Corona und Mittsommer: Wenn ein Virus das große Fest stoppt

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Corona und Mittsommer
Die Mittsommer-Feierlichkeiten sehen in diesem Jahr ganz anders aus. (Foto: Isabelle Modler / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Steffen Trumpf und Lennart Simonsson und Hannu Aaltonen

Mittsommer ist für viele Skandinavier in etwa das, was für manche Deutsche Karneval ist: ein allumfassendes Fest, an dem die Arbeit liegen gelassen, das Glas gehoben und alles andere für ein paar Tage einfach vergessen wird.

Für die Schweden ist es gewöhnlich eine Zeit mit Lachs, Schnaps und Tanz um die Mittsommerstange, für die Finnen oft ein Tag mit guter Musik und nicht selten dem Startschuss in die Sommerferien. Vieles, was für den Mittsommerabend am Freitag (19.6.) und den Mittsommertag am Samstag (20.6.) geplant war, muss wegen der Coronavirus-Pandemie nun ausfallen oder in kleinerem Maße stattfinden.

Dabei fällt der Mittsommerabend für die Schweden in diesem Jahr mit dem zehnten Hochzeitstag von Kronprinzessin Victoria und Prinz Daniel zusammen (19.6.). Eine große Doppelparty also in einem Land, das bekanntermaßen etwas lockerer mit dem Coronavirus umgeht als andere? Fehlanzeige! Auch in Schweden hat die Pandemie das öffentliche Leben fest im Griff, selbst wenn die dortigen Maßnahmen weniger strikt sind als etwa in Deutschland oder dem Rest Skandinaviens. Ein Verbot für öffentliche Versammlungen mit mehr als 50 Teilnehmern gilt trotzdem.

Die für gewöhnlich größte Mittsommersause Stockholms im Freilichtmuseum Skansen wird deshalb diesmal etwas kleiner ausfallen. Das Museum mit seinen Rentieren, alten Häuschen und einer überragenden Aussicht wird zwar auch an diesem Wochenende geöffnet sein, allerdings wird nur eine begrenzte Anzahl an Tickets verkauft, um ein Mittsommer-Gedränge zu vermeiden. „Skansen wird für Mittsommer dekoriert, aber der Tanz um die Mittsommerstange bleibt aus“, teilte das Museum vorab mit. Aber: „Es wird trotz allem stimmungsvoll.“

Auch in der Region Dalarna, wo normalerweise in traditionellen Trachten gefeiert wird und Zehntausende Besucher extra dafür in die schwedische Provinz kommen, wurden viele Feste coronabedingt abgesagt, darunter die besonders beliebten in den Gemeinden Leksand und Rättvik. Göteborgs großer Freizeitpark Liseberg hat geschlossen und wird deshalb ebenfalls leider kein Mittsommer feiern, wie ein Sprecher vorab der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Viele Schweden werden dennoch das ein oder andere Glas heben - im Privaten und wenn möglich fernab des Stadttrubels. Schließlich zählt Mittsommer für sie zu den größten Tagen des Jahres, manche halten ihn gar für den einzig wahren Nationalfeiertag. Besonders der Mittsommerabend gilt in Schweden als heilig. Dann tanzen unzählige von ihnen im ganzen Land - viele mit Blumenkränzen im Haar - fröhlich um die festlich verzierte Mittsommerstange.

Wichtige Zutaten für ein perfektes schwedisches Mittsommer sind zudem jede Menge Bier, Schnaps nebst den passenden Trinkliedern und gutes Essen wie Lachs, unzählige Variationen von Hering und Erdbeeren mit Sahne. Tagsüber wird Wikinger-Schach (Kubb) gespielt, abends nicht selten ein vorzugsweise nackter Sprung in den nächsten See gewagt.

Um den Festtag trotz Corona in möglichst viele Haushalte zu bringen, liefert die schwedische Tourismusbehörde Visit Sweden am Freitag einen 13-stündigen Livestream von den Feiern von Lappland im hohen Norden bis Skåne an der südlichen Grenze zu Dänemark. Und wem das noch nicht genug Dauerbeschallung ist, für den leitet das schwedische Radio am Samstag ein populäres Sommerprogramm mit einer Reihe von prominenten Rednern ein, denen die Schweden lauschen können. Erste Rednerin ist keine geringere als Klimaaktivistin Greta Thunberg.

Auch die Finnen zieht es zu Mittsommer raus aufs Land. Bei ihnen ist der Mittsommerabend ebenfalls der Höhepunkt der Feierlichkeiten: Das typische finnische Mittsommer-Idyll besteht dann aus dem Sommerhaus, einer heißen Sauna und einem ebenso heißen Mittsommer-Feuer. Die finnische Regierung warnt vor einer steigenden Waldbrandgefahr durch die Lagerfeuer, wenn das Wetter in Finnland Ende Juni für einige Wochen ausnahmsweise einmal gut ist.

Die Corona-Beschränkungen haben auf diese Traditionen dagegen so gut wie keinen Einfluss. Anders sieht es da für die Musikfreunde unter den Finnen aus: Traditionell feiern sie Mittsommer auf einem der zahlreichen Rock-Festivals im Land - doch die sind wegen der Pandemie und damit verbundenen Teilnehmerbeschränkungen für Veranstaltungen allesamt abgesagt worden. Auch das größte Festival, Raumanmeren Juhannus in der westfinnischen Kleinstadt Rauma, ist Corona zum Opfer gefallen - normalerweise wären hier Tausende Finnen zusammengekommen.

Während die Schweden und Finnen damit trotz allem ihre fünfte Jahreszeit einläuten, bleibt es bei den Dänen und Norwegern (noch) ruhig. Für sie steht traditionell der Feiertag Sankt Hans am 23. Juni im Vordergrund ihrer Feste zur Sommersonnenwende. Entlang der norwegischen Küsten und in vielen Städten Dänemarks werden dann ebenfalls Lagerfeuer angezündet, die Dänen verbrennen dabei gerne hexenähnliche Wesen aus Pappe. Größere Versammlungen im Stadtkern von Kopenhagen oder an diversen Orten Norwegens sind diesmal wegen Corona aber auch hier tabu.

© dpa-infocom, dpa:200618-99-471574/3

Mittsommer in Skansen

Mittsommer in Dalarna

Livestream von Visit Sweden

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