Bizarrer Auftritt von Sängerin Marla Glen beim Masernprozess in Ravensburg

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Marla Glen (vorne) und Stefan Lanka im Landgericht Ravensburg. (Foto: sz)
Schwäbische Zeitung
Videoredakteur

Einen so kuriosen Auftritt erlebt auch das Landgericht Ravensburg nur selten, wenn überhaupt: Mit knapp einer halben Stunde Verspätung eilt der Biologe Stefan Lanka aus Langenargen in Saal 1 des Gerichts. Mit langen Schritten, schwarzem Hut und Sonnenbrille, die Arme ausgeklappt wie ein Cowboy und im Schlepptau – Marla Glen.

Die bekannte Jazz- und Soulmusikerin, die am Mittwochabend in Langenargen ein Konzert zugunsten der Impfgegner gegeben hat, setzt sich wie selbstverständlich neben Lanka – auf die Gerichtsbank. Musikstar vereint mit Virenleugner, nun gut, Beistand hat Lanka nötig, denn der Kläger David Bardens kann an diesem Tag einen wichtigen Teilerfolg erzielen.

Gutachter wird eingeschaltet

Das Gericht lässt seine Klage quasi zu, nun kommt es in Ravensburg zu einem einzigartigen Prozess. Ein Gutachter der Universtät Rostock wird prüfen, ob der Kläger, der Mediziner David Bardens, Beweise erbracht hat für die Existenz des Masernvirus. Ist dem so, muss Lanka gemäß seiner Auslobung dem Kläger Bardens 100 000 Euro überweisen. Aber nicht nur das.

Zwar geht es in dem Prozess in erster Linie um formal juristische Dinge. Indirekt würde aber erstmals vor einem deutschen Gericht die Existenz des Masernvirus bewiesen werden. Vielleicht liegen daher bei Stefan Lanka die Nerven ganz offensichtlich blank.

Nach der Verkündung durch den Richter klatscht er in die Hände, droht beim Rausgehen einem Journalisten („Mit Ihnen habe ich noch eine Rechnung offen!!“), schubst einen anderen Medienvertreter grob weg, auch ein Fotograf wird angerempelt. Draußen vor dem Gericht geht die martialische Show weiter. Lanka zeigt auf einen Journalisten: „Das ist der Schmierspatz!!!“ Lanka will andere bloßstellen. Dass er sich dabei zwangsläufig selber bloßstellt, kommt dem Mann nicht in den Sinn. Die unfreiwille Komik seines Auftritts sowieso nicht.

„Das ist alles sehr bizarr“, sagt Andreas Manok, der Anwalt des Klägers, ein Verfahren mit diesen Auswüchsen habe er in 20 Jahren Anwaltdasein noch nicht erlebt. Zu dieser ungewöhnlichen Erfahrung gehört auch ein Schreiben, das Stefan Lanka zwischen zwei Gerichtsterminen auf seiner Internetseite veröffentlichte. Darin hieß es, dass der Kläger Bardens im Rahmen des Prozesses mit einer Verhaftung rechnen müsse, unter anderem wegen Fluchtgefahr ins Ausland, wegen Zahlungsunfähigkeit und vor allem wegen „Beihilfe zu massenhafter Körperverletzung, z.T. mit Todesfolgen“.

„Das alles nur, weil ich mich für die so wichtigen Impfungen einsetze und mich wage, Herrn Dr. Lanka beim Wort zu nehmen“, sagte am Donnerstag David Bardens am Telefon, der an dem Prozesstag nicht teilnahm. Mittlerweile hat Lanka eine Unterlassungserklärung unterschrieben und den Text aus dem Internet genommen. Seinen Kampf führt er aber weiter, wenn auch unter neuen Vorzeichen.

Die Luft wird dünner

„Seine (Lankas) Gebahren vor Gericht, soweit ich das aus der Ferne mitbekommen habe, zeigen, dass für ihn die Luft dünner wird“, sagt Bardens, der den Streitwert samt Gerichtskosten und Gutachten auf rund 140000 Euro schätzt. Um diese Summe zusammenzubekommen, müsste Marla Glen eine ganze Menge Benefiz-Konzerte geben.

Vor Gericht wirkt die Sängerin teilnahmslos. Hinter ihrer Sonnenbrille schweift der Blick zumeist in Richtung Zuschauerraum, wo zahlreiche Impfgegner sitzen. Den Richter scheint sie gar nicht wahrzunehmen, geschweige denn ihm zuzuhören. Zu dem Sachverhalt oder den Gründen ihrer Anwesenheit will sie beim Rausgehen nichts sagen. Schon beim Konzert am Vorabend in Langenargen äußert sich Glen unverfänglich, mit Worten wie „seine (Lankas) Sache“ (his cause) oder „seine Wahrheit“ (his truth).

Somit bleibt es bei einem rätselhaften Auftritt vor Gericht. Und einer nicht minder rätselhaften Wahrheit, die dort verhandelt wird.

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