Beatrice Egli im Interview: „Das Leben ist nicht endlos“

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Weil sie nicht sicher war, ob es mit der Musik noch weitergehen soll, hat Beatrice Egli Zeit in Australien verbracht. Mit ihrem
Weil sie nicht sicher war, ob es mit der Musik noch weitergehen soll, hat Beatrice Egli Zeit in Australien verbracht. Mit ihrem neuen Album tritt sie am Samstag, 6. Juli, in Neufra auf. (Foto: Universal Music)
Steffen Rüth

Die von Beatrice Egli moderierte RTL-Show „Schlager sucht Liebe“ ist gerade gefloppt, doch im angestammten Kerngeschäft lässt die 31-jährige Ex-DSDS-Siegerin auch auf dem schon sechsten Album „Natürlich!“ nichts anbrennen. Wie immer singt sich die Schweizerin souverän durch eine zumeist sommerlich-frohgemute aber auch mal kitschig-balladeske Popschlagermischung. Am Samstag, 6. Juli, macht Egli den Abschluss beim Waldstadion Open-Air in Neufra, wo am Tag davor bereits Mike Singer und Lea spielen. Steffen Rüth sprach mit der Schweizerin über ihre Auszeit und das neue Album.

Beatrice, du singst in „Terra Australia“ den Satz „Ich hab’ gesucht, was mich zusammenhält ... dieses etwas bin ich selbst.“ War deine Reise nach Australien Anfang des Jahres ein Selbstfindungstrip?

Ja, ich hatte sechs intensive Jahre hinter mir. Vieles nimmt man in der Hektik gar nicht mehr wahr, ich hatte einfach keine Zeit, großartig auf mich selbst und mein Wohlbefinden zu achten. Deshalb war es wichtig für mich, mir die Zeit zu nehmen, mal alles sacken zu lassen, zu ordnen und in mich hineinzufühlen. Um herauszufinden, was mir Spaß macht, was ich will, was ich nicht will. Und ob dieses Leben überhaupt noch das ist, was ich liebe.

Kam die Erschöpfung schleichend?

Ja. Ich hätte selbst nicht für möglich gehalten, dass meine Karriere so lange läuft und immer besser wird. Ich dachte, ich gewinne DSDS, und dann geht das ein, zwei Jahre, und ich bin wieder weg vom Fenster. Vor lauter Freude und Leidenschaft verliert man sich eben auch ein bisschen. Ich war auch nie gut darin „Nein“ zu sagen, weil ich niemanden enttäuschen wollte. Aber wenn du eine Grippe verschleppst und mit 40 Grad Fieber auf der Bühne stehst, ist das eben auch nicht gut. Ich habe mir fest vorgenommen, jetzt immer auf meinen Körper zu hören, wenn er Alarm ruft.

Hast du bewusst etwas geändert?

Ja, ich nehme mir den Montag immer frei. Der Montag ist jetzt quasi mein Sonntag. Den nutze ich, um mich mit Freunden zu treffen, meinen kleinen Neffen zu sehen oder auch einfach, um in Ruhe zum Zahnarzt zu gehen (lacht). Am Montag findet bei mir das ganz normale Leben statt.

Du wirkst immer so extrovertiert. Kannst du gut alleine sein?

Es gab Tage, da fand ich es super. Aber es gab auch Tage, an denen musste ich in die nächste Stadt, unter Leute, mit irgendjemandem reden. Ab und zu genieße ich das Alleinsein, aber ich bin schon eher ein geselliger Typ. Und so nach sechs Wochen fing ich auch schon an, einen Ort zu suchen, an dem wir das neue Album aufnehmen konnten.

Wo habt ihr die Platte dann aufgenommen?

In einem Strandhaus in Rye, das liegt in der Nähe von Melbourne. Auf der einen Seite lag eine ruhige Bucht, in der du mit Delphinen schwimmen und Stand-up-Paddeln konntest, auf der anderen Seite war es deutlich rauer, dort konnte ich den Surfern zuschauen und gegen die Wellen meine Songs üben, ohne dass jemand zuhören konnte.

Du bist vor einem Jahr 30 geworden. War das ein Einschnitt?

Nein, kein großer zumindest. In gewissen Dingen wird man mit zunehmendem Alter so oder so erwachsener. Man lernt zum Beispiel, dass das Leben nicht endlos ist. Oder man glaubt zwar noch an die große Liebe, ahnt aber auch, dass nicht jeder Tag in einer Beziehung rosarot und happy sein wird. Sondern, dass eine Liebesbeziehung eine große Aufgabe ist. Wenn man den Mann endlich gefunden hat, dann geht die eigentliche Aufgabe erst los (lacht).

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