Bescheidenes Londoner Modejubiläum

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Deutsche Presse-Agentur

Die Modebranche feiert sich gerne selbst, erst recht zu einem Jubiläum wie 25 Jahre Londoner Modewoche. Eine Riesenparty sollte eigentlich an diesem Freitag (20. Februar) mit den Trendpräsentationen für den kommenden Herbst und Winter beginnen.

Doch die Wirtschaftskrise holt Designer und Models auf dem Laufsteg ein: Weniger Pomp, weniger Shows und ein Viertel weniger Modeschöpfer als zur Messe im Herbst werden erwartet. Nur 152 Designer haben sich angekündigt - das schmeckt den Veranstaltern wie ein Glas Champagner auf leeren Magen. Das Gefühl kennen wohl auch die Textilhersteller und Einzelhändler in Deutschland mit Blick auf ihre einbrechenden Umsätze.

Die Wirtschaftskrise, die in der Finanzmetropole London besonders schmerzt, hängt wie ein Leitmotiv über den Herbst- und Winter-Kreationen, die auf der fünftägigen Fashion Week (bis 25. Februar) vorgestellt werden. „Hunger, Chance und wirtschaftlicher Chic“ seien dann „in“, sagt der irische Designer Paul Costelloe voraus und spielt zynisch auf die Verlierer und Gewinner der Krise an. Der Modelord öffnet die Messe zum fünften Mal in Folge. Für die kommende Frühjahrs- und Sommer-Saison hatte er noch blumig von einer „reichen, gotischen, exotischen“ Kollektion geschwärmt.

Ausgerechnet im Jahr der größten Wirtschaftskrise seit 1929 feiert die Fashion Week ihr 25. Jubiläum. Und auch dazu wäre es beinahe nicht gekommen, wenn die Konkurrenzmessen in Paris, Mailand und New York nicht eingelenkt und Platz im dichten Terminkalender gemacht hätten. So sind die Höhepunkte der Londoner Modeschauen für die Frau dünn gesät. Nach Costelloe stürmen die Hoffnungsträger der Schule für Mode- und Textildesign den Laufsteg. Hohe Erwartungen werden mit Stars wie Vivien Westwood und Siena Miller am Wochenende verknüpft.

Einen Grund zum Feiern gibt es trotz Krise dann doch, denn die sonst exzentrische Londoner Modemesse hat sich zum Gratmesser für Kreativität und Wandel in der Textilindustrie entwickelt. Was die meist jungen, unbekannten Designer hier zeigen, bleibt nicht ohne Einfluss auf die Großen der Branche.

Mit Spannung wird die Rückkehr von Maria Grachvogel erwartet, die mit Neuheiten dem Laufsteg fünf Jahre fernblieb. Die Designerin, die Angelina Jolie und Scarlett Johansson zu ihren Kunden zählt, wird ihre Trends in intimer Atmosphäre statt im Blitzlichtgewitter vorführen lassen. Mehrere Designer folgen ihrem Sparmodell. Grachvogel hatte im Jahr 2001 mit einem mit mehr als 2000 Diamanten besetzten Chiffonkleid für Wirbel gesorgt. Heute sei die Zeit für „langfristige Investitionen im Kleiderschrank“.

Zum Abschluss der Fashion Week plant die britische Modekammer, die die Schau organisiert, einen Tag der Männermode. Damit reagiert die Kammer auf einen Trend, den modebewusste Londoner Individualisten bei Designern ausgelöst haben, die gezielt für Männermode zu Nadel und Faden griffen. „Ich war genervt beim Anblick von verspielter Männerware, die schlecht gemacht war und nicht korrekt saß“, sagt SOAR-Stilist Jodie Barnes. Der schottische E. Tautz-Designer Patrick Grant verspricht „Kleider und Material, das mit dem Alter schöner wird“.

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