Bauhaus-Jubiläum mit Umzug eröffnet

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Deutsche Presse-Agentur

Ein fantasievoller Umzug mit historischen Kostümen und frechen Sprüchen hat am Dienstag in Weimar die Festwoche 90 Jahre Bauhaus eröffnet.

Mehrere Hundert frohgestimmter Menschen zogen mit Blasmusik und Agit-Prop-Rufen nach Vorbild der 1920er Jahre zu den Orten der Jubiläumsausstellung der Klassik Stiftung. 1200 Werke aus aller Welt dokumentieren bis 5. Juli bahnbrechende Leistungen der am 1. April 1919 von Walter Gropius gegründeten Design-Schule.

„Das Bauhaus war und ist der Aufbruch in die Moderne“, sagte Thüringens Kultusminister Bernward Müller (CDU). Sie war eine „revolutionäre gesellschaftliche Kraft“, in der Geist, Talent und Tatkraft eine Verbindung eingingen. Stiftungspräsident Hellmut Seemann erinnerte am Neuen Museum, in dem 1923 die Bauhäusler ihre Arbeiten ausgestellt hatten, an die Vertreibung der Schule 1925. Die rechtsgerichte Thüringer Regierung vergrämte die avantgardistische Gruppe - und die Bürger sahen zu. Das Bauhaus zog nach Dessau, und ihr Park am neuen Museum musste wenige Jahre später dem Gauforum der Nationalsozialisten weichen, sagte Seemann.

Trotz des ernsten Themas begleiteten Studenten der heutigen Bauhaus-Universität die Rede mit Zwischen- und Bravo-Rufen, Pfiffen und Klatschen und sorgten so immer wieder für Gelächter unter den Zuschauern. Satzfetzen der Redner wurden aufgenommen und in anderem Zusammenhang wiedergegeben. „Bauhaus weltweit - mit Herzblut“ war so ein Satz, der die Runde machte. Das Metropolitan Museum in New York, das Leihgaben nach Weimar gab, wurde kurzerhand zu „Metro“ abgekürzt.

Die Bauhäusler der Gründerjahre, die für ihre Feiern und Feste und ihre unkonventionelle Kleidung bei der konservativen Weimarer Bevölkerung nicht gerade beliebt waren, standen Pate für das ausgelassene Treiben. Frauen mit fantasievollen Hüten und Federkragen und Männer in Anzügen und Hüten tanzten vor dem Bauhaus-Museum ausgelassen nach Swing-Melodien. Die Marschkapelle Bauhaus spielte Hits der 1920er Jahre wie „Oh Donna Clara“, Alabama-Song und „Black Bottom“ und Arbeiterlieder wild durcheinander.

Die Kapelle stimmte auch „Die Internationale“ an als Erinnerung an die sozialen Ziele von Walter Gropius und anderen Bauhäuslern. Sie wollten in der Einheit von Handwerk, Kunst und Technik die Voraussetzungen schaffen, dass auch Arme möglichst schnell menschenwürdige Wohnungen bekommen.

Die Klassikerstadt feiert eine Woche lang unter dem Motto „Das Bauhaus kommt aus Weimar“ mit Konzerten, Performances, Ausstellungen und Tagungen. Sie will damit laut Seemann auch der Welt bewusst machen, dass die Wurzeln der Gestaltungsschule in der kleinen Thüringer Stadt liegen. Vieles wurde hier gedacht, was später in Dessau, Berlin oder New York verwirklicht wurde.

www.das-bauhaus-kommt.de

www.bauhaus-dessau.de

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