Coronavirus auf Schwäbische.de: Welche Inhalte kostenpflichtig sind - und warum

Chef vom Dienst Digital / stellv. Leiter Digitalredaktion

Sehr geehrte Userinnen und User von Schwäbische.de,

zu unserer Berichterstattung über die Corona-Krise erklären wir Ihnen, welche Artikel wir Ihnen kostenlos zur Verfügung stellen - und welche als kostenpflichtige Plus-Inhalte unseren Abonnenten vorbehalten sind.

Grundsätzlich gilt: Schwäbische.de veröffentlicht Artikel zur akuten Gefahrenabwehr in aller Regel kostenlos. Das tun wir ganz unabhängig von Corona.

Was bedeutet akute Gefahrenabwehr? Das sind Texte, ohne deren Kenntnis für unsere Leser oder einzelne Personen eine direkte und große Gefahr für Leib und Leben bestehen könnte. Das ist bei Fällen wie der Suche nach einer vermissten Person oder der Fahndung nach einem möglicherweise gefährlichen Verbrecher in der Region noch einfach nachzuvollziehen. Solche Texte verbreiten wir immer kostenlos.

Beim Umgang mit der Corona-Pandemie ist die Beurteilung der Lage schon schwieriger. Akute Gefahr umfasst hier aber nach unserem Verständnis nicht jede Nachricht zum Stand der Ausbreitung der Krankheit.

Ein Beispiel: Die Nachricht, dass sich in einem Ort der Region 50 Menschen mit Corona angesteckt haben, bedeutet keine akute Gefahr für die Öffentlichkeit - schließlich ist bei strengem Befolgen der aktuellen Sicherheitsregeln niemand ernsthaft durch eine Corona-Infektion gefährdet. Das gilt selbst dann, wenn es in unmittelbarer Nähe einen Infektionsherd gibt. Allein aus der Kenntnis der Zahl oder Ausbreitung der Krankheit lässt sich keine akute Gefahrenlage herleiten.

Anders ist es mit der Verbreitung von Corona-Regeln und der Information zu Schutzmaßnahmen: Werden Regeln zur Corona-Prävention verschärft, weil sonst etwa mit einer ungehinderten Ausbreitung der Krankheit zu rechnen ist, dann ist das eine akute Gefahrensituation. Wer die neuen Regeln nämlich nicht befolgt, kann schließlich selbst in erhöhte Gefahr einer Ansteckung geraten oder andere durch Ansteckung in Gefahr bringen. 

Deshalb gibt es bei uns seit mehreren Wochen ein tägliches Newsblog, das genau solche wesentlichen Informationen zur Eindämmung der Pandemie kostenlos verbreitet und das im Schnitt drei Redakteure erarbeiten - ab 6 Uhr morgens bis 22.30 Uhr im Schichtdienst. In diesem Blog finden Sie alle wichtigen Informationen, wie etwa Hinweise der Behörden und Gesundheitsämter und die wichtigsten Nachrichten zur Pandemie. 

+++ Corona-Dossier: Informationen und Hintergründe +++

Hintergrund-Recherchen hingegen - wie zum Beispiel genaue Infektionszahlen in einzelnen Orten oder Regionen - in denen es nicht um die konkrete Gefahr für Leib und Leben geht, sondern um einen Service, der aufwändig zusammengetragen wurde, sind Plus-Inhalte. Sie sind damit unseren Abonnenten vorbehalten, die unsere Arbeit mit einem Abo honorieren. Sie machen das Angebot von Menschen aus der Region für Menschen in der Region möglich. Weil sie es wertschätzen.

Sie, unsere Abonnenten, haben diese regionale Symbiose erkannt. Dafür sind wir dankbar und fühlen uns diesem Vertrauen verpflichtet. Deshalb haben Abonnenten einen umfassenderen Zugriff auf unser Informationsangebot als jene, denen Agentur-Material und Nachricht genügen.

Wenn die Erwartung die ist, dass wir Journalisten tagtäglich, auch an Wochenenden und Feiertagen, im Schichtdienst und mit Überstunden umsonst arbeiten sollen, dann gibt es bald auch keinen kostenfreien Lokaljournalismus mehr – dann gibt es schlichtweg niemanden mehr, der das in diesem Umfang leisten kann und will. Wir sind nicht gebührenfinanziert. Unsere Arbeit kostet im Probe-Monat 99 Cent, im Monats-Abo 9,90 Euro.

Anders als Nachrichtenagenturen wie dpa und AFP oder auch Plattformen wie Google und Facebook berichten wir auch aus Laichingen und Wangen, aus Ravensburg, Spaichingen und Aalen, aus Lindau, Sigmaringen oder Biberach, aus Langenargen, Bopfingen oder irgend einem anderen Ort in unserem Verbreitungsgebiet.

Die Journalisten der Schwäbischen Zeitung, ob Print oder digital, wissen sehr genau, für wen sie tagtäglich ihre Arbeit machen. Zu dieser Arbeit gehört neben der gebotenen journalistischen Objektivität auch ein gesundes Maß an Leidenschaft.

Unsere Journalisten üben einen Beruf aus. Dafür werden sie bezahlt. Sie recherchieren, analysieren, informieren. Sie wählen Nachrichten aus und ordnen ein. Sie erstellen ein journalistisches Produkt, das in Teilen bereits jetzt täglich kostenlos der Allgemeinheit zur Verfügung steht.

Es ist deshalb eine Selbstverständlichkeit, dass unsere Journalisten für ihre Arbeit am Ende des Monats auch eine Entlohnung erwarten, die sich aus ihrer Arbeit refinanziert. Es ist nicht „dreist“, nicht „unverschämt" und erst recht keine „Schweinerei“, wie man uns bisweilen vorwirft.

Der Verweis auf die Wichtigkeit eines Artikels wird erst zum Argument, wenn es um akut Überlebenswichtiges geht, wenn Leib und Leben akut gefährdet sind – und dann machen wir bei Schwäbische.de unsere Artikel ohnehin frei lesbar.

Darüber hinaus entscheiden wir in Einzelfällen über Ausnahmen – in der Regel greift aber unser Plus-Angebot.

Bei der Selbstverständlichkeit, mit der in oftmals rüdem Ton kostenloser Konsum von journalistischen Inhalten gefordert wird, stellt sich aktuell die Frage: Funktionieren diese Argumente und diese Tonalität auch an der Supermarkt-Kasse beim Bezahlen von Nudeln und Klopapier?

Mit freundlichen Grüßen

Michael Wollny (stellv. Leiter Digitalredaktion)

HINWEIS: Dieser Artikel wurde im September 2020 auf Grundlage neuer Erkenntnisse zur Corona-Pandemie und dem Verhalten des Virus angepasst.

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