50 Jahre und keine einzige Falte

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Deutsche Presse-Agentur

Seit 50 Jahren stolziert sie auf ihren langen Beinen durch die Welt: Barbie. 1959 kam das erste Modell der erfolgreichen Anziehpuppe in einem schwarz-weiß geringelten Badeanzug sowie mit knallroten Lippen und Fingernägeln auf den Markt.

Kokett blickte „Barbie Millicent Roberts“ zur Seite, ein dicker blonder Pony fiel ihr in die hohe Stirn. Inzwischen hat Barbie mehrfach Gesichtsform und Hautfarbe gewechselt, ihre Haare sind von Schulterlänge auf bis zu 27 Zentimeter gewachsen, sie bekam vier Schwestern und jagte ihren Freund Ken am Valentinstag 2004 nach 43 gemeinsamen Jahren in die Wüste.

Als 1959 die ersten 300 000 Exemplare der knapp 30 Zentimeter großen Puppe für je drei US-Dollar über den Ladentisch gingen, ahnte Mattel-Gründerin Ruth Handler wohl kaum, welchen Verkaufsschlager sie entworfen hatte. In Europa wurde Barbie 1961 eingeführt - und schied schon bald die Geister: Während so manche Eltern die langen Haare, die Wespentaille und die großen Brüste als sexistisches Klischee verachteten, zogen deren Töchter bei ihren Freundinnen stundenlang neue Kleider über die steifen Gummi-Körper.

Auch Wissenschaftler kritisierten, dass Barbie bei den Mädchen den Wunsch nach einem unrealistisch dünnen Körper wecke. „Es war immer eine Fashion-Puppe, und es wird immer eine bleiben“, begegnet Mattel- Sprecherin Stephanie Wagner entsprechenden Vorwürfen. Barbie-Erfinderin Handler hatte zu ihren Lebzeiten stets betont, dass die Puppe von Anfang an für die Wahlmöglichkeit der Frauen gestanden habe. In der Tat war Barbie schon früh nicht nur modesüchtig, sondern auch berufstätig: etwa als Stewardess, Chirurgin, Basketballspielerin, Präsidentschaftskandidatin und Fernseh-Chefin.

Mehr als 100 Jobs nahm Barbie in den letzten 50 Jahren an. Das hielt sie aber nicht davon ab, inzwischen mehr als eine Milliarde Schuhe und einen überquellenden Kleiderschrank zu besitzen. „Fast 100 Millionen Meter Textilien wurden für Barbies Modeartikel und die ihrer Freunde verarbeitet, wodurch Mattel zu einem der größten Bekleidungshersteller der Welt wurde“, heißt es im Deutschlandsitz des US-amerikanischen Unternehmens im hessischen Dreieich.

Barbies Kleidung spiegelte immer die Mode der Zeit wider: In den 1960ern stand sie auf den Stil Jackie Kennedys und auf bunte, wallende Kleider. In den 1970ern trug sie die langen Haare offen zu blumigen Hippie-Klamotten. In den 1980ern blieb auch Barbie nicht von Schulterpolstern, Leggins und breiten Gürteln verschont. Und zehn Jahre später eiferte sie den glamourösen Laufsteggrößen der Zeit nach: Cindy Crawford, Linda Evangelista und Claudia Schiffer hießen die Vorbilder. Zu Beginn des neuen Jahrtausends erhielt Barbie einen athletischeren Körper, eine biegbare Taille und zum ersten Mal einen Bauchnabel.

Und sie erhielt Konkurrenz. Die Modepuppe Bratz eroberte 2001 mit großen Augen und frechem Aussehen die Herzen vor allem älterer Mädchen im Sturm. Dies führte zu stagnierenden und teils sogar rückläufigen Umsatzzahlen bei Mattel. Details dazu möchte der Konzern nicht preisgeben. Laut „Wall Street Journal“ erwirtschaftet Barbie aber auch im Alter von 50 Jahren noch rund ein Fünftel des Umsatzes in Höhe von rund sechs Milliarden US-Dollar (4,6 Milliarden Euro). Der Hersteller gibt deshalb kommende Woche auf der 60. Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg (5.-10. Februar) mit einer großen Show den Startschuss zu den Geburtstagsfeiern, die das gesamte Jahr 2009 in vielen Ländern der Welt stattfinden sollen.

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