Bahn verspätet: Diese Apps helfen Kunden, ihr Geld zurückzubekommen

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Verspätungen der Bahn
Zugausfälle und Verspätungen am Stuttgarter Hauptbahnhof. (Foto: Lino Mirgeler / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Crossmedia-Volontär
Matthias Arnold

Eine Handvoll Start-Ups profitiert derzeit von einer Service-Lücke bei der Deutschen Bahn. Die jungen Unternehmen ermöglichen es den Kunden, per App die Erstattung ihres Fahrpreises beim Konzern zu beantragen, wenn ihr Zug verspätet war.

Auf dem offiziellen Weg ist das bislang ausschließlich über ein analoges Formular möglich. Egal ob postalisch oder über den Serviceschalter der Bahn, das Papierverfahren gilt als umständlich. Die Deutsche Bahn arbeitet daran, das zu ändern.

Bahn-Kunden haben Recht auf Erstattung

Generell gilt: Kunden können von der Deutschen Bahn 25 Prozent ihres Fahrpreises zurückbekommen, wenn sie mit mindestens einer Stunde Verspätung am Ziel angekommen sind. Ab zwei Stunden Verzögerung gibt es die Hälfte des Fahrpreises zurück.

Viele Kunden haben darauf aber keine Lust, und dann kommen ja auch noch die weiteren Fragen der Bahn per Post zurück.

Stefan Nitz, Gründer des Start-Ups "Refund Rebel"

Dafür müssen die Fahrgäste ihre Verbindungsdaten in das Formular eintragen und dieses an einem der Service-Schalter abgeben oder per Post an die Deutsche Bahn schicken.

Apps von Start-Ups bieten digitale Lösungen

„Viele Kunden haben darauf aber keine Lust, und dann kommen ja auch noch die weiteren Fragen der Bahn per Post zurück“, sagt Stefan Nitz, Gründer des Start-Ups Refund Rebel, das diese Arbeit den Kunden abnimmt. Sie müssten ihre Verspätungsdaten per Handy übermitteln. Alles Weitere übernehme das Unternehmen.

„Wir kümmern uns auch um die komplizierten Fälle“, sagt Nitz, etwa bei Taxifahrten oder Hotelübernachtungen in Fällen, in denen Fahrgäste wegen einer Verspätung nachts an Bahnhöfen stranden.

Preise der Dienstleister sehr unterschiedlich

Für diesen Service behält refundrebel 16,5 Prozent des erstatteten Fahrpreises ein. Im Vergleich mit anderen Anbietern ist das recht teuer. Rund ein halbes Dutzend Start-Ups gibt es derzeit auf dem kleinen Markt.

Auch bei RE.X kann das Fahrgastrechteformular digital ausgefüllt werden. „Mit unserer App kannst du den Antrag schon in der Bahn ausfüllen und wir geben diesen für dich ab“, wirbt das Start-Up auf seiner Internetseite.

Die ganz große Erleichterung ist es auch nicht.

Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender von Pro Bahn

1,09 Euro kostet der Dienst bei RE.X pauschal, „unabhängig davon, wie viel Erstattung du von der Bahn bekommen wirst“. Auf der Seite Zug-Erstattung.de wiederum ist der erste Antrag im Jahr kostenlos. Jeder weitere kostet 99 Cent.

Fahrgastverband kritisiert Datenangaben

Der Fahrgastverband Pro Bahn ist von den neuen Angeboten nicht gänzlich überzeugt. „Es ist ein 'nice to have'“, sagte der Ehrenvorsitzende von Pro Bahn, Karl-Peter Naumann. „Aber die ganz große Erleichterung ist es auch nicht.“

Auch die Start-Ups bräuchten zahlreiche Angaben von den Kunden, um die Erstattung zu beantragen. „Zeitlich bin ich da nicht bei wirklichen Unterschieden.“

Bahn akzeptiert Anträge über Apps

Für die Deutsche Bahn selbst macht es eigenen Angaben zufolge keinen Unterschied, ob der Erstattungsantrag direkt von den Fahrgästen oder von Dritten eingereicht wird. Es werde stets sorgfältig geprüft, sagte eine Sprecherin auf Anfrage.

Weil der Konzern derzeit das digitale Buchungssystem komplett überarbeitet, werde es noch bis 2021 dauern, bis in diesem Rahmen auch Erstattungen digital ablaufen könnten.

Doch bis es so weit ist, gibt es Möglichkeiten, die Prozedur zu vereinfachen: „Vielfahrer können das Fahrgastrechte-Formular am Computer ausfüllen und speichern“, sagt Karl-Peter Naumann. Dies sei auf der Internetseite der Bahn verfügbar.

So müssen Betroffene bei erneuten Verspätungen nicht immer wieder ihre personenbezogenen Daten eintragen, sondern lediglich die entsprechende Zugverbindung.

Die Bahn weist darauf hin, dass betroffene Kunden ihre Ansprüche auch in den Reisezentren geltend machen können: Dort sei es in vielen Fällen möglich, die Entschädigung sofort und auf Wunsch auch in bar zu erhalten.

Start-Up noch nicht profitabel

Eine Gefahr für das eigene Geschäft sieht Refund-Rebel-Gründer Nitz in den Digitalisierungsplänen der Bahn nicht. „Wir glauben nicht, dass die Bahn uns dann das Wasser abgräbt“, sagt er. „Man kann digital auch einiges schlecht umsetzen. Da sind wir weiter eine gute Alternative.“

Zehn Mitarbeiter kümmerten sich um die Anträge. Profitabel laufe das eigene Geschäft bislang nicht. „Wir sind noch in der Wachstumsphase.“

Über die Plattform können auch bei anderen Eisenbahnunternehmen sowie bei Flixtrain Erstattungen beantragt werden - obwohl diese zum Teil selbst digitale Möglichkeiten anbieten.

Mehr als 53 Millionen Euro Entschädigung für Bahnkunden

2018 waren laut Bahnstatistik 93,5 Prozent der Züge im Personenverkehr rechtzeitig am Ziel – per Definition gilt ein Zug noch als pünktlich, wenn er bis zu 5 Minuten und 59 Sekunden nach der im Fahrplan vorgesehenen Zeit eintrifft beziehungsweise abfährt.

Für Verspätungen zahlte die Bahn 2018 eine Entschädigungssumme von 53,6 Millionen Euro an insgesamt 2,7 Millionen Reisende. Die Zahlen für das vergangene Jahre werden laut Unternehmenssprecher derzeit noch ausgewertet. Sie sollen zeitnah veröffentlicht werden. 

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