Auf den Spuren von Emilie Schindler und Helena Rubinstein in Krakau

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„Krakau on High Heels – ohne Männer, ohne Limits“, lautet ein fünftägiges Angebot (Kosten 320 Euro inkl. Ferienwohnung). Auf dem Programm stehen neben den Sehenswürdigkeiten, Kochkurse, ein Beauty- und Fashion-Tag sowie Club- und Barbesuche.

Weitere Infomationen unter www.polnischkurs.com und

zu Krakau allgemein unter www.polen.travel

Die Recherche wurde unterstützt vom polnischen Fremdenverkehrsamt.

Zwei junge Polinnen führen durch ihre Heimat und sorgen dafür, dass Besucherinnen die berühmten Töchter und die weibliche Seite der Stadt kennenlernen. „Krakau on High Heels – ohne Männer, ohne Limits“ heißt ihr fünftägiges Programm.

Könige, Künstler, Wissenschaftler, sogar ein Papst: Wie in vielen anderen Metropolen wird auch die Geschichte der polnischen Stadt Krakau meist anhand ihrer berühmten Söhne erzählt. Die beiden Inhaberinnen der Sprachschule Varia wollten das ändern und stellten eine Reise zusammen, bei der Geschichten großer Frauen die wichtigste Rolle spielen. „Krakau on High Heels – ohne Männer, ohne Limits“, lautet das Motto des fünftägigen Trips, den Aneta Kawa und Katarzyna Hoffmann für Frauen zusammengestellt haben.

Die beiden Frauen haben vor rund 15 Jahren die Sprachschule Varia gegründet. Deutsch beherrschen sie perfekt. Katarzyna Hoffmann ist sogar mit einem Schwaben verheiratet. Um ihren Gästen die polnische Kultur nahezubringen, stellt sie sich auch in die Küche und macht mit ihnen Pierogi, eine Art Ravioli. Neben Kochkursen stehen auch Shopping in den hübschen Boutiquen im Jüdischen Viertel Krakaus und Wellness auf dem Damenprogramm.

Der Perspektivwechsel lohnt sich, denn ob Königin, Künstlerin oder Unternehmerin – Krakaus Frauen stehen den männlichen Aushängeschildern der Stadt in nichts nach. Selbst Astronom Nikolaus Kopernikus hätte kaum das Jahrtausende alte Weltbild auf den Kopf stellen können, wenn ein weiblicher Teenager seine Uni in Krakau nicht vor dem Bankrott gerettet hätte.

Und wie hätte Oskar Schindler 1200 Menschen vor den Nazis retten können, wenn seine Frau Emilie diese Menschen nicht versorgt hätte? Klar, die Idee für die Liste habe ihr Mann gehabt. „Aber er hatte keine Ahnung, wie man die Menschen auch beschützt und versorgt. Das blieb an mir hängen“, zitiert der Journalist Tim Bröse Emilie Schindler in seinem Buch „Jahrhundertzeugen“. An die Zeit der deutschen Besatzung in Krakau und an Schindlers Taten erinnert heute ein Museum in seiner ehemaligen Emaillefabrik. Spuren von seiner Frau sucht man dort vergebens. Ihre Rolle geht im Museum ebenso unter wie in Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“. Helden sind eben meist männlich.

Dabei gibt und gab es hier sehr wohl starke und weitsichtige Frauen. Etwa Polens erste Königin. Durch ihren frühen Tod rettete Hedwig I. Europas zweitälteste Universität. 1364 hatte ihr Vater Kasimir der Große die Krakauer Jagiellonen-Universität gegründet. Mit nur zehn Jahren wurde Kasimirs Tochter zur ersten Herrscherin Polens gekrönt. Sie war nicht nur schön, sondern auch klug und vermachte der Hochschule noch als Teenager per Testament ihren Besitz. Die junge Königin interessierte sich nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für Politik. Trotz ihrer Jugend traf sie sich mit den Herrschern befeindeter Länder und handelte Friedensabkommen aus. Doch schon mit 25 Jahren starb Hedwig im Wochenbett und rettete damit die Uni, die kurz vor der Pleite stand und an der später auch Nikolaus Kopernikus studierte. Touristen legen gerne auf einer der Bänke in dem schönen Renaissance-Innenhof ein Päuschen ein. Heute ist Krakau eine blühende Studentenstadt und Hedwig wurde 1997 von Papst Johannes Paul II. heilig gesprochen. Weniger wegen ihrer Verdienste für die Wissenschaft als für ihren Beitrag zur Christianisierung Litauens. Der Papst dürfte jedoch gewusst haben, was Polens Akademiker dieser Frau verdanken. Schließlich hat Karol Wojtyla selbst in Krakau studiert.

