Allgäuer besteigt 84 Mal das Matterhorn

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Bergführer Udo Zehetleitner
Bergführer Udo Zehetleitner
Schwäbische Zeitung

Burgberg (dpa) - Der Allgäuer Udo Zehetleitner hat schon viele Regionen der Welt von oben gesehen. Seit fast 50 Jahren ist der 70- Jährige hauptberuflich Bergführer und damit in Deutschland einer der erfahrensten Aktiven seines Berufsstands.

Es sind unzählige Gipfel, die Zehetleitner in all den Jahren bestiegen hat. Ein Berg hat es ihm dabei besonders angetan: das Matterhorn in der Schweiz. „Schon der Blick von Zermatt aus, wie es in großer Würde dasteht, ist einmalig“, schwärmt Zehetleitner. 84 Mal stand er auf dem 4478 Meter hohen Gipfel, manchmal bis zu fünfmal pro Woche. „Und es war jedes Mal ein besonderes Erlebnis.“

Einen Favoriten unter den Bergen weltweit auszumachen, fällt Zehetleitner schwer. „Jeder Berg hat seine Reize. Und jede Begehung ist ein neues Abenteuer.“ Bei seinen Touren mit Kunden, die vom Alter, Interesse, ihrer Fitness und Erfahrung her sehr unterschiedlich waren, ist ihm eines bewusstgeworden: „Das größte Abenteuer ist, sich selbst auf dem Weg zu einem bestimmten Ziel zu erleben. Egal, wie hoch oder schwierig es ist.“

Zehetleitner, der in Sonthofen geboren wurde, war schon als Junge von der Bergwelt fasziniert. Die Ausbildung zum Bergführer absolvierte er 1961 bei Anderl Heckmair, der mit der Erstdurchsteigung der Eiger-Nordwand 1938 zu Weltruhm gelangte. Heckmair, Zehetleitner und einige andere Oberallgäuer Bergführer gründeten 1968 als Verein die Bergschule Oberallgäu. Nach Angaben des Verbands deutscher Berg- und Skiführer in Bad Tölz war es die erste Bergsteigerschule in Deutschland. Drei Jahre später übernahm Zehetleitner die Schule als Privatunternehmen für 35 Jahre. 2006 übergab er die Leitung an seinen Sohn Bernd.

Mit der Alpenüberquerung von Oberstdorf nach Meran in Südtirol auf einem Teilstück des E5-Fernwanderweges hat sich Zehetleitner über das Allgäu hinaus einen Namen gemacht. 2009 wurde er vom Land Tirol mit dem Tiroler Adler-Orden in Silber ausgezeichnet, da diese Route einen wichtigen Wirtschaftsfaktor im Wandertourismus darstellt. Die Alpenüberquerung selbst sei natürlich keine Erfindung von ihm selbst, sagt Zehetleitner. „Ich habe auch keine neuen Wege erschlossen.“ Vielmehr habe er in den 70er Jahren auf bestehenden Fernwanderwegen eine Sechs-Etappen-Tour nach Meran ausgearbeitet, diese in sein Programm aufgenommen und publiziert. Heute gehört die Tour zu den beliebtesten Wanderungen im gesamten Alpenraum. Sie wird pro Jahr von etwa 10 000 Menschen begangen.

Zehetleitner selbst ist die Strecke Oberstdorf-Meran inzwischen öfter als hundert Mal gegangen. „Die Route ist das Hauptstandbein unserer Bergschule. Wir bieten sie im Sommer einmal pro Woche an und sind immer ausgebucht.“ Neben den Berg-, Kletter-, Eis- und Skitouren in den Alpen war Zehetleitner auch in vielen anderen Bergregionen unterwegs und stand unter anderem auf dem 8201 Meter hohen Cho Oyu in Nepal. Seinen 70. Geburtstag hatte er zum Anlass genommen, die aufgestiegenen Höhenmeter einmal zu schätzen. Dabei war er bei durchschnittlich etwa 200 Tourentagen pro Jahr auf insgesamt acht bis neun Millionen Höhenmeter gekommen, sagt er - und ist stolz auf seine Kraft und seine Gesundheit.

Die ermöglichen es Zehetleitner, auch nach einem halben Jahrhundert seinem Beruf noch mit Leib und Seele nachzugehen. So stand er zum Jahresbeginn zum 35. Mal auf dem 5895 Meter hohen Kilimandscharo in Afrika und bereitet sich derzeit auf eine Iran- Reise im April vor. Ans Aufhören will der rüstige Bergsteiger noch nicht denken. „Solange ich noch kann, will ich in die Berge gehen. Ich wüsste gar nicht, was ich als Rentner sonst machen sollte.“

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