Anja Silja in „Pique Dame“ gefeiert

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Deutsche Presse-Agentur

Sie kam, sang und wurde stürmisch gefeiert: Die Starsopranistin Anja Silja ist bei der Premiere von „Pique Dame“ in Berlin mit Ovationen bedacht worden.

Nach längerer Abwesenheit war die Sängerin auf eine Bühne ihrer Heimatstadt zurückgekehrt und stand am Sonntagabend im Mittelpunkt der Premiere von Peter Tschaikowskys Drama um Liebe, Gier und Begierde an der Komischen Oper. Die 68- Jährige sorgte für die bewegendsten Momente in der Neuproduktion des Regisseurs Thilo Reinhardt, die ebenfalls großen Zuspruch fand.

Silja, die zu den weltweit bekanntesten Sängerinnen aus Deutschland zählt, hatte im vergangenen Jahr in der selben Rolle in der Wiener Staatsoper gesungen. Auch bei ihrem Debüt an der Komischen Oper ließ sich das Publikum von ihr einfangen. Silja, die in den 60er Jahren vom Wagner-Enkel Wieland Wagner entdeckt wurde, begeisterte vor allem in der Arie der Gräfin, die sich an ihre Sturm- und Drangzeit am französischen Hof erinnert. Ihre grandiose Erscheinung verleiht der Inszenierung erst die dramatische Tiefe.

Silja schafft die Konzentration auf das Wesentliche, wie sie immer wieder im Laufe ihrer 50-jährigen Karriere gezeigt hat. Noch immer sorgt sie mit ihrer hellen, dramatischen Stimme und ihrer beeindruckenden Bühnenpräsenz für Furore.

Von großer Ausstattungsoper, wie die 1890 uraufgeführte „Pique Dame“ traditionell ausstaffiert wird, ist bei Reinhardt nicht viel zu spüren. Drangvolle Enge herrscht in der Hotellobby (Bühnenbild: Paul Zoller), die eher postsozialistisches Flair als zaristische Pracht ausstrahlt. Der grüngraue Teppich geht in die gleichfarbige Tapete über, unter trübem Licht amüsieren sich die Neureichen und zocken um ihr Glück. Dazwischen hadert der deutsche Hermann (Kor-Jan Dusseljee) um seine Liebe zur bereits vergebenen Adligen Lisa (Orla Boylan).

Der Grübler im beigen Regenmantel fühlt sich zu der schönen Russin hingerissen, kann ihr anderes als Fürst Jeletzki (Mirko Janiska) kaum ein Leben in Saus und Braus bieten. Hermanns Hoffnung ist die alte Gräfin. Der Deutsche will Lisas Großmutter das Geheimnis entreißen, wie man jedes Kartenspiel gewinnt. Wegen ihrer Spielleidenschaft wurde sie einst „Pique Dame“ genannt. Für Hermann hält sie den Schlüssel zum Reichtum in der Hand.

Doch die Dame gibt ihr Wissen nicht preis und als Hermann sie mit einer Pistole unter Druck setzt, stirbt sie vor Schreck. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Die Gräfin erscheint dem Deutschen als Geist und verrät ihm die drei Stiche. Hermann wird angesichts der Aussicht auf das schnelle Geld wahnsinnig, für die Liebe zu Lisa ist es längst zu spät.

Liebeshunger und Geldgier, das zeigt Reinhardt, passen kaum zusammen. Der Regisseur, der bereits für seine Produktion von „Hoffmanns Erzählungen“ an der Komischen Oper gefeiert wurde, ist an der psychologischen Verdichtung der Geschichte interessiert. Er konzentriert sich auf den schleichenden Wahnsinn Hermanns, nimmt der Geschichte jede Sentimentalität.

Gefeiert wurden neben Silja auch Mirko Janiska als Lisas Verlobter Jeletzki sowie sein Freund Tomski (Philip Horst) und das Orchester unter Leitung von Alexander Vedernikov.

www.komische-oper-berlin.de

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