Coronavirus aktuell: Ausbreitung, Schutzmaßnahmen und Sicherheitshinweise

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Coronavirus - Kroatien
In Kroatien ist erstmals eine Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 nachgewiesen worden. (Foto: Darko Bandic / dpa)
Schwäbische Zeitung

Seit Ende 2019 greift das neuartige Coronavirus von China aus auf weitere Länder über. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten sowie Hintergrundinformationen.

Ständig aktualisierte Daten-Grafik

Was ist das Coronavirus?

 

Die wichtigsten Fragen und Antworten

(Quelle: Bundesgesundheitsministerium)

  • Wofür stehen SARS-CoV-2 und Covid-19?

Seit dem 11. Februar hat das neuartige Coronavirus, das bislang vorläufig mit 2019-nCoV bezeichnet wurde, einen neuen Namen: SARS-CoV-2. Das Akronym SARS steht dabei für Schweres Akutes Atemwegssyndrom. Der Name weist auf die enge Verwandtschaft zum SARS-Virus hin, das 2002/2003 eine Epidemie ausgelöst hatte.

Auch die Lungenkrankheit, die durch SARS-CoV-2 ausgelöst werden kann, hat einen neuen Namen erhalten. Sie wird nun Covid-19 (Corona Virus Disease 2019) genannt.

  • Welche Vorkehrungen wurden in Deutschland getroffen?

Dem Robert Koch-Institut wurden erweiterte Befugnisse bei der Koordinierung von Maßnahmen mit den Bundesländern eingeräumt. Auch unter den Gesundheitsministern in der EU finden aktuell Abstimmungen statt, um ein einheitliches Vorgehen zu gewährleisten.

Um Verdachtsfälle möglichst früh zu erkennen, wurden Ärzte, Kliniken und Labore verpflichtet, auch begründete Verdachtsfälle zu melden.

Die deutschen Behörden weiten zudem die Vorkehrungen zur Eindämmung des neuen Coronavirus aus. Für Reisende aus zusätzlichen Ländern sollen Meldepflichten und Informationsangebote kommen, wie Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) nach ersten Beratungen eines neu eingerichteten Krisenstabs der Bundesregierung mitteilten.

Zur Bekämpfung des neuartigen Virus will die Bundesregierung bis zu 50 Millionen Euro zusätzlich an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zahlen. 

  • Wie reagieren die Behörden?

Krisenstäbe sind bei der Bundesregierung und den hauptsächlich betroffenen Ländern eingerichtet. Täglich gibt es Telefonkonferenzen - national und international. Pandemiepläne in Bund und Ländern werden aktualisiert.

Das Robert Koch-Institut (RKI) bewertet die Situation seit vier Wochen in zwei Schichten in einem Lagezentrum. Bundesgesundheitsminister Spahn und andere Regierungs- und Behördenvertreter betonen: Deutschland verfüge über eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Man sei vorbereitet.

Dreh- und Angelpunkt der Krisenbewältigung sind erst einmal die 380 Gesundheitsämter. Sie schätzen die Lage vor Ort ein, informieren die Bevölkerung und ermitteln Kontaktpersonen. 

Spahn spricht von einer möglichen "nächsten Phase". Dann könnten nicht mehr möglichst alle Kontaktpersonen ermittelt werden.

Auch Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD, sieht Grenzen solcher Maßnahmen: "Sobald es mehr solche Fälle werden, wüsste ich nicht, wie das gehen soll."

Sie sieht die kritische Schwelle bei einer zwei- bis dreistelligen Zahl an Infizierten. Besonders geschützt würden dann Risikogruppen wie Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen. Der Fokus könnte sich dann auf Altenheime, Kindergärten, Schulen richten.

  • Wie kann man sich schützen?

Gute Handhygiene, Husten- und Nies-Etikette sowie Abstand zu Erkrankten halten. Diese Maßnahmen schützen auch vor anderen akuten Atemwegserkrankungen, u.a. auch vor der Grippe und sind somit auch in Anbetracht der Grippewelle angeraten.

Umfangreiche Informationen zur Hygiene beim Husten und Niesen sowie zum Händewaschen werden durch die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung zur Verfügung gestellt.

Krankheiten wie Grippe, Keuchhusten oder Magen-Darm können durch einfache Regeln vermieden werden. Deswegen jetzt: 5 Tipps zum Schutz vor Keimen.
  • Was sollten Personen tun, die Sorge haben, sich mit SARS-CoV-2 infiziert zu haben?

