Alsterschwäne kommen wegen Hitze ins Winterquartier

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Alsterschwäne
Die Alsterschwäne müssen vorübergehend ins Winterquartier. (Foto: Axel Heimken / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Bernhard Sprengel

Der Tod von vier Alsterschwänen hat die Hamburger alarmiert und den Schwanenvater Olaf Nieß zu einer ungewöhnlichen Aktion im Hochsommer veranlasst: Zusammen mit mehreren Helfern fängt er am Dienstag rund 40 Schwäne an der Rathausschleuse ein und bringt sie ins Winterquartier am Eppendorfer Mühlenteich - bei schwülen Temperaturen von über 30 Grad.

„Die Hitze im Zusammenhang mit den Gewässern bereitet den Tieren große Probleme“ sagt der Leiter des Hamburger Schwanenwesens. Einige Schwäne schwächelten. Sie könnten ihren Hals kaum aufrecht halten und seien einfach schlapp. Beim Einfangen leisten die Tiere aber noch kräftig Widerstand. Nieß und seine Helfer binden ihnen die Flügel und Beine zusammen, bevor sie sie in die mit Stroh ausgelegten Boote setzen.

Auf dem Eppendorfer Mühlenteich verbringen die Vögel normalerweise nur den Winter, weil der Teich mit Hilfe von Pumpen eisfrei gehalten werden kann. Jetzt sollen sie erstmals im Sommer vorübergehend zur Beobachtung in einem abgetrennten Bereich des Gewässers bleiben. Nieß kann jederzeit eingreifen. „Geschwächte Tiere werden von Tierärzten behandelt“, sagt er.

Ob die vier toten Schwäne in Folge der Hitze starben, ist allerdings noch unklar. „Wir haben relativ deutliche Vermutungen, aber die Untersuchungen der zuständigen Stellen laufen noch“, sagt Nieß. Das Wasser der Alster sei derzeit 27,5 Grad warm. Im Mühlenteich ist es nicht kälter, aber es gebe dort keine Algenbildung, sagt der Schwanenvater.

Es dürfte jedoch kaum die Hitze oder das warme Wasser sein, was den Vögeln direkt zu schaffen macht. Nieß selbst hat in den vergangenen Tagen bereits auf die Sauerstoffarmut in der Alster hingewiesen. Es haben sich die für Menschen und Hunde zum Teil giftigen Blaualgen ausgebreitet. Für die Schwäne sind die Cyanobakterien kein direktes Problem, erläutert der Diplom-Biologe Wolfram Hammer vom Umweltschutzprojekt „Lebendige Alster“.

Algen verbrauchen jedoch den Sauerstoff im Wasser. Im sauerstoffarmen Schlamm der flachen Außen- und Binnenalster vermehrten sich Botulinumbakterien, die ein Lähmungsgift bildeten. Schwäne suchten mit ihren langen Hälsen in tieferen und damit besonders bakterienreichen Schlammschichten nach Nahrung. Damit sei das sogenannte Gründeln für sie gefährlich.

Aus Tierschutzgründen findet Hammer den Umzug der Schwäne ins Winterquartier angemessen. Die Wasservögel trügen allerdings selbst zu dem Umweltproblem bei: Mit ihrem Kot gelange Phosphor ins Wasser, was das Algenwachstum im Sommer begünstige. Es gebe zu viele Alsterschwäne. Die rund 120 Vögel seien das Zehnfache des natürlichen Bestandes, sagt Hammer. „Die werden zootierartig gehalten, ihnen werden die Flügel gestutzt, damit sie auf der Alster bleiben.“ Damit sichert Hamburg eine alte Tradition. Sollten nämlich die Vögel das Gewässer verlassen, würde Hamburg einer Legende nach den Status als Freie und Hansestadt verlieren.

Die Lösung sieht Hammer in einer einfachen Maßnahme: auf das Beschneiden der Flügel zu verzichten. Dann könnte jeder Schwan dorthin fliegen, wo es ihm behagt. Um die Hamburger Tradition des Schwanenwesens zu wahren, würden 30 Schwäne auf der Alster reichen, meint Hammer. Wegen der Fütterung würden einige Wasservögel sogar freiwillig ins Winterquartier ziehen.

Hamburger Schwanenwesen

Lebendige Alster

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