Buchmesse Leipzig startet

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Deutsche Presse-Agentur

Julia Franck, Wilhelm Genazino und Günter Grass sind natürlich dabei, aber auch Franz Müntefering, Herbert Grönemeyer und Franziska van Almsick. Mit einem Festakt im Gewandhaus wird heute Abend die Leipziger Buchmesse eröffnet.

1500 haupt- und nebenberufliche Schriftsteller stellen vom 12. bis 15. März auf der Leipziger Buchmesse ihre neuen Werke vor. Auch Verleger, Kritiker, Buchhändler und Agenten aus ganz Deutschland reisen an. Ob Belletristik, Comic oder Sachbuch: Alles dreht sich um die Neuerscheinungen des Frühjahrs. Aber im Gegensatz zur Frankfurter Buchmesse geht es in der Buch- und Verlagsstadt Leipzig nicht in erster Linie ums Geschäft.

Zum Start der Frühjahrsschau der Bücher wird der Historiker Karl Schlögel mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung geehrt. Die mit 15 000 dotierte Auszeichnung wird seit 1994 von der Stadt, der Leipziger Messe, dem Freistaat Sachsen und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben.

Nach Jahren des regelmäßigen Wachstums bei den Ausstellerzahlen ist die Wirtschaftskrise auch bei der Bücherschau leicht spürbar: Rund 2100 Aussteller aus 38 Ländern werden erwartet und damit 300 weniger als im vergangenen Jahr. Für Buchmesse-Direktor Oliver Zille ist dies aber kein Drama: „Aus dem Belletristik- und Sachbuch-Bereich kommen alle großen sowie zahlreiche kleine Verlage nach Leipzig und sie haben sogar ihre Flächen erweitert“, sagt er. Es gab aber auch Absagen von Verlagen, die bislang in Leipzig dabei waren. Die Ausstellerfläche verringerte sich von 65 000 aus 63 000 Quadratmeter.

„Auf der Leipziger Messe gibt es eine Besinnung auf die Inhalte der Literatur und deren Leser. Daher spielt das Lesen und die Begegnung mit den Autoren eine große Rolle“, sagt der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder. Das spiegelt sich auch in diesem Jahr in einem vielfältigen Programm wider. Literaten verschiedener Generationen und Länder können sich auf tausende neugierige Besucher freuen.

Aus dem deutschsprachigen Raum werden alte Literatur-Hasen wie Günter Grass und Hera Lind erwartet, aber auch viele Jungautoren wie Alexa Hennig von Lange, Wladimir Kaminer und Juli Zeh sowie die Studenten von Deutschlands einziger Schriftsteller-Hochschule, dem Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Hinzu gesellen sich Kollegen aus der ganzen Welt darunter T.C. Boyle, Geert Mak, Kiran Nagarkar, Olga Tokarczuk, David Lodge, John Griesemer, Petros Markaris und Jonathan Stroud.

Seit Jahren legt die Publikumsmesse bereits ihren Schwerpunkt auf deutschsprachige und osteuropäische Literatur. 44 Schriftsteller und 18 Übersetzer kommen diesmal vom Balkan, sie präsentieren sich unter anderem in einer langen Balkan-Nacht. Erstmals zeigen sich auch Bosnien und Mazedonien in Leipzig von ihrer literarischen Seite. In der Reihe „Krautgarden“ können die Leipziger und ihre Gäste in einer ehemaligen Baumwollspinnerei wieder junge US-amerikanische Autoren entdecken. Zudem gibt es eine kleine China-Literatur-Präsentation, eine Nordische Literaturnacht und ein Israelprogramm.

Ein nicht nur nationales historisches Ereignis steht im Blickpunkt vieler Lesungen und Gesprächsrunden: 20 Jahre friedliche Revolution. Die Organisatoren laden unter anderem in die Nikolaikirche und in die ehemalige Leipziger Stasi-Zentrale „Runde Ecke“ ein. Maßgebliche Akteure der Wende-Zeit sind dabei, etwa der Theologe Friedrich Schorlemmer, der ehemalige Nikolaikirchenpfarrer Christian Führer und heutige Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse. Der europaweite Aspekt des Falls des „Eisernen Vorhangs“ steht im Blickfeld des diesjährigen „Autoren-Specials“ mit Literaten aus sechs Ländern, darunter der deutsch-türkische Schriftsteller Feridun Zaimoglu, der Niederländer Gert Maak und der Ungar György Konrád.

www.leipziger-buchmesse.de

www.leipzig-liest.de

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