Personen, die einen engen Kontakt mit einer Person hatten,  bei der das neuartige Virus SARS-CoV-2 im Labor nachgewiesen wurde, oder sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben, sollten Kontakte zu anderen Personen vermeiden und sich unverzüglich mit dem zuständigen Gesundheitsamt in Verbindung setzen.  Die Kontaktdaten kann man z.B. über eine Datenbank des Robert Koch-Instituts abfragen.

Gesundheitsminister Jens Spahn apelliert an die Bürgerinnen und Bürger, bei einem Verdachtsfall nicht umgehend die Hausarztpraxis aufzusuchen, sondern zunächst telefonisch Kontakt aufzunehmen: "Es ist wichtig, dass man nicht ins Wartezimmer geht, sondern auf einen Hausbesuch wartet."

Durch das Gesundheitsamt erfolgt eine individuelle Befragung, um das individuelle Risiko zu erheben und Maßnahmen festzulegen. Gleichzeitig ist es damit möglich, bei Auftreten von Symptomen die medizinische Versorgung zu koordinieren.

  • Wie wird das neue Virus übertragen?

Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen  bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten.

Das Virus verursacht in erster Linie Atemwegserkrankungen (siehe „Welche Krankheitszeichen werden durch das neuartige Coronavirus ausgelöst?“). Es ist davon auszugehen, dass die Übertragung – wie bei anderen Coronaviren auch - primär über Sekrete der Atemwege erfolgt.

  • Wie lange dauert es, bis die Erkrankung nach Ansteckung ausbricht?

Derzeit wird davon ausgegangen, dass es nach einer Ansteckung bis zu 14 Tage dauern kann, bis Krankheitszeichen auftreten.

  • Welche Krankheitszeichen werden durch das neue Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelöst?

Wie bei anderen Erregern von Atemwegserkrankungen kann eine Infektion mit SARS-CoV-2 zu Krankheitszeichen wie Husten, Schnupfen, Halskratzen und Fieber führen. Einige Betroffene leiden auch an Durchfall. Bei einem Teil der Patienten scheint das Virus mit einem schwereren Verlauf einherzugehen und zu Atemproblemen und Lungenentzündung zu führen.

Todesfälle traten allerdings bisher vor allem bei Patienten auf, die älter waren und/oder bereits zuvor an chronischen Grunderkrankungen litten. Derzeit liegt der Anteil der Todesfälle, bei denen die Erkrankung mittels Labortest bestätigt wurde, bei etwa 2 Prozent. Es ist aber wahrscheinlich, dass dieser Anteil tatsächlich geringer ist, weil sich die Daten auf Patienten beziehen, die im Krankenhaus behandelt wurden.

  • Was passiert im Verdachtsfall?

Hierzu gibt es genaue Abläufe entlang Empfehlungen des Robert Koch-Institutes. Wenn bestimmte Kriterien vorliegen führt der Arzt oder die Ärztin mit geeigneter Schutzkleidung eine Untersuchung durch und entscheidet, ob ein begründeter Verdachtsfall vorliegt. In diesem Fall wird eine stationäre Einweisung veranlasst. Auch die Laboruntersuchung wird dann stationär durchgeführt.

Liegt kein begründeter Verdachtsfall vor, erfolgt eine ambulante Diagnostik. Sollte dabei eine Infektion mit SARS-CoV-2 festgestellt werden, erfolgt eine stationäre Einweisung.

  • Warum müsssen Kontaktpersonen 14 Tage in Quarantäne?

Eine weitere Ausbreitung des neuartigen Coronavirus soll so weit wie möglich verhindert werden. Hierfür ist es notwendig, die Personen möglichst lückenlos zu indentifizieren, die Kontakt zu Menschen hatten, bei denen das Coronavirus  nachgewiesen wurde. Für die maximale Dauer der Zeit, die zwischen einer Ansteckung und dem Auftreten von Krankheitszeichen (14 Tage) liegt, werden sie in häuslicher Quarantäne beobachtet. In dieser Zeit ist das Gesundheitsamt mit den Betroffenen täglich in Kontakt.

  • Was ist der Pandemieplan?

