Birgit Minichmayr und die innere Zerrissenheit

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Deutsche Presse-Agentur

Birgit Minichmayr, die Gewinnerin des Silbernen Bären der diesjährigen Berlinale, konnte sich gut mit der inneren Zerrissenheit ihrer Rolle in dem Film „Alle Anderen“ identifizieren. „Mich hat meine Figur unglaublich fasziniert, wenn sie anfängt, ihr Verhalten für ihren Freund zu verändern und jemand anderer sein möchte - das kenne ich selber sehr gut, so eine Unsicherheit“, sagte die 31-jährige Schauspielerin in einem Gespräch mit der Deutschen

Presse-Agentur dpa nach der Auszeichnung als beste Darstellerin bei den 59. Internationalen Filmfestspielen Berlin. „Man denkt, man wird durch diese Veränderungen sicherer, aber in Wirklichkeit entfernt es einen immer mehr von einem selbst.“ Möglicherweise komme der Wunsch nach Anpassung zwar von Innen. „Der eigentlich Impuls dazu kommt aber von Außen.“

Die Zusammenarbeit mit Regisseurin Maren Ade sei „wunderschön“ gewesen. „Ihr Drehbuch fand ich schon beim Lesen ganz toll“, sagte die österreichische Film- und Theaterschauspielerin. Über mehrere Monate hinweg habe sie dann mit Ade und ihrem männlichen Gegenpart Lars Eidinger immer wieder geprobt und improvisiert. „Maren und ich haben wahnsinnig viel miteinander gesprochen, wie wir diese Frau zeigen wollen und wie sie sich verändert.“ Das habe ihr sehr gut gefallen. „Maren nimmt einen sehr ernst, wie man seine Figur darstellen möchte.“

Besonders beeindruckt habe sie auch die Tatsache, dass sie mit ihrem Preis die Tradition der vergangenen Gewinnerinnen fortsetze. „Es gibt ja auch viele Berlinale-Gewinnerinnen vor mir - wie Sandra Hüller, Julia Jentsch und Nina Hoss -, die alle ganz viel Theater machen“, sagte Minichmayr. Das sei ein Zeichen dafür, dass sich die Anerkennung für diese Leistung gewandelt habe. „Noch vor 15 Jahren hatte das einen komischen Ruf, beim Theater zu sein“, erinnerte sich Minichmayr. „Bei meinem ersten Film konnte ich mir noch anhören: "Was, du machst echt Theater?".“

Neben dem Preis freute sich die Schauspielerin auch darauf, bei der Abschlussfeier nach der Gala Jury-Präsidentin Tilda Swinton treffen zu können. „Ich hoffe, dass ich mit Tilda Swinton ein paar Worte reden kann“, sagte Minichmayr. „Ich möchte ihr einfach begegnen und mich mit ihr unterhalten. Sie ist eine unglaubliche Künstlerin mit einer wahnsinnigen Bandbreite, mehr als nur eine Schauspielerin - ich find' die toll.“

Gespräch: Aliki Nassoufis, dpa

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