Bist du glücklich?

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Bist du glücklich?
Ihre Ehe ist zerbröselt: Sonja (Laura Tonke) und Marc (Ronald Zehrfeld). (Foto: Bettina Müller/HR/ARD / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Klaus Braeuer

Es ist nicht nur das Porzellan, was beim Räumen der Frankfurter Stadtwohnung zerbricht - auch die Ehe ist im Eimer. Wie zwei Menschen mit ihrer Trennung umgehen, davon handelt das TV-Drama „Bist du glücklich?“, das an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) im Ersten zu sehen ist.

Sie heißt Sonja (Laura Tonke) und hat eine neue Frisur, wie er meint - die hat sie allerdings schon seit zwei Monaten. Er heißt Marc (Ronald Zehrfeld) und hat den Schal einer anderen Frau im Handschuhfach, den sie aus dem Autofenster wirft. Im nächsten Moment kommt ein Rückblick auf eine andere Autofahrt, wo er sich über ihre geschmacklosen Pausenbrote aufregt - da waren die beiden noch verliebt und trugen die Haare anders.

Jetzt sind sie getrennt, nicht einmal mehr Freunde, und fahren zum Wochenendhaus, das ebenfalls geräumt werden muss. Ihre Nachbarn Esther (Eleonore Weisgerber) und Roman (Günther Maria Halmer) sind traurig darüber.

Angefangen hatte alles mit einem kleinen Stein, auf dem eine Telefonnummer stand - den fand die Gärtnerin beim Arbeiten, der Landschaftsarchitekt hatte ihn ihr zugeworfen. Sie verliebten sich, legten sich Hund Charlie zu - als er später überfahren wird, weinen beide, das einzige Mal im ganzen Film. Sie begannen sich erneut zusammenzuraufen und wieder zu streiten. Natürlich ging es meist um Banalitäten wie den Salzstreuer, den er zu den Mahlzeiten stets vermisste - und den sie dann kurzerhand auf dem Esstisch festgeklebt hatte. Sonja war schon von Marc angetan, als er es schaffte, mit Zahnseide ihren alten Ehering vom Finger zu lösen.

Regisseur Max Zähle („Wolfsland - Der steinerne Gast“, „Schrotten!“) legt offenbar Wert auf Authentizität, es wird viel gegessen, getrunken und geliebt. Er erzählt - mit vielen geschickt montierten Übergängen und Details - die hübsche Geschichte eines hübschen Paares, das sich im Laufe der 13 gemeinsamen Jahre auseinander lebt. Gründe dafür gibt es einige - auch der Umstand, dass ihre Beziehung ohne Kinder blieb. Die beiden Hauptdarsteller haben auch Platz zum Schweigen und agieren so gut zusammen, dass sich im Laufe des klugen Filmes die Frage stellt, warum sich die beiden im Film eigentlich trennen.

Ronald Zehrfeld („Sag mir nichts“, „Dengler“) gibt eine Mischung aus aufmerksamem Sonnyboy und melancholischem Träumer, während Laura Tonke („Zwei im falschen Film“, „So viel Zeit“) ihre grüblerische Figur mit leichtem Zynismus ausstattet. Betrogen haben sie sich gegenseitig, gestritten im Grunde auch immer - früher jedoch freundlicher und lustiger. Jetzt zählt nur noch, wer Schuld oder nie richtig zugehört hat. Was Liebe eigentlich bedeutet, und ob es nicht doch irgendwie weitergehen könnte - das bleibt bis zum Schluss in sternenklarer Nacht offen.

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