Aus Leidenschaft wird Patenschaft

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Für solch einen Ausblick lohnt sich das frühe Aufstehen.
Für solch einen Ausblick lohnt sich das frühe Aufstehen. (Foto: Christiane Wohlhaupter)
Schwäbische Zeitung

Mit einem mal hat es die Sonne über die Bergkette geschafft und taucht die Umgebung in goldenes Licht. Die Täler leuchten grün, der Schnee am Gipfel reflektiert die Sonnenstrahlen. Wenn sich dafür mal nicht das frühe Aufstehen gelohnt hat. Seit einer Stunde führt Berggötte Michael unsere kleine Gruppe dem Gipfel des Naafkopfs entgegen. Schneefeld um Schneefeld, Höhenmeter um Höhenmeter nähern wir uns dem Gipfelkreuz auf 2570 Metern.

Michael bahnt den Weg, seinen Fußstapfen sollen wir folgen. Links geht es steil nach unten. Es gilt, schön aufmerksam zu bleiben und immer auf den nächsten Schritt zu achten. Sollten wir doch ausrutschen, dann heißt es, in Bauchlage zu kommen und mit den Ellenbogen abzubremsen, so Michaels Ratschlag.

Der Steinbock, der jetzt in unser Blickfeld gerät, scheint solche Überlegungen nicht anstellen zu müssen. Mit beneidenswerter Leichtigkeit bewegt er sich in der Höhe. Ganz so grazil erreichen wir den Gipfel nicht. Dafür aber mit jeder Menge Stolz. Der Naafkopf markiert die Grenze von Liechtenstein, Österreich und der Schweiz. Wir blicken ins Rätikon, auf den Säntis und sogar bis zum Bodensee.

Einen Holzbalken für das Gipfelkreuz hat Michael zusammen mit seiner Frau einst auf den Naafkopf getragen. Und das ist nicht das einzige Abenteuer, von dem er berichtet. So hat er sich auch vor Jahren in den Kopf gesetzt, Liechtenstein an einem Tag so grenznah wie möglich zu umrunden. Gute 23 Stunden hat er für die 120 Kilometer und 5000 Höhenmeter gebraucht. Die Berge sind Lebensinhalt des 53-Jährigen, seit er ein kleiner Junge war. „Wenn man Karriere machen will, geht man zu einer Bank oder Versicherung. Bergführer wird man aus Leidenschaft“, erklärt er.

Diese Leidenschaft teilt er mit seinen Mitstreitern vom Verein „Berggotta Berggötte“, die seit diesem Sommer als Paten aktiv sind. Gerade mal 160 Quadratkilometer groß wartet das Fürstentum Liechtenstein doch mit mehr als 400 Kilometern Wanderwegen, saftigen Täler und aussichtsreichen Gipfeln auf. Diese mit den Gästen zu ergründen, haben sich die Bergpaten vorgenommen. Dabei wollen sie ihre Gäste an die Natur heranführen, sie unvergessliche Erfahrungen machen lassen – ohne dass dabei nur die Höhenmeter zählen. Und jeder Berggötte und jede Berggotta legt den Schwerpunkt ein klein wenig anders. Kräuterfee Esther ist die Feinfühlige, die Kraft aus der Ruhe schöpft. Für Berggötte Nikolaus sind nicht die Gipfel, sondern das achtsame Erleben der Bergwelt das Ziel.

Der Weg vom Naafkopf Richtung Malbun führt über den Augstenberg und Fürstin-Gina-Weg nach Sareis. Am Augstenberg treffen wir auf Berggotta Rosaria. Die 32-Jährige hat als Kind schon Bergtouren mit Michael gemacht. Inzwischen führt sie selbst die Wanderer durch die Liechtensteiner Alpen. Rosaria hat ein Faible für Wege, die keine Wege sind. Ausgetretene Pfade sind nicht ihr Ding. Viel lieber erkundet sie ihr Umfeld auf alternativen Routen.

Außergewöhnliche Ausblicke

Ihre Gruppe führt sie am nächsten Tag von Malbun über einen Älplerweg hoch Richtung Hahnenspiel. Vorbei an Kühen geht es über saftige Wiesen bergauf. Zunächst ist der Ausblick vergleichsweise unspektakulär. Viel Grün, Blumen, Sträucher, Bäume, zu deren Identifizierung die Gotta viele Eselsbrücken baut.

Aber Rosaria hat die Route wohlkalkuliert ausgewählt. Der Überraschungseffekt ist groß, als wir ein Zwischenplateau erreichen und sich plötzlich ein fantastisches Rundum-Panorama eröffnet. Da rücken auch wieder die bereits erklommenen Gipfel in den Blick. Ohne Frage: Mit einem Götte oder einer Gotta an der Seite gibt es außergewöhnliche Aus- und Einblicke.

Weitere Informationen zum Wandern in Liechtenstein gibt es bei www.tourismus.li und unter Telefon 0423/2396363.

Die Recherche wurde unterstützt von Liechtenstein Tourismus.

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