Das gesunde Gläschen Rotwein am Abend: Krankenkasse warnt vor Mythos

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Das gesunde Gläschen Rotwein am Abend: Krankenkasse warnt vor Mythos
Das gesunde Gläschen Rotwein am Abend: Krankenkasse warnt vor Mythos. (Foto: A3472 Frank May / dpa)
Schwäbische Zeitung

Mit Sekt anstoßen oder eine Schnapspraline genießen - was gesellschaftlich eher als unproblematisch gilt, scheint gar nicht so ohne zu sein. Studien dazu sollen gar fehlerhaft sein.

Die Techniker Krankenkasse hat einen entsprechenden Bericht veröffentlicht. Konkret geht es zum Beispiel um eine Langzeitstudie, die zu dem Ergebnis gekommen ist, dass Frauen und Männer ein bis zwei Tage Alkohol pro Tag trinken könnten, ohne ein erhöhtes Risiko zu haben, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben. 

Laut der Ergebnisse von Tim Stockwell und Kollegen, die im Fachblatt "Journal of Studies on Alcohol and Drugs" jetzt veröffentlicht wurden, seien die Studien wissenschaftlich nicht haltbar, teilt nun aber die Krankenkasse mit.

Hauptfehler sei, dass die Gruppe der moderaten Trinker mit einer Gruppe von Nichttrinkern verglichen wurde, wobei häufig nicht hinterfragt wurde, warum die Abstinenzler keinen Alkohol während des Studienzeitraums getrunken hatten.

Dadurch seien viele kranke Menschen oder gar Alkohol-Abhängige in die Vergleichsgruppe gelangt. Auch welcher Alkohol getrunken wurde, sei nicht unterschieden worden. 

Doch die Kasse warnt vor zu viel Konsum, denn vom täglichen Glas sei der Übergang zur Sucht fließend. Ernährungsexpertin Sabine Wagner-Rauh sagt, dass die im Rotwein verstärkt vorhandenen Polyphenole auch anders eingenommen werden könnten.

Alkohol ist weder ein Medikament, noch dient er gar der allgemeinen Gesundheitsförderung.

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen

Sie können freie Radikale unschädlich machen, die die Körperzellen schädigen. „So enthalten viele rote Obst- und Gemüsesorten ebenfalls Polyphenole, deren Wirkung von entzündungshemmend bis krebsvorbeugend reichen - ohne dass Alkohol mit im Spiel ist“, so die TK.

Bei gefährdeten Menschen können kleine Mengen ausreichen

Gegen das Gläschen in Ehren spricht sich auch die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen aus. „Alkohol ist weder ein Medikament, noch dient er gar der allgemeinen Gesundheitsförderung“, heißt es in einer Broschüre des Vereins. 

Natürlich würden die Menge, die täglich getrunken wird, und die Regelmäßigkeit, mit der dieses geschieht, eine Rolle spielen. Je weniger regelmäßig getrunken werde, desto geringer sei die Gefahr zu erkranken oder abhängig zu werden.

Doch bei ohnehin gefährdeten Menschen können selbst geringe Mengen bei regelmäßigem Konsum ausreichen, um Abhängigkeit oder Krankheiten zu erzeugen.

Das Sozialministerium Baden-Württemberg hat nach eigenen Angaben ein dichtes Netz von Psychosozialen Beratungs- und ambulanten Behandlungsstellen für Suchtgefährdete und Suchtkranke im ganzen Land geknüpft. Hier sollen süchtige Menschen Hilfe bekommen. 

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