Bombastisch-fantastischer Pop von Glasvegas

Lesedauer: 4 Min
Deutsche Presse-Agentur
Digitalredakteurin

Glasvegas aus Glasgow sind in Großbritannien derzeit die Band der Stunde, das selbstbetitelte Debütalbum wird euphorisch gefeiert. Nun schwappt der Hype auf das Festland über.

Zu Recht: Glasvegas präsentieren sich mit bombastischem Pop im Midtempo, der extrem in die Ohren geht, mit Gitarrenwänden und Sounds, die an Phil Spector zu seinen besten Tagen erinnern.

Auf der Insel verpassten die Schotten nur knapp den Sprung von null auf Platz eins. Aber immerhin thronten dort Metallica mit „Death Magnetic“. Die Songs, allesamt Hymnen voll melancholischer Melodien mit beinahe traurigem Gesang, mitreißenden Drumsounds (fabriziert von Schlagzeugerin Caroline McKay) und lodernden Gitarren hören sich an, als würde es sich um aufgepeppte 50er-Jahre-Oldies handeln.

Gefördert wurde die Formation von Alan McGee: Der Gründer des legendären Labels Creation weiß, was ankommt, Schließlich gehören Oasis zu seinen Entdeckungen. Der „New Musical Express“, nicht immer freundlich und fair im Umgang mit den Acts aus eigenem Lande, adelte Glasvegas mit mittlerweile zwei Titelbildern. Der „Musikexpress“ (ME) urteilte über Songschreiber James Allen, gescheitert als Fußballprofi: „Er stiehlt bei seinen zwei All-Time-Favourite-Songs und baut daraus einen neuen.“ Bands wie The Ronettes und The Jesus And Mary Chain werden als Vergleich herangezogen.

„Glasvegas“ kommt orchestral anmutend daher (folgerichtig findet sich in einem Lied ein Teil von Beethovens Mondscheinsonate), bedeutungsvoll (Texte über soziale Probleme), schmachtend, etwas schwerfällig gegen Ende des Albums hin, hypnotisierend dank McKays grandioser Bearbeitung der Drums und mit einem guten Schuss Oasis einbringenden Cinemascope-Gitarren. Der Sound wird jedenfalls dem Bandnamen gerecht: Eine Mischung aus Glamour von Las Vegas und bodenständiger Arbeiterklasse aus Glasgow. Stets in Schwarz, vom Styling an The Clash erinnernd, präsentieren sich die Musiker, triste Backsteinhäuser bilden im Video die Kulisse zum abhebenden Klangteppich, der den Hörer zunehmend in den Bann zieht.

Sicher, man könnte das Glasvegas-Debüt als aufgesetzt und überzogen, als übertrieben hoch gelobt verurteilen, wenn man es nüchtern analytisch betrachtet. Aber viel besser ist es, in die Bombast-Pop-Fluten einzutauchen und sich von der Schönheit der Lieder mitreißen zu lassen. Wer derart gekonnt dick aufträgt, darf ruhig etwas berechnend sein. Hauptsache, das Ergebnis stimmt.

www.glasvegas.net

www.sonybmg.de

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen