die Soße mit kraftvollen Röstaromen, auch wenn sie für zartes Kaninchen eigentlich zu wuchtig ist.

Zum Dessert gibt es hausgemachte Sorbets, die durchaus überzeugen – insbesondere jenes von der Feige. Doch auch sie können den Eindruck nicht entkräften, dass die Küche im Bemühen um die eigenen hohen Ansprüche bei diesem Menü auf verlorenem Posten kämpft.

Restaurant Café Scala

Wurzacher Str. 55

88339 Bad Waldsee

Telefon 07524-9787773

www.scala-bad-waldsee.de

geöffnet Mittwoch bis Montag von 11.30-23 Uhr, sonntags ab 9.30 Uhr Frühstück. Hauptgerichte 10,50-27,90 Euro.

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