Berühmtes Gemälde

Auch Polens erstes Nationalmuseum verdankt Krakau einer Frau. Die Fürstin Izabela Czartoryska hat das gleichnamige Museum 1796 gegründet. Ihr Privatleben ist so spannend wie die Sammlung von Gemälden und Erinnerungsstücken aus der polnischen Geschichte. Obwohl das Gesicht der Mäzenin von Pocken gezeichnet war, verdrehte sie den Männern reihenweise den Kopf, darunter auch dem polnischen König und dem russischen Botschafter. Selbst Casanova soll bemerkt haben, dass die Fürstin sehr schön gewesen sei. Als junger Edelknabe verkleidet reiste die Fürstin quer durch Europa. Das Czartoryski-Museum ist wegen Umbau allerdings geschlossen und wird erst Ende 2019 wiedereröffnet. So lange ist Leonardo da Vincis Gemälde „Dame mit dem Hermelin“ – das berühmteste Gemälde dieser Sammlung – in der Haupthalle des Krakauer Nationalmuseums zu sehen.

Ganz dem mittelalterlichen Schönheitsideal entspricht die Mutter Gottes von Veit Stoß in der Marienkirche am Hauptmarkt: Die Stirnhaare sind kurz rasiert, der Teint nahezu weiß. Wohlhabende Damen haben damals dafür Exkremente von Zuchtigeln verwendet. Billiger war ein Make-up aus einem Gemisch zerstampfter Perlen und Stärke. Auch blondieren war damals angeblich kein Problem.

Polens Frauen legen viel Wert auf ihr Äußeres. So war es und so ist es. Deshalb wundert wenig, dass die Königin der modernen Schönheitsindustrie aus Krakau stammt. Das Hotel „Rubinstein“ in der Szeroka Straße mitten im Jüdischen Viertel Kazmiers erinnert an die berühmte Unternehmerin. Ihr Geburtshaus steht allerdings zwei Häuser weiter. Eine kleine Tafel auf dem unscheinbaren, mintgrünen Haus mit Ferienwohnungen erinnert an Helena Rubinstein, die hier 1872 als älteste von acht Töchtern zur Welt gekommen ist. Anfang des 20. Jahrhunderts verließ Rubinstein die Stadt, ging zunächst als Babysitterin nach Australien und verkaufte dort ihre ersten Cremes. Dann zog sie weiter nach Paris und London. Während des Ersten Weltkriegs emigrierte die Familie in die USA, Rubinstein baute ihr Unternehmen zu einem weltweit operierenden Konzern auf.

Mutig, geschäftstüchtig und zielstrebig soll Rubinstein gewesen sein. Ein Vorbild für viele polnische Frauen. Arbeiten und eine Familie haben, das gehört für immer mehr Frauen zusammen, sagt Aneta Kawa, die mit ihrer Sprachschule und ihren drei Kindern ein Paradebeispiel dafür ist. Eine gesunde Portion Egoismus gehöre allerdings dazu, wenn man nicht auf der Strecke bleiben will. Und deshalb nimmt sie sich auch immer wieder eine Auszeit, um wegzufahren, oder einfach mal selbst mit ihren Freundinnen auf High Heels durch Krakau zu schlendern.

„Krakau on High Heels – ohne Männer, ohne Limits“, lautet ein fünftägiges Angebot (Kosten 320 Euro inkl. Ferienwohnung). Auf dem Programm stehen neben den Sehenswürdigkeiten, Kochkurse, ein Beauty- und Fashion-Tag sowie Club- und Barbesuche.

Weitere Infomationen unter www.polnischkurs.com und

zu Krakau allgemein unter www.polen.travel

Die Recherche wurde unterstützt vom polnischen Fremdenverkehrsamt.

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