13-jähriger Chorknabe macht Solokarriere

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Deutsche Presse-Agentur

Dennis will es wissen. Der 13-jährige Berliner Chorknabe ist zwar bei Dieter Bohlens Supertalent-Show als „Nummer 4091“ ausgeschieden, hat aber schon seinen ersten Plattenvertrag in Händen.

Der setzt ganz auf seine glockenreine Sopranstimme, die beim Berliner Staats- und Domchor oder bei Daniel Barenboims Staatsopernchor schon seit längerem viel gefragt ist. Auch unter Simon Rattle und Kent Nagano stand der „singende Schwan“ schon als Solist auf der Bühne - und im Orchester seines Musikgymnasiums „Georg Friedrich Händel“ in Berlin-Friedrichshain ist er natürlich Konzertmeister. Also kein „zweiter Heintje“, und ein neuer „Superstar“ will Dennis auch nicht werden. Aber natürlich darf auch das Populäre nicht zu kurz kommen.

„Dennis“, wie die am 13. März erscheinende CD von Dennis Chmelensky ebenso schlicht wie etwas großspurig betitelt wurde (Sony), enthält natürlich Titel wie „Schlafe mein Prinzchen“ und „Ave Maria“ - das er beim „Supertalent“ auch gesungen hat. Bohlen bescheinigte ihm, „mit sehr viel Gefühl“ gesungen zu haben, und meinte, „höher kann man nicht mehr singen“. Aber Dennis singt, wenn leider manchmal mit allzu dickem Orchestersound der Dresdner Kapellsolisten, auch Lieder aus dem von ihm geliebten französischen Film „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ wie „Vois sur ton chemin“ (Siehst du auf deinem Weg verirrte Knaben) oder „The Last Unicorn“ aus dem Film „Das letzte Einhorn“ und sogar den amerikanischen Evergreen „Moon River“ - John F. Kennedys Lieblingslied aus „Frühstück bei Tiffany“, aber davon weiß der kleine Dennis nichts.

Er weiß auch nicht so genau, ob er überhaupt und in welchem Maße in den Stimmbruch kommen wird. „Wir singen "Moon River" immer, wenn jemand wegen des Stimmbruchs unseren Chor verlassen muss, das Lied hat so etwas Trauriges und Melancholisches“ mit seiner Zeile „Du Traumerzeuger, Herzensbrecher, wo auch immer du hingehst, ich gehe deinen Weg“. Dennis, der auch Klavier und Geige spielt und auch schon den Bundeswettbewerb Gesang gewonnen hat, träumt eher weniger. Nach seinen TV- und Synchronstudio-Erfahrungen in jungen Jahren will er - Plattenerfolg hin oder her - erst einmal sein Abitur machen, und dann auf die Hochschule der Künste in Berlin gehen. „Ich würde gerne Dirigent werden“, sagt der kleine Mann im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa gleich nach dem Schulunterricht in Berlin-Mitte. „Dirigent wäre ein total cooler Beruf.“

Aber wer weiß, wenn er tatsächlich seinen ungewöhnlich hohen Koloratur-Sopran behalten sollte - „von den Leuten, die ich kenne, kommt tatsächlich keiner so hoch“ - wartet womöglich doch eine Opern- und Konzertkarriere auf den „Teenager-Sopran aus Pankow“, wie ihn seine Plattenfirma ankündigt. Sie entdeckte Dennis bei einem Soloauftritt im Berliner Dom, so heißt es jedenfalls in den Pressetexten von Sony Music. Er kann sich übrigens auch vorstellen, im Popbereich Karriere zu machen, er mag Hip-Hop sehr gern, „auch wenn ich selbst nicht rappen kann“.

Eigentlich ist Dennis immer noch ein „ganz normaler Junge“ geblieben, auch wenn es auch Neider und „falsche Freunde“ unter den Gleichaltrigen gibt - erst recht nach der „Supertalent“-Show. Nach der Schule spielt er zwar Klavier, aber danach meist Basketball mit Freunden oder Tischtennis. Er liest zurzeit gerne die Vampir-Romanze „Twilight“, deren jüngste Verfilmung „Bis(s) zum Morgengrauen“ er sich auch angesehen hat. „Manche sagen, das ist eher ein Mädchenbuch, aber das ist Schwachsinn.“

Zuhause hat sich das mit dem Üben am Sonntagmorgen auch eingespielt, sein 16-jähriger Bruder moserte anfangs etwas, „aber wir haben da verhandelt“. Natürlich haben sie in der Familie auch über sein Ausscheiden beim „Supertalent“ im Halbfinale gesprochen. „Sicher war das ein doofes Gefühl, aber man steckt es auch irgendwie weg, es gibt immer Gewinner und Verlierer, manche haben mehr, andere weniger Glück“, kommt es schon recht altklug aus dem Mund eines 13-Jährigen mit dem noch deutlichen „Babyspeck“.

Und jetzt steigt erst einmal die Anspannung, wie seine erste Platte ankommt. „Ich freu mich einfach, dass es überhaupt geklappt hat, es ist super gelaufen bisher“, versucht sich Dennis zu beruhigen. „Natürlich, wenn es keinem gefällt, wäre es schon kränkend“, bekennt der junge „Profi“ offen. „Aber ich bin erstmal total glücklich, dass ich dann, wenn ich erwachsen bin, ein Andenken habe an mein früheres