Berlinale-Sonderreihe zum Mauerfall

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Deutsche Presse-Agentur

Den Vorboten der Wende im Film widmet die 59. Berlinale (5. bis 15.2.) eine Sonderreihe. Der symbolische Titel „Winter adé“ ist zugleich das Motto der Filme, die zum 20. Jahrestag des Mauerfalls gezeigt werden.

Die Spiel-, Dokumentar-, Animations- und Experimentalfilme entstanden zwischen 1977 und 1989 in den sogenannten Ostblockstaaten. Sie wagten damals einen authentischen Blick auf das Leben unter totalitären Bedingungen und klagten Veränderungen ein, wie das Museum für Film und Fernsehen am Potsdamer Platz mitteilte. Jeder der Filme habe Grenzen erweitert.

Eine Momentaufnahme aus dem 1988 entstandenen Dokumentarfilm „Winter adé“ von Helke Misselwitz über DDR-Frauen und ihren ungeschminkten Alltag: Christine arbeitet in einer sächsischen Brikettfabrik, in drei Schichten. Lange schrubbt die 37-Jährige zum Feierabend Staub und Ruß von ihrem Körper. Zu Hause warten ein Sohn und eine geistig behinderte Tochter. Die Gesellschaft achte sie nicht, sagt die Alleinerziehende offen in die Kamera. Die Gesellschaft sehe ihr behindertes Kind als Belastung. Und sie als Mutter werde als lächerliche Person eingestuft.

Auf dem Programm steht auch der Streifen „Jadup und Boel“ des Regisseurs Rainer Simon. Darin geht es um einen SED-Bürgermeister - gespielt von Kurt Böwe, der Fehler in seiner Vergangenheit erkennt und die Gegenwart kritisch hinterfragt. Es war 1981 der letzte Spielfilm der DEFA, der nach seiner Fertigstellung von den DDR-Oberen verboten wurde. „Ich denke, dass es mein bester Film ist“, hatte Simon damals gesagt. Fortan wandte er sich nur noch historischen Stoffen zu. Mit „Die Frau und der Fremde“ war er 1985 der einzige Filmemacher aus der DDR, der im damaligen West-Berlin einen „Goldenen Bären“ gewann.

Nach Angaben des Filmmuseums ist die Verbotsgeschichte fast selbst ein Filmstoff. Es sei aktenkundig, dass die Stasi die Verfilmung des gesellschaftskritischen Romans von Paul Kanut Schäfer durch Simon initiierte. Damit habe überprüft werden sollen, wie der Regisseur zur SED stand. Denn spätestens seit der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976 galt Simon bei der DDR-Führung als unzuverlässig. Erst 1988 wurde der Streifen im Zuge von Glasnost und Perestroika fast verschämt in ausgewählten DDR-Studiokinos gezeigt.

www.berlinale.de

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