Berliner Studenten umsegeln Kap Hoorn

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Deutsche Presse-Agentur

Sie gilt als der größte Schiffsfriedhof der Welt: In der eiskalten See vor Kap Hoorn sollen mehr als 800 Wracks und etwa 10 000 Tote liegen. Noch heute gilt das Kap an Amerikas Südspitze unter Seefahrern als eine der gefährlichsten und unberechenbarsten Regionen.

Doch davon lassen sich die jungen Studenten aus Berlin nicht abschrecken. Auf ihrer Weltumsegelung wollen die Männer und Frauen am kommenden Wochenende vom australischen Hobart mit ihrer nur 17 Meter langen Hochseejacht zu einer 11 500 Kilometer langen Etappe rund ums Kap Hoorn aufbrechen, über das einst schon Charles Darwin gesagt haben soll: „Selbst der Teufel würde hier erfrieren“.

Segler des Akademischen Segler-Vereins ASV aus Berlin starteten vor knapp eineinhalb Jahren in Hamburg mit ihrer neu gebauten Jacht „Walross IV“. Seitdem wechselte die Crew in regelmäßigen Abständen, so dass seit Beginn der Weltumsegelung auf den Spuren des portugiesischen Seefahrers Ferdinand Magellan schon knapp 140 Berliner Segler mit an Bord waren. Zusammen legten sie seit Oktober 2007 rund 52 600 Kilometer auf hoher See zurück und überquerten den Atlantik, das Karibische Meer und den Pazifik. Erst Ende Juli wird die „Walross IV“ wieder in Deutschland erwartet.

Nach einem Zwischenstopp während der Olympischen Spiele in Peking mussten die Männer und Frauen zuletzt jedoch eine mehrwöchige Zwangspause in Australien einlegen, um ihre beschädigte Jacht reparieren zu lassen. Nun wartet die zehnköpfige Crew gespannt auf die Weiterfahrt zum berüchtigten Kap Hoorn bis zum argentinischen Ushuaia. Etwa einen Monat lang wird die Mannschaft kein Land mehr betreten und nur über das offene, raue Meer segeln.

Lukas Speetzen ist einer von ihnen. Der 22-jährige Medizinstudent von der Berliner Charité ist seit Anfang September an Bord. Schon manches Mal saß er abends auf der Terrasse des derzeitigen Ferienhauses im australischen Hobart und fragte sich: „Warum mache ich das eigentlich?“. „Als ich meinen Eltern von meinem Plan erzählte, diese Etappe mitzusegeln, waren sie nicht gerade begeistert“, schreibt der in Kiel geborene Speetzen. Sie hatten schlichtweg Angst um ihn. Doch der Student setzte sich durch: „Ich konnte ihnen klar machen, dass diese Etappe nicht nur ein Traum eines jeden Hochseeseglers ist, sondern vor allem auch mein spezieller.“

Damit nichts ausfällt, wurde die „Walross IV“ gründlich repariert und alle technischen Anlagen überprüft. Auch für die Verpflegung auf der langen Etappe ist gesorgt: Eine Aufbereitungsanlage stellt aus Meerwasser Trinkwasser her. Hinzu kommen 300 Liter Wasser in Kanistern. Doch das ist nicht alles. 300 Liter Bier, 300 Liter Softdrinks, 30 Kilogramm Kaffee, 700 Energieriegel, 450 Eier, 40 Kilogramm Reis, 50 Kilogramm Nudeln, jeweils 120 Fisch- und Gemüsekonserven sowie unzählige andere Lebensmittel werden auf dem Schiff verstaut.

Einfach wird es aber trotzdem nicht werden, meint Speetzen: „30 Tage auf See, ohne eine Möglichkeit einen Nothafen anzulaufen. Dazu ziemlich ruppiges Wetter über Tage hinweg. Von einem Erholungsurlaub kann man hier wohl nicht sprechen. Aber genau das macht auch den Reiz einer solchen Etappe aus. Lustig zwischen den Inseln der Karibik zu segeln kann inzwischen jeder.“

Hinzu kommt, dass während der Fahrt zehn Menschen auf engsten Raum zusammenleben müssen. Neben Speetzen reisen drei weitere Studenten aus Berlin mit. Außerdem sind der 50-jährige Schiffsführer und Wirtschaftsingenieur Claus Schaefer sowie fünf Vereinsmitglieder im Alter von 32 bis 66 Jahren an Bord. Dass das zu größeren Problemen führen könnte, glaubt Speetzen allerdings nicht.

„Viel spannender wird der Kampf mit einem selbst“, meint er. Es werde sicherlich einige Überwindung kosten, „nach mehreren Tagen schlechtem Wetter und vielleicht nur drei Stunden Schlaf pro Nacht aufzustehen und sich im strömenden Regen ans Ruder zu stellen“. Auch die fehlende Privatsphäre könne an den Nerven zerren. „Ich bin mir sicher, dass es Tage geben wird, an denen ich verfluchen werde, diese Entscheidung getroffen zu haben“, fürchtet der 22-Jährige. „Aber ich kann dann immerhin behaupten, dass ich mich dieser Herausforderung gestellt und sie bewältigt habe. Dies wird ein Meilenstein in meinem Leben werden, an den ich später bestimmt gern zurückdenken werde.“

www.asv-berlin.de

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