Bruce Springsteens neue Leichtigkeit

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Deutsche Presse-Agentur
Digitalredakteurin

Nicht nur die E Street Band ist wieder dabei. Auf dem neuen Album „Working On A Dream“ kehrt Bruce Springsteen auch in anderer Hinsicht zu seinen Wurzeln zurück.

Flotte Tempi, musikalische Unbeschwertheit und heitere Melodien, die an die guten alten Zeiten erinnern. „Working On A Dream“ ist das 24. und bei weitem nicht das schlechteste Album Springsteens.

Viel wurde in die emotionale Aufhellung hineininterpretiert, die Springsteens Sound auf der ersten Platte der Obama-Ära durchmacht. Weit weg vom nuschelnden, in seine Songs emigrierten Neo-Folker, als der sich Springsteen in den Bush-Jahren etablierte, herrscht auf „Working On A Dream“ eine lockere, heitere „Yes, We Can“-Attitüde.

Springsteen hat schon in vergangenen Zeiten des Booms vom harten Leben der einfachen Menschen gesprochen, bevor noch alle in Zeiten der Finanzkrise plötzlich Staatshilfen und ihr schlechtes Gewissen entdeckten. Liebe, zentrales Thema des neuen Albums, war auch früher schon das Bruce'sche Gegengift zur Tristesse in den amerikanischen Industriegegenden. Dass sie aber hoffnungslos ist, dagegen hilft allerdings auch kein milliardenschwerer „Bailout“.

„Working On A Dream“ ist weder thematisch noch musikalisch ein Aufbruch, sondern fügt sich bruchlos ein ins Oeuvre Springsteens - viele Elemente der Songs sind Wiederholung, ein Wiederbesuch von Themen, die im Kanon des Arbeiterdichters schon jahrzehntelang eine Rolle spielen. So wäre es dem Schaffen Springsteens gegenüber angebracht, in der Rückkehr des formatradiotauglichen Tempos und des unverschluckten Selbstlautes im Gesang Springsteens durchaus auch weit weniger politische Aspekte zu suchen. Einer der Gründe für die neue Leichtigkeit ist nicht zuletzt das rasche Tempo, mit dem das Album produziert wurde.

„Alle Songs wurden sehr schnell geschrieben, meistens verwendeten wir den ersten Take und es war von Anfang bis Ende ein Wahnsinnsspaß“, meint Springsteen. Und so erschien das Album rasch nach dem Vorgänger „Magic“, der 2007 herausgekommen war. Mit diesem Schaffenstempo kehrt Springsteen zu seinen Wurzeln zurück: „Ich habe das nicht mehr gemacht, seit meine ersten beiden Alben im selben Jahr erschienen“, sagt er auf seiner Website.

Und es ist eben diese Unbekümmertheit und Spontaneität, die dem überaus beherrschten Werk Springsteens zuletzt oft abgegangen ist: Springsteen hat nun wieder eine CD für lange Autofahrten geliefert. Dieses Genre hat natürlich gewisse Leerläufe: Wer die brütenden, reduzierten Miniaturen des stillen Springsteen liebte, wird mit der neuen Leichtigkeit des Amerikaner-Seins wenig anfangen können. Doch wer die Big-Band-Heiterkeit der E Street Band schätzt, wird die neuen Songs gerne vorbeirauschen lassen. Live-tauglich sind sie allemal.

www.brucespringsteen.net

www.sonybmg.de

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