„Carlos der Schakal“ wird in Berlin gedreht

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Deutsche Presse-Agentur

Er war der berüchtigte „Schakal“, der Mann mit der Sonnenbrille. Ein Phantom, von dem es kaum Fotos gab. Der venezolanische Terrorist Carlos, bürgerlich Ilich Ramírez Sánchez, hat zahllose Anschläge auf dem Gewissen.

Er war 1975 verantwortlich für den blutigen Überfall auf die OPEC-Konferenz in Wien, erst 1994 wurde er im Sudan gefasst. Jetzt wird sein Leben zum Kinostoff. Die Hauptrollen spielen: Edgar Ramirez („Das Bourne Ultimatum“) als Carlos, Alexander Scheer („Sonnenallee“) als seine rechte Hand Johannes Weinrich und Nora von Waldstätten („Tatort - Herz aus Eis“) als Carlos' einstige Ehefrau Magdalena Kopp. Regie führt der Franzose Olivier Assayas.

Am Dienstag verwandelte sich der stillgelegte Berliner Flughafen Tempelhof in die Kulisse von „Carlos der Schakal“. In der Haupthalle und den Gängen wuselten Statisten in 70er und 80er Jahre Garderobe. Tempelhof diente gleich als vier Flughäfen, die in der Geschichte vorkommen: Paris, Rom, London und Budapest. Szenen in Ost-Berlin, Wien und am Stadtrand von Budapest sollen in Sachsen-Anhalt entstehen. Gedreht wird auch im Libanon und im Sudan. Der Kinostart der deutsch-französisch-spanischen Koproduktion soll 2010 sein.

Zur Besetzung gehören Christoph Bach, Julia Hummer, Jule Böwe und Katharina Schüttler. Anna Thalbach spielt Inge Viett. Carlos und Weinrich, der für den Anschlag auf das Berliner Kulturzentrum „Maison de France“ 1983 verurteilt wurde, verbüßen lebenslange Haftstrafen in Gefängnissen. Das Drehbuch stützt sich laut der Produktionsnotizen ausschließlich auf Zeugenaussagen, Gerichtsprotokolle und Polizeiakten. Zu Carlos' Bruder Wladimir hatten die Filmemacher Kontakt, Magdalena Kopp hat über ihre Zeit mit Carlos, der seine Taten selbst als Klassenkampf verklärte, ein Buch geschrieben.

Besteht die Gefahr, den Terroristen auf der Leinwand zu heroisieren? „Es ist sehr wohl eine Gratwanderung“, sagt Produzent Jens Meurer. Für ihn ist der Stoff eine der „großen unerzählten Geschichten der 70er Jahre“, es soll ein „Sittengemälde“ der Zeit werden. Im Fahrwasser des RAF-Dramas „Der Baader Meinhof Komplex“ sieht Meurer den 14 Millionen Euro teuren Film nicht. „Es ist schon keine unlogische Ergänzung“, findet er aber. Der in Venezuela geborene Hauptdarsteller Edgar Ramírez (32) kannte Carlos' Namen schon als Kind. „Wir probieren nicht, die Realität nachzumachen“, sagt er über den Film.

Die Wienerin Nora von Waldstätten (Jahrgang 1981) wusste bereits im Grundschulalter von dem Anschlag auf die OPEC, weil ihr Vater davon erzählte, wenn sie an dem Gebäude vorbeifuhren. Die Schauspielerin hat für den Film ein Waffentraining absolviert, sie ist komplett in die Rolle abgetaucht. „Ich träume mittlerweile ständig davon.“ An ihrem vierten Drehtag ist sie Magdalena im Jahr 1986, die aus der Haft entlassen ist und in Carlos' Arme zurückkehrt. Die langen Haare stecken unter einer dunklen Kurzhaarperücke.

Alexander Scheer (32) bekam die Rolle, als er gerade in den Proben zum Stück „Kean“ an Frank Castorfs Volksbühne war. Dem Filmregisseur stellte er sich kurzerhand im Theaterkostüm vor: Turnschuhe, Minirock und Armeejacke. „Wir haben uns sofort verstanden“, erzählt Scheer. Für ihn ist nicht leicht, Weinrich zu spielen. Ein Dutzend Bücher hat er über das Thema gelesen, Aktenordner mit Stasi-Unterlagen gewählt. Scheer hat Weinrich auch einen Brief geschrieben. Eine Antwort bekam er nicht.

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