Bayreuther Märchen-„Lohengrin“ geht ins zweite Jahr

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Deutsche Presse-Agentur
Britta Schultejans

Der Bayreuther „Lohengrin“ ist in seinem zweiten Jahr vom Festspiel-Publikum bejubelt worden. Bei der Wiederaufnahme der großen Schwanenritter-Sage in einer Inszenierung von Regisseur Yuval Sharon gibt es minutenlangen Applaus.

Der geht wohl in erster Linie auf das Konto von Tenor Klaus Florian Vogt, der in der Titelrolle brilliert - und Dirigent Christian Thielemann, der beweist, welche Vorteile es haben kann, die Akustik in einem Haus ganz genau zu kennen. Sein russischer Kollege Waleri Gergijew hatte damit bei seinem Hügel-Debüt am Donnerstag dagegen ein paar Probleme.

Auch Georg Zeppenfeld als Heinrich und Elena Pankratova als Ortrud werden begeistert gefeiert. Ebenso - und das ist etwas überraschend - Camilla Nylund als Elsa für eine nur wenig kraftvolle Darbietung, der es vor allem in den Höhen an Nachdruck fehlte. Dass Vogt an diesem Abend streckenweise über sich hinauswächst, macht den Unterschied zwischen den beiden Hauptfiguren umso deutlicher.

Nylund sieht zwar dank hellblauer Lockenperücke fast aus wie im vergangenen Jahr Anja Harteros, klingt aber leider nicht so. Mitte August kommt mit Anna Netrebko eine weitere Vergleichsgröße. Sie übernimmt die Elsa in zwei Vorstellungen und gibt damit ihr Bayreuth-Debüt.

Sharons märchenhaft anmutender „Lohengrin“, für den niemand geringerer als Star-Maler Neo Rauch (holte sich seinen Applaus in lilafarbenen Glitzerschuhen ab) das blaue Bühnenbild entworfen hat, ist in vielen Punkten das komplette Kontrastprogramm zu dem Feuerwerk, das Tobias Kratzer bei der Festspieleröffnung mit seinem neuen „Tannhäuser“ abbrannte. Statisch, keine großen Regie-Einfälle, kaum Personenführung. Trotzdem - oder gerade deshalb - gibt es aus dem Publikum, in dem auch wieder Bundeskanzlerin Angela Merkel (aufatmen: mit ihrem Mann Joachim Sauer) sitzt, keine Buhs für das Regie-Team. Eine Seltenheit in Bayreuth.

Und das ist nur schwer zu verstehen, so unstimmig und uninspiriert wie die Produktion auch in Jahr zwei daherkommt. Die starken Frauenfiguren in der Oper hätten sein Interesse geweckt, hatte der US-Amerikaner Sharon im Vorfeld der Premiere 2018 gesagt. Dass Elsa unbedingt wissen will, wen sie da geheiratet hat, sei für ihn kein Zeichen von zerstörerischer Neugier, sondern vom Aufbegehren gegen blinden Gehorsam dem Gatten gegenüber.

Nette Idee. Nur sieht man das seiner unglaublich statischen Inszenierung immer noch viel zu selten an - auch wenn Sharon etwas daran gefeilt zu haben scheint und Lohengrin immer mal wieder durchblicken lässt, dass er eigentlich kein ganz so netter Kerl ist. Dass er seine Braut in der Hochzeitsnacht fesselt, kommt nicht mehr ganz so überraschend, wenn er sie schon vorher in die Knie zwingt. Es ist allerdings mit einem Vogt, der nun mal immer so freundlich und so hoch singt, als könne er kein Wässerchen trüben, noch unglaubwürdiger als bei der Premiere im vergangenen Jahr mit Piotr Beczala in der Titelrolle.

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