Um die Verbreitung neuartiger Influenzaviren zu verringern und die Zahl der Erkrankten und der Todesfälle möglichst gering zu halten, gibt es in Deutschland einen nationalen Pandemieplan. Die Bundesländer haben jeweils eigene Pläne, die zwar auf die Influenza gemünzt sind, aber derzeit mit Blick auf das neuartige Coronavirus überarbeitet werden.

Der baden-württembergische Influenzapandemieplan richtet sich etwa an Behörden, Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte. Er regelt Aufgaben und Zuständigkeiten, teilt eine Pandemie in Phasen ein und erklärt, was zu erwarten und was zu tun ist. 

Der Plan geht davon aus, dass schwer erkrankte Menschen in den internistischen und pädiatrischen (kindermedizinischen) Abteilungen behandelt werden. Im Jahr 2017 standen dort in Baden-Württemberg 16 537 beziehungsweise 2231 Betten bereit.

Zu Verstorbenen heißt es, dass diese sofort mit dem Vermerk „infektiös“ gekennzeichnet werden müssten. Gibt es einen Impfstoff, soll die Bevölkerung schrittweise geimpft werden — mit Vorrang für Beschäftigte im Gesundheitswesen und für Menschen, die zur Aufrechterhaltung der grundlegenden Infrastruktur beitragen, wie Polizisten und Feuerwehrleute.

Unterschied Pandemie, Epidemie und Endemie. (Foto: David Weinert / SZ)
  • Wie erfolgt der Austausch mit anderen Experten?

Die Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Experten ist etabliert und funktioniert gut. Das Bundesgesundheitsministerium steht im ständigen und engen Kontakt mit zahlreichen Partnern, z.B. der Weltgesundheitsorganisation und den anderen EU-Ländern. 

Auch in der Forschung wird eng zusammengearbeitet. Über die „Coalition for Epidemic Preparedness Innovations“, kurz CEPI, wird bereits die Forschung zu einem Impfstoff koordiniert.

Auf Bundesseite steht das Robert Koch-Institut als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung. Dort ist eine Koordinierungsstelle eingerichtet, in der die aktuelle Situation engmaschig beobachtet wird. Auch die Koordinierung und Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden der Bundesländer findet am Robert Koch-Institut statt.

  • Wann kam die erste Information über den Ausbruch?

Am 31. Dezember 2019 wurde das WHO-Landesbüro in China über eine Häufung von Patienten mit einer Pneumonie (Lungenentzündung) unbekannter Ursache in Wuhan, einer Stadt mit 19 Millionen Einwohnern in der Provinz Hubei, China, informiert.

  • Wo liegt der Ursprung des Ausbruchs?

Nach Angaben der chinesischen Behörden in Wuhan waren einige Patienten als Händler oder Verkäufer auf dem Huanan-Seafood-Markt in Wuhan tätig. Es ist der größte Seafood-Markt in Wuhan mit über 600 Ständen und 1.500 Arbeitern. Es wird berichtet, dass auch Wildtiere bzw. Organe von anderen Tieren und Reptilien auf dem Markt angeboten wurden.

Man nimmt daher an, dass der Vorläufer von SARS-CoV-19 von Wildtieren stammt. Derzeit wird davon ausgegangen, dass sich die ersten Patienten Anfang Dezember auf dem Huanan-Seafood-Markt in Wuhan angesteckt haben, der am 1.1.2020 geschlossen wurde.

  • Welche Gebiete sind als Risikogebiete anzusehen?

Derzeit (Stand: 26.02.2020) sind durch das Robert Koch-Institut folgende Risikogebiete definiert:

In China: Provinz Hubei (inkl. Stadt Wuhan) und die Städte Wenzhou, Hangzhou, Ningbo, Taizhou in der Provinz Zhejiang.

Im Iran: Provinz Ghom

In Italien: Provinz Lodi in der Region Lombardei und die Stadt Vo in der Provinz Padua in der Region Venetien.

In Südkorea: Provinz Gyeongsangbuk-do (Nord-Gyeongsang)

  • Gibt es eine Impfung?

Es wird an der Entwicklung eines Impfstoffes gearbeitet. Bisher ist aber keine sichere Schutzimpfung verfügbar.

  • Wie ist die Therapie?

Nicht alle Erkrankungen verlaufen schwer. Eine spezifische Therapie liegt nicht vor. Die Symptome werden behandelt.

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