Anarchisch gut: Daniel Kahn & The Painted Bird

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Deutsche Presse-Agentur

Das jüngste Projekt von Daniel Kahn & The Painted Bird heißt „Partisans & Parasites“. In einer Reihe von Songs wird auf dem Album zum Teil sehr radikal Sozialkritik geübt.

Der mitreißende Mix aus Cabaret, Punkfolk, Klezmer und so etwas wie jiddischem Rockabilly lässt dabei so manche verborgene Spitze spüren.

Daniel Kahn, Sänger, Schauspieler, Komponist und begnadeter Geschichtenerzähler aus der Autostadt Detroit bereichert seit 2005 die Folk- und Klezmer-Szene von Berlin mit seinem nimmer ermüdenden Schaffen und sozialen Engagement. Mit der Band The Painted Bird, die in unterschiedlicher Formation spielt, dabei aber stets mit hervorragenden Klezmer- und Balkanmusikern auftritt, singt der Amerikaner mit manchen Hintergedanken das Lied der Ausgebeuteten und Unterdrückten.

Die unterhaltsamen Melodien der Songs sind dabei keine nostalgische Maskerade. „Partisans & Parasites“ ist durchaus als programmatischer Titel zu verstehen. Vor der bodenständigen Musik wird von Schicksalen berichtet, und es werden viele Wahr- und Bosheiten ausgebreitet:

„Yosl Ber“ beschreibt mit hintersinnigem Humor die zweifelhafte Motivation eines „Patrioten“. „Parasites“ besingt kenntnisreich und biologisch korrekt den Lebenszyklus eines Parasiten - nicht ohne Hintergedanken. Das besungene Toxoplasma gondii (einfach fabelhaft!) ist ein bogenförmiges einzelliges Urtierchen, ein Protozoon mit parasitischer Lebensweise, das auch Wirbeltiere befällt.

Mehrsprachig handelt „Borsht Revisited“ von der in Osteuropa so beliebten Rote-Bete-Suppe. Von Polen über Galizien, die Ukraine, Weißrussland bis in das Gebiet von Wolga und Don zieht sich der sogenannte Borschtsch-Gürtel. In „Rats“ geht es um Ratten, jene Tiere, die sprichwörtlich wissen, wann sie ein sinkendes Schiff zu verlassen haben. „Rosen auf den Weg gestreut“ greift einen Text von Kurt Tucholsky auf, eine ironisch überhöhte, aber auch deutliche Verurteilung des allzu passiven und toleranten Verhaltens gegenüber faschistischen Umtrieben.

Der wohl böseste „Ohrwurm“ des Albums ist „Six Million Germans“: Ein zorniger jüdischer Partisan plant 1945 mit Gleichgesinnten gemäß dem Alten Testament Rache zu nehmen - für jeden ermordeten Juden. Der aberwitzige Rachefeldzug des Abba Kovner endet bei der Gründung Israels mit „Jewish guns & nuclear arms“.

Ausgesprochen aktuell, wie schon der Titel verkündet, „Vampirn“. Es geht um die Ausbeutung der arbeitenden Bevölkerung. „Dumai“ ist ein sehr schwermütiger Text über Exil und Staatenlosigkeit. „Khurbn Katrina“ und „The Destruction Of New Orleans“ sind zwei Stücke über die Verwüstung der Stadt im Mississippi?Delta durch einen Sturm und über politisches Versagen. Und bei allem heiligen Furor auf „Partisans & Parasites“ gibt es auch die stillen Momente : „A Rothschild In Your House“ und „Mayn Rue Plats“.

www.danielkahn.com

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