Analyse: Rezession trifft IT-Branche

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Schwäbische Zeitung

New York (dpa) ­ Die weltweite Wirtschaftskrise vernichtet in der High-Tech-Branche tausende Arbeitsplätze. Der Windows-Riese Microsoft muss erstmals in seiner Geschichte massiv Jobs streichen - weltweit fallen 5000 Stellen weg.

Der weltgrößte Chiphersteller Intel schließt wegen des schwachen PC-Marktes fünf Fabriken. Das kostet bis zu 6000 Stellen. Der weltgrößte Handy-Hersteller Nokia und das Online- Auktionshaus eBay legten schwache Zahlen vor. Die weltweite Rezession führt dazu, dass Unternehmen und Verbraucher ihre Ausgaben für Computer und Handys massiv kürzen. Einzig der Computer- und iPhone- Hersteller Apple glänzte mit Rekordergebnissen, weil er weiter Kunden für seine Computer und Handys gewann.

Microsoft erlitt in dem Ende Dezember abgelaufenen Quartal einen Gewinneinbruch von elf Prozent auf 4,17 Milliarden Dollar (3,2 Mrd Euro). Der Umsatz legte um lediglich zwei Prozent zu. Wenn weniger Computer gekauft werden, trifft dies auch den Windows-Hersteller, weil damit das Betriebssystem seltener abgesetzt wird. „Wir sind nicht immun gegen die Auswirkungen der Wirtschaft“, sagte Microsoft- Chef Steve Ballmer. Zuletzt hatte es bereits Gerüchte über den Abbau von bis zu 10 000 Stellen beim weltgrößten Software-Konzern gegeben. Die 5000 Arbeitsplätze, die nun wegfallen, entsprechen etwa fünf Prozent der Belegschaft.

Die Aktie von Apple stieg am Donnerstag deutlich, nachdem der erfolgsverwöhnte Computer- und iPod-Hersteller trotz der Wirtschaftskrise einen Rekordumsatz von erstmals über zehn Milliarden Dollar verkündete. Das Papier war zuletzt stark unter Druck geraten, nachdem Konzernchef Jobs eine sechsmonatige Auszeit angekündigt hatte, um sich wegen einer Hormonstörung behandeln zu lassen. Die Zugpferde im Kalenderjahr 2008 waren das iPhone und die iPod-Player. Mit insgesamt rund 13,67 Millionen iPhones übertraf Apple deutlich das eigene Ziel von zehn Millionen. Das Unternehmen bewies damit, dass trotz der Krise das Interesse der Verbraucher an den vergleichsweise hochpreisigen Design-Geräten vorerst ungebrochen ist.

Intel reagiert mit der Schließung von fünf älteren Fertigungsstätten auf den schwachen PC-Markt und den Gewinneinbruch von 90 Prozent im vergangenen Quartal. Der Chiphersteller werde im laufenden Quartal um die Profitabilität kämpfen müssen, teilte Unternehmens-Chef Paul Otellini der Finanznachrichtenagentur Bloomberg zufolge den Mitarbeitern mit. Die Umstrukturierung solle bis Ende 2009 abgeschlossen werden. Die Schließung der Fabriken werde den Umstieg auf neue, effizientere Herstellungsverfahren nicht beeinträchtigen, betonte Otellini.

Stark vom Abwärtssog erfasst wurden das Internet-Auktionshaus eBay und der Handy-Hersteller Nokia. Neben anhaltend starkem Konkurrenzdruck bekamen die Unternehmen unmittelbar die Kaufzurückhaltung der Konsumenten zu spüren. Der Überschuss des Internet-Auktionshauses fiel im Schlussquartal 2008 um fast ein Drittel auf 367 Millionen Dollar (284 Mio Euro), der Umsatz ging erstmals um sieben Prozent auf 2,04 Milliarden Dollar zurück. „Das Weihnachtsgeschäft war hart und sehr umkämpft“, sagte Konzernchef John Donahoe.

Handy-Weltmarktführer Nokia hat es ebenfalls schwer erwischt. Im Schlussquartal 2008 brach der Nettogewinn auf nur noch 576 Millionen Euro gegenüber 1,8 Milliarden Euro ein Jahr zuvor ein, der Umsatz schrumpfte um 19,4 Prozent auf 12,66 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr gab das Unternehmen eine düstere Prognose ab: Der Handy-Absatz aller Hersteller werde um zehn Prozent schrumpfen. Noch vor wenigen Wochen hatte Nokia lediglich ein Minus von fünf Prozent erwartet. Nokia leidet darunter, dass Verbraucher in der Krise länger ihre alten Handys behalten. Außerdem macht dem Konzern Apple iPhone zu schaffen, dass den Finnen ein großes Stück des zukunftsträchtigen Smartphone-Marktes streitig macht.

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