Algen als Produzenten von Muschelgift entlarvt

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Schwäbische Zeitung

Bremerhaven (dpa) - Deutsche Forscher haben den Produzenten eines Nervengifts in Muscheln entlarvt. Eine jetzt erst entdeckte winzige Alge aus der Nordsee produziert das Gift Azaspirazid, wie das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven am Donnerstag berichtet.

Bisher galt die Algenart Protoperidinium crassipes als Quelle des Gifts. Sie sei jedoch ebenso wie die Muscheln nur der Träger, schreiben die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des britischen Fachjournals „European Journal of Phycology“ (Bd. 44, S. 63). Zudem entwickelten sie eine Methode, um die giftigen Algen im Wasser nachzuweisen.

Nach Angaben des Teams um den Biologen Urban Tillmann traten Muschelvergiftungen mit Substanzen aus der Gruppe der Azaspiraziden beim Menschen erstmals 1995 in den Niederlanden auf. Die Gifte seien mittlerweile relativ gut erforscht. Sie führen zu Durchfall, Erbrechen und Lähmungen. Die Frage, woher sie genau stammten, blieb aber lange Zeit ungeklärt. Nun gelang es den Experten, im Labor nachzuweisen, dass die neu entdeckte Algenart Azadinium spinosum, ein Dinoflagelat, diese Gifte produziert. Im Laufe ihres Lebens filtern Muscheln große Mengen dieser Organismen aus dem Meerwasser und reichern dadurch das Gift in ihrem Körper an.

Die Erkenntnisse der Forscher könnten auch dazu beitragen, dass es künftig weniger Vergiftungen durch Muscheln gibt. „Mit unseren Laborkulturen können wir mit Hilfe molekularbiologischer Techniken sogenannten Gensonden entwickeln“, erklärte Tillmann. „Diese Gensonden weisen die Gift produzierenden Algen in Wasserproben nach und bieten zukünftig ein effektives Frühwarnsystem für Muschelfarmen.“

(Fachartikelnummer: DOI 10.1080/09670260802578534)

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