Dachdecker Neger muss Firmenlogo verteidigen

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Dieses Logo hat eine Rassismusdebatte ausgelöst.
Dieses Logo hat eine Rassismusdebatte ausgelöst. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
dpa

Ein dunkles Männchen mit dicken Lippen und handtellergroßen Ringen in den Ohren: Das Logo der Mainzer Dachdeckerfirma Thomas Neger zeigt die klischeehafte Darstellung eines Schwarzen. Deshalb steht der Traditionsbetrieb derzeit in der Kritik. Die Debatte ist völlig aus dem Ruder gelaufen – und offenbart einmal mehr die unterirdische Diskussionskultur im Internet.

Thomas Neger will nicht nachgeben: „Da isses wieder Herr Schmitt!“, schreibt der Mainzer CDU-Stadtrat auf Facebook und postet das Foto des umstrittenen Logos, das seinen Dachdeckerbetrieb in den vergangenen Wochen in die Schlagzeilen gebracht hat. Er spielt damit auf den Grünen-Politiker Felix Schmitt an, der das Logo bei Facebook meldete und entfernen ließ. Der Streit um das Logo ist hochgekocht, seit in Mainz Aufkleber verteilt wurden, auf denen der 44-Jährige Handwerksmeister als Rassist bezeichnet wird.

Das Logo des Mainzer Familienbetriebs war bereits in den vergangenen Jahren in die Kritik geraten, so etwa 2014 durch den Fachschaftsrat Ethnologie der Universität Mainz. Aber diesmal ist der Streit mit nie dagewesener Wucht entbrannt. Stein des Anstoßes ist die klischeehafte Darstellung eines Schwarzen im Signet der Firma. „Das Logo soll geändert werden, das ist unsere Forderung. Wenn das passiert, ist alles gut“, sagt David Häußer. „Dieses Logo zu ändern, da bricht er sich doch nichts ab“, sagt er. Der Musiker ist einer der Initiatoren der Aktion „Das Logo muss weg“. Die zugehörige Facebookseite hat mittlerweile mehr als 4600 Freunde gefunden. Doch es gibt auch eine Gegenbewegung: Die Seite „Ein Herz für Neger“ hat rund 7700 Likes, hier sammeln sich die Nutzer, die Thomas Neger ermutigen, nicht einzuknicken.

Während die einen sich im Streit gegen Kolonialzeit-Stereotype wehren, berufen sich die anderen auf die Tradition, den der Name Neger in Mainz hat. Denn ausgedacht hat sich das Logo Thomas Negers Großvater Ernst. Als „singender Dachdeckermeister war er eine Art Superstar der Fastnachtsszene, nicht nur in Mainz. „Heile heile Gänsje“ hieß ein Hit, „Humba Täterä“ wird zigfach in Fußballstadien gegrölt. Ernst war es auch, der sich damals das Logo für die Firma ausdachte. Wie der Opa, so hat sich auch Thomas Neger in der Fastnacht einen Namen gemacht, „Im Schatten des Doms“ heißt sein Hit.

Üble Dimensionen

Selbst die amerikanische Tageszeitung „Washington Post“ berichtete inzwischen über die Debatte. Sie wirft ein Licht darauf, welche üblen Dimensionen der Streit angenommen hat: So wird Felix Schmitt zitiert, stellvertretender Pressesprecher der Grünen-Landtagsfraktion in Rheinland-Pfalz. Er berichtet von Drohungen gegen seine Person, seit er das Logo bei Facebook gemeldet hat. In dem sozialen Netzwerk wird er heftig angegangen, als „Gutmensch“ und „Moralapostel“ geschmäht. Auch schwarze Studentinnen berichten der „Post“ zufolge von Anfeindungen bei Facebook – bis hin zu Todesdrohungen. Sie hatten mit antirassistischen Parolen für Fotos posiert. Diese wurden dann auf der Seite von „Das Logo muss weg“ veröffentlicht. Die Internetseite „Netz gegen Nazis“ hat die offen rassistischen Kommentare dokumentiert, denen sich die Aktivisten ausgesetzt sahen. Ein Logo-Kritiker schreibt auf Facebook, er würde sich an Stelle von Thomas Neger schämen, solche Unterstützer zu haben.

Thomas Neger seinerseits beklagt sich über das Ausmaß, das die Debatte erreicht hat. Er spricht von Anfeindungen im Netz. „Ich wünsche mir, dass die Diskussion wieder in der Sachlichkeit geführt wird, die ihr gebührt“, sagt Neger. Mehr mag er dazu auch gar nicht mehr sagen. Nur so viel: „Das Logo gibt es seit Jahrzehnten. Unserer Auffassung nach ist es nicht rassistisch!“ Und seinen Gegnern hielt er im Netz entgegen: „Wenn ein schwarzer Mensch zu mir kommt und sich beschwert, überdenke ich meine Meinung zu unserem Logo.“ Bisher hat sich an seiner Meinung allerdings nichts geändert.

Tahir Della von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland ist einer von denen, die das Logo kritisieren. „Thomas Neger sagt, dass es nicht rassistisch sei. Es ist zweifelhaft, ob er das aus seiner Perspektive einschätzen kann. Als Mensch, der höchstwahrscheinlich nicht über Rassismuserfahrung verfügt, fehlt ihm hier die Kompetenz.“

Blick in die Region:

„Komm, wir gehen ins Negerbad“: Diesen Satz hört man im Sommer öfter, wenn man sich in Friedrichshafen befindet. Das „Negerbad“ in Manzell ist einer der schönsten Natursandstrände am Bodensee. Der Name ist nach Recherchen des Stadtarchivs bereits aus den Zwanziger-Jahren des vergangenen Jahrhunderts überliefert. Damals, so heißt es, soll der Strandabschnitt noch recht sumpfig gewesen sein, was bei Badenden entsprechend abfärbte. Heute ist das Ufer eher sandig, der Begriff ist aber geblieben. Eine öffentliche Debatte über den Namen gab es bislang nicht.

In der Region Bodensee-Oberschwaben und generell im Südwesten sieht man oft Gaststätten, die „Zum Mohren“ heißen. Der Name geht auf die Bibel zurück: Die Wirtshäuser sind nach einem der Heiligen Drei Könige benannt, denn: „Die Könige in der Weihnachtsgeschichte gelten als Patrone der Reisenden, unter ihnen war der schwarze König der beliebteste“, wie der Sprachforscher Prof. Konrad Kunze aus Freiburg weiß. Firmen wie die Traditionsbrauerei „Mohren Bräu“ in Dornbirn sind immer wieder mit Rassismusvorwürfen konfrontiert.

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