71 Tote bei Flugzeugabsturz nahe Moskau

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Schwäbische Zeitung
Thomas Körbel

Kurz nach dem Start verschwand die Maschine vom Radar, dann stürzte sie ab. Der Aufprall des russischen Flugzeugs muss heftig gewesen sein, so weit wie die Trümmerteile verteilt sind. Kein einziger Insasse überlebte.

65 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder befanden sich an Bord. Nach Angaben der Regierung kamen alle 71 Menschen ums Leben. Die Maschine vom Typ An-148 der Fluggesellschaft Saratow Airlines sei vier Minuten nach dem Start vom Hauptstadt-Flughafen Domodedowo nicht mehr auf dem Radar zu sehen gewesen, teilte der Zivilschutz der Agentur Tass zufolge mit. Helfer fanden kurz nach Bekanntwerden des Unglücks Leichen- und Trümmerteile.

Das Staatsfernsehen zeigte Bilder von Trümmerteilen, die über weite Strecken im tiefen Schnee auf einer Ebene verteilt sind. Die Umgebung sei unbewohnt, hieß es. „Das Flugzeug muss aus großer Höhe abgestürzt sein“, kommentierte ein Nachrichtensprecher die Bilder, die der Sender zugespielt bekommen hatte.

Das Unglück ereignete sich im Bezirk Ramenskoje südöstlich von Moskau. Als mögliche Gründe für den Absturz nannten Ermittler zunächst menschliches Versagen oder schwierige Wetterbedingungen. Mehr als 300 Helfer des Zivilschutzes und der Nationalgarde waren am Absturzort im Einsatz. Das Gelände wurde über mehrere Kilometer abgesperrt. Die Suche sollte die ganze Nacht andauern. Ein Flugschreiber wurde am Sonntagnachmittag gefunden.

Das Flugzeug war unterwegs in die Stadt Orsk nahe der Grenze zu Kasachstan und 1500 Kilometer von Moskau entfernt. Die meisten Fluggäste seien Bewohner des Gebietes Orenburg, zu dem Orsk mit rund 230 000 Einwohnern gehört. An Bord waren Berichten zufolge aber auch drei Kinder und drei Ausländer, darunter nach Angaben einer Sprecherin der Stadt Orsk ein Schweizer. Dies konnte zunächst nicht verifiziert werden, die Botschaft der Schweiz in Moskau war am Sonntagnachmittag nicht telefonisch erreichbar.

Präsident Wladimir Putin sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Er wies die Regierung an, eine Untersuchungskommission einzusetzen. Die Ermittlungsbehörde und die Staatsanwaltschaft gingen möglichen Verstößen gegen die Flugsicherheitsvorschriften nach.

Auch die Bundesregierung in Berlin drückte den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. „Erschüttert über die schrecklichen Nachrichten vom Flugzeugabsturz in der Nähe von Moskau. Wir trauern mit den Menschen in Russland um die Opfer der Katastrophe“, schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert bei Twitter.

Die relativ kleine Fluggesellschaft Saratow Airlines wurde der Agentur Tass zufolge 1994 gegründet. Sie bietet nationale und internationale Flüge an. Auch die Airline werde überprüft, hieß es. Das Flugzeug sei acht Jahre alt gewesen, Saratow Airlines habe es 2017 von der Billigairline Rossija übernommen, berichtete Tass. Die An-148 kann bis zu 85 Menschen befördern und hat eine Reichweite von rund 4000 Kilometern. Sie ist eine zweistrahlige Maschine für Regionalflüge und wird vom ukrainischen Hersteller Antonow gebaut.

Mehr als 420 Todesopfer seit 2010

Berichten zufolge war dies das zweite Unglück mit diesem Flugzeugtyp. 2011 war eine An-148 mit sechs Menschen an Bord bei einem Testflug im westrussischen Gebiet Belgorod abgestürzt. Damals waren die Piloten Ermittlungen zufolge zu schnell geflogen und hatten die Kontrolle verloren.

Insgesamt gab es in Russland seit 2010 Tass zufolge zehn schwere Unglücke ziviler Verkehrsmaschinen mit zusammen mehr als 420 Todesopfern. Der spektakulärste Vorfall der jüngsten Zeit war der Absturz einer russischen Militärmaschine im Dezember 2016 über dem Schwarzen Meer: Unter den 92 Todesopfern waren 64 Mitglieder des berühmten Alexandrow-Ensembles, das auch als Chor der Roten Armee bekannt ist. Der Chor sollte bei den Neujahrsfeiern der in Syrien stationierten russischen Soldaten auftreten. Schuld soll damals ein Pilotenfehler gewesen sein.

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