Bluesmusiker Johnny Winter wird 65

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Deutsche Presse-Agentur

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere galt Johnny Winter als der beste weiße Bluesmusiker. Der Gitarrenvirtuose und Sänger wurde mit Rock-Stars wie Jimi Hendrix oder Eric Clapton in einem Atemzug genannt. An diesem Montag wird er 65 Jahre alt.

Der Texaner geht auch heute noch in den USA und Europa unverdrossen auf Tournee. Allerdings sind die Jahre nicht spurlos an dem Musiker vorübergegangen. Winter springt nicht mehr verzückt über die Bühne und er sinkt bei seinen Konzerten nicht mehr vor begeisterten Fans auf die Knie. Er ist gesundheitlich so angegriffen, dass er während seiner Konzerte meist auf einem Stuhl sitzt.

Sein Gitarrenspiel und der heisere, krächzende Gesang haben jedoch nichts von ihrer Intensität eingebüßt. Der Albino, der mit vollständigem Namen John Dawson Winter III heißt, ist seit mehr als 40 Jahren im Geschäft und einer der wenigen weißen Musiker, die in der Ehrengalerie der Blues Hall of Fame vertreten sind.

Der Sohn eines Baumwollplantagen-Besitzers hatte als Fünfjähriger Klarinette gespielt und über die Ukulele zur Gitarre gefunden. Mit dem drei Jahre jüngeren Bruder Edgar gründete er seine ersten Teenager-Bands. Sein Studium brach Johnny Winter frühzeitig ab, versuchte in der Blues-Metropole Chicago sein Glück, kehrte aber bald in seine texanische Heimat zurück. Dort tingelte er mit verschiedenen Gruppen durch die Musikclubs und durfte zuweilen Blues-Größen bei Studio-Aufnahmen begleiten.

Eine Reportage der Rockzeitschrift „Rolling Stone“, die Winter als das „heißeste Stück neben Janis Joplin“ beschrieb, verhalf dem Musiker zum Durchbruch. „Stellt Euch einen 130 Pfund leichten, schielenden Albino mit langen, wehenden Haaren vor, der so ziemlich die schneidigste Gitarre spielt, die ihr je gehört habt“, hieß es in dem Bericht, der die nach neuen Superstars suchenden Plattenfirmen auf den Musiker aus der Provinz aufmerksam machte.

1969 erhielt Winter seinen ersten hoch dotierten Vertrag und trat beim berühmten Woodstock-Festival auf. Allerdings enttäuschte er die Hoffnungen der Rock-Fans auf einen „neuen Hendrix“, denn er fühlte sich eher einem erdigen Blues verbunden. Schon bald musste er zur Behandlung einer Heroinsucht eine längere Auszeit nehmen. Mit der LP „Still Alive And Well“ (Noch am Leben und gut drauf) feierte Winter 1973 ein erfolgreiches Comeback. Bis heute veröffentlichte er mehr als zwei Dutzend LPs und CDs, von denen drei für die Grammy-Musikpreise nominiert wurden.

Ende der 70er Jahren ging für Winter ein Traum in Erfüllung: Er nahm als Produzent drei LPs mit seinem alten Vorbild Muddy Waters auf und begleitete die Blues-Legende auf der Gitarre. Später wurde es um ihn merklich stiller. Seine Platten erhielten gute Kritiken, aber der Blues-Rock war aus der Mode gekommen. Winter ließ sich jedoch auf keine Kompromisse ein und blieb bis heute seinem Stil treu.

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