Analyse: Dauerkrise bei Infineon

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Deutsche Presse-Agentur

Der Halbleiter-Konzern Infineon kommt vom Regen in die Traufe. Nach dem Fiasko bei der insolventen Speicherchip-Tochter Qimonda schlägt nun die Wirtschaftskrise voll durch. Der Umsatz bricht ein, Infineon schreibt zum wiederholten Male tiefrote Zahlen.

Zu allem Überfluss werden in naher Zukunft auch noch Darlehen über mehrere hundert Millionen Euro fällig. „Es wird eng für Infineon“, sagt SEB-Analystin Oana Floares. „Die nächsten beiden Quartale werden entscheidend sein.“ Ganz so weit will Jan Christian Göhmann von der NordLB nicht gehen. „Ich würde Infineon noch nicht abschreiben wollen“, sagt er. Doch mittelfristig müsse etwas geschehen.

„Die Wirtschaftskrise hat die Halbleiter-Industrie mit voller Wucht erwischt“, sagt Vorstandschef Peter Bauer. Der Vorstand spart nun, wo er nur kann. Die Produktion ruht vielerorts, Gehälter werden eingefroren, Investitionen zusammengestrichen. Darüber hinaus läuft der Abbau jedes zehnten der ehedem 30 000 Arbeitsplätze, weitere Streichungen wollte Bauer am Freitag zumindest nicht ausschließen. „Wir versuchen definitiv, das zu vermeiden. Aber derzeit ist es halt sehr schwierig.“

Von einer existenziellen Bedrohung will Bauer aber nichts wissen. „Infineon ist in der Struktur gesund.“ Ohne Rezession, dessen ist er sich sicher, würde das Unternehmen gutes Geld verdienen. „Wir haben unser Geschäft sehr wohl im Griff und können uns finanzieren.“ Es sei lediglich die Nachfrage zusammengebrochen. „Dem stehen hohe Fixkosten gegenüber.“

Ein baldiges Ende der Krise sieht Bauer allerdings nicht. „Unsere Kunden machen erst einmal ihre Lager leer statt zu ordern.“ Die Marktforscher von Gartner gehen davon aus, dass nach 2008 auch 2009 ein hartes Jahr für die Halbleiterindustrie wird. Selbst Branchenriesen wie Intel - vom Umsatz her rund achtmal so groß wie Infineon und jahrelang hochprofitabel - verfallen in hektische Betriebsamkeit und beschließen Sparprogramm um Sparprogramm.

Infineons Hauptaugenmerk liegt nun darauf, das Geld beisammenzuhalten und frisches Geld zu bekommen. Doch das ist alles andere als einfach, wie Finanzchef Marco Schröter sagt. „Die Gespräche mit den Banken sind super schwierig.“ Dass Infineon letztlich das gleiche Schicksal wie der Pleite gegangenen Tochter Qimonda droht, glauben jedoch die wenigsten Experten. „Der Staat wird schon einspringen“, sagt SEB-Analystin Floares. Es handele sich schließlich um einen DAX-Konzern. Auch Malte Schaumann von SES Research sieht die Regierung im Ernstfall zur Hilfe bereit.

Ob und wenn ja in welchem Umfang sich Infineon derzeit um Staatshilfen bemüht, ließ Bauer offen. Grundsätzlich seien die Konjunkturpakete und der Schutzschirm für die Banken sehr positiv, denn es sei derzeit schwierig, Kredite von Banken zu bekommen, meinte er wolkig. Auch in Brüssel, „da passiert momentan extrem viel. Wir analysieren das intensiv, was Infineon angeht.“ Rettungsanker Staat also? „Es gibt ein paar Dinge, die wir aus der Qimonda-Insolvenz gelernt haben. Dazu gehört, dass man tut, was nötig ist, aber vorher nicht drüber redet.“

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