Alta-Moda geht zu Ende

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Deutsche Presse-Agentur

Afrika, Obama-Manie und Biostoffe: Elegante Öko- Kleider in gedeckten Farben haben bei den Alta Moda-Tagen in Rom den Ton angegeben.

So zeigte etwa der New-Comer Nathu eine Kollektion edler Roben aus „tessuti bio“ - Naturfasern ohne künstliche Farbstoffe. Die ökologische Kollektion solle vollständig der amerikanischen First Lady Michelle Obama für ihren Einsatz für Umwelt und Klima geschenkt werden, berichteten italienische Medien am Dienstag. Angesteckt von der Obama-Manie, der Begeisterung für US- Präsident Barack Obama, schickte auch der neapolitanische Altmeister Fausto Sarli einen Michelle Obama gewidmeten Organza-Traum auf den Laufsteg. Ein rosafarbenes Abendkleid aus Schichten zarten Stoffs mit einem voluminösem Rock - über und über bestickt mit 300 ungeschliffenen Kristallen.

Guillermo Mariotto von Gattinoni verführte sein Publikum mit einer Obama gewidmeten Kollektion. Star der Schau war der „Obama- Kaftan“: Ein knöchellanges, langärmeliges Gewand aus weiß-rot-blauer Seide mit einem riesigen, das ganze Kleid bedeckenden Obama-Gesicht. Die Aufschrift „Change“ am Saum durfte natürlich nicht fehlen.

Begeistert war das Publikum von der „Ethical Fashion“, tragbare Ethno-Kleider in Braun-, Gold- und Rottönen. Eine Kollektion war ganz und gar in Afrika und von Afrikanerinnen geschneidert worden.

Beim Defilee des Schneidermeisters Lorenzo Riva ging es klassischer zu: Er präsentierte seinen weiblichen Fans am Montag eine der Hollywood-Diva Angelina Jolie gewidmete Schau mit eleganten Modellen in gedeckten Pastellfarben - ein bisschen Jackie Kennedy, ein bisschen Göttin. Doch die prunkvollen Schauen konnten nicht über die Streitigkeiten, die das römische Modespektakel überschatteten, hinwegtäuschen.

„Paris und nur Paris, denn in Italien gibt es keine Zukunft.“ Mit dieser auf Rom als Standort für Modeschauen gemünzten Polemik des italienischen „Fashion-Königs“ Giorgio Armani war die römische Woche der schönen Kleider gewissermaßen eingeleitet worden. „"Re Giorgio" könnte sich doch patriotisch verhalten und, anstatt auf Rom zu schießen, selber nach Rom kommen, um seine Kollektion zu präsentieren“, hatte Altmeister Fausto Sarli gekontert. Eine Antwort erhielt er nicht.

Hinzu kommt ein Streit zwischen der Stadtverwaltung und dem Modezar Valentino Garavani. Dem 76-Jährigen war 2007 ein eigenes Museum für seine Kollektionen versprochen worden. Rom hingegen will jetzt auf den dafür vorgesehenen 5000 Quadratmetern in den Hallen des ehemaligen Fischmarkts ein „Mode-Zentrum“ für viele schaffen. Valentino könne sich ja zum „Promoter“ des Projekts machen, erklärte Alessandro Vannini, Mode- und Tourismusbeauftragter der römischen Stadtverwaltung. „Rom wird mein historisches Archiv niemals bekommen“, reagierte Valentino darauf empört.

„Wenn Valentino ein eigenes Museum will, soll er sich eins bauen“, frotzelte Altmeister Lorenzo Riva am Montag nach seiner Schau. Und was Armani anginge, würden die Designer noch „auf Knien betteln, wieder den römischen Catwalk schmücken zu dürfen“, meinte Riva. Denn die Stadt habe jetzt versprochen, die Sommer-Defilees „Donna sotto le stelle“ auf der Spanischen Treppe ab 2010 wieder aufzunehmen. Tatsache ist, dass die römische Alta Moda schon seit mehreren Jahren gegen die Flucht der großen Namen kämpft. Die Alta Moda-Tage sollten am Dienstagabend mit einer Schau von Renato Balestra zu Ende gehen.

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