Balzan-Preis 2010 für Manfred Brauneck

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Schwäbische Zeitung

Mailand (dpa) - Der Hamburger Theaterwissenschaftler Manfred Brauneck erhält den hoch dotierten Preis der Internationalen Balzan-Stiftung für herausragende Wissenschaftler. Das teilte der Präsident des Balzan-Preisausschusses, Salvatore Veca, in Mailand mit.

Brauneck habe sich die Auszeichnung verdient „für seine umfassende Darstellung von zweieinhalb Jahrtausenden europäischer Theatergeschichte sowie für seine Forschungen über Strömungen und Fakten weltweiter Ausprägungen theatralischer Aktivitäten“, hieß es in der Begründung. Neben Brauneck wurden drei weitere Wissenschaftler aus Japan, Italien und Brasilien ausgezeichnet. Jeder von ihnen erhält ein Preisgeld von einer Million Schweizer Franken (rund 770 000 Euro).

Manfred Brauneck (76) war lange Jahre Professor für Theaterwissenschaft und Direktor des Zentrums für Theaterforschung an der Universität Hamburg und gilt als einer der besten Kenner der europäischen Theatergeschichte. Er ist inzwischen emeritiert, schreibt aber weiter Bücher und Aufsätze zu seinem Spezialgebiet. Er sei am frühen Montagmorgen mit einem Anruf aus Mailand von der Preisvergabe an ihn überrascht worden, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. „Ich freue mich riesig und fühle mich sehr geehrt.“

„Was ich genau mit dem Preisgeld anfange, weiß ich noch nicht“, sagte Brauneck weiter. Die Hälfte werde er auf jeden Fall - so wie in den Balzan-Statuten vorgesehen - in Forschungsprojekte fließen lassen, die vorzugsweise von jungen Forschern durchgeführt werden.

Braunecks Leidenschaft und Interesse für das Theater seien bereits früh geweckt worden, hieß es. Sein Vater malte und entwarf für ein Stadttheater Bühnenbilder, so wuchs Brauneck schon als Kind inmitten von Bühnenrequisiten aller Art auf. Nach dem Studium der Literaturwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte habilitierte er in Regensburg und München mit einer Schrift über den Naturalismus im europäischen Theater. Später begründete er in Hamburg in Zusammenarbeit mit dem Theaterregisseur Jürgen Flimm die Studiengänge Musik- und Sprechtheaterregie.

Die anderen Preisträger: Der italienische Professor für Europäische Geschichte zwischen 1400 und 1700, Carlo Ginzburg, wurde prämiert „für seine außerordentliche Fähigkeit, Einbildungskraft, wissenschaftliche Genauigkeit und literarisches Talent zu verbinden, um den Volksglauben des frühneuzeitlichen Europas zu erklären und zu veranschaulichen“. Der japanische Arzt und Stammzellenforscher Shinya Yamanaka erhalte den Preis für seinen Durchbruch in der Stammzellenforschung, der es erlaube, den ethisch umstrittenen Einsatz von embryonalen Stammzellen zu vermeiden. Der brasilianische Mathematiker Jacob Palis hingegen wurde geehrt „für seine grundlegenden Beiträge im Bereich der mathematischen Theorie dynamischer Systeme“.

Die internationale Balzan-Stiftung mit Sitz in Zürich und Mailand vergibt seit 1979 jährlich vier Wissenschaftspreise. Die Preisgebiete wechseln dabei jährlich, um möglichst vielfältige Wissenschaftsgebiete auszuzeichnen. Alle drei bis fünf Jahre vergibt die Stiftung auch einen mit zwei Millionen Franken ausgestatteten Friedenspreis. Dieser ging zuletzt 2007 an Karlheinz Böhm für sein Entwicklungsprojekt „Menschen helfen Menschen“.

Die Ehrungen werden abwechselnd in Bern und in Rom vorgenommen. In diesem Jahr werden die Preise am 19. November im Quirinalspalast in Rom durch den italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano verliehen. Benannt ist die Stiftung nach dem italienischen Journalisten Eugenio Balzan. Seine Tochter gründete sie im Jahr 1957 in Lugano aus dem Erbe des Vaters.

Homepage der Stiftung

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