Analyse: Schöne neue Service-Welt

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Deutsche Presse-Agentur

Sie sind bunt, im Idealfall einfach zu bedienen und sollen zum Goldesel für die Mobilfunk-Branche werden: Internet-Anwendungen für Handys vom Video-Download bis zur Navigationshilfe.

Geräte-Hersteller wollen ihre teuren Smartphones damit vermarkten und Mobilfunkbetreiber hoffen, die Umsatzdellen in der Sprachtelefonie auszugleichen und die Wunden aus dem seit Jahren währenden Preiskampf im Mobilfunkgeschäft heilen. Doch wer tatsächlich Geld mit den Programmen verdient, ist noch nicht ganz klar.

Branchenexperten sehen in zusätzlichen Dienste-Angeboten tatsächlich eine Chance für Mobilfunkbetreiber, die Datenumsätze in die Höhe zu treiben und damit Geld zu verdienen. Und diese Betreiber wollen die Gelegenheit beim Schopfe packen, an eigene Anwendungen denken sie dabei aber bislang noch nicht.

So kündigte T-Mobile nach der Eiszeit im vergangenen Jahr die Zusammenarbeit mit Handy-Hersteller Nokia an. T-Mobile-Kunden mit Nokia-Handys sollen von der zweiten Jahreshälfte an direkt auf die Plattform Ovi des finnischen Weltmarktführers zugreifen können. Noch vor einem Jahr hatte T-Mobile es kategorisch abgelehnt, den Kunden einen Zugang zum Ovi-Angebot zu öffnen.

Die Entwicklung eigener Anwendungen steht für den T-Mobile-Chef dabei bislang nicht im Fokus. „Wir werden nicht mit Anbietern von Software und Suchmaschinen konkurrieren. Aber wir haben eine Menge bei der Integration der verschiedenen Anwendungen getan.“

Diese sollen in Zukunft nicht nur den Nutzern von Apples iPhone und des Google-Handys G1 vorbehalten bleiben. Bis zum Frühjahr sollen die T-Mobile-Kunden kleine Programme für mobile Dienste, sogenannte Widgets, auch auf anderen Geräten nutzen können. Damit können sie direkt auf Online-Dienste wie Instant Messenger oder Webshops zugreifen.

Der kleinere T-Mobile-Konkurrent O2 will bei den Anwendungen für Smartphones keinen eigenen Marktplatz aufbauen, sondern mit Anbietern wie Microsoft und Nokia kooperieren. „Wir werden Vereinbarungen treffen.“ O2 komme dabei zugute, dass man als Provider den direkten Kontakt zum Kunden habe. „Wir haben in der Vergangenheit auch mit den Handset-Herstellern eine Einigung gefunden.“

Das große Geschäft mit den Web-Anwendungen bleibt also vorerst in der Hand von Apple und seinen Rivalen. Die versuchen allerdings immer noch zu dem iPhone-Hersteller und dessen AppStore aufzuschließen. Microsoft präsentierte in Barcelona seinen neuen Marktplatz für Windows Mobile. Nokia will seine Ovi-Plattform künftig noch mehr ausbauen. Auch Yahoo! hat sein Angebot für Mobiltelefone runderneuert. Doch ob sie Apple das Wasser reichen können, bleibt noch abzuwarten.

Recht erfolgreich scheint hingegen die Entwicklung für das Google-Betriebssystem Android zu laufen. Nach Angaben von Google gibt es inzwischen mehr als 1000 Anwendungen auf dem Android-Marktplatz. In Zukunft sollen die Entwickler diese auch kommerziell vermarkten dürften.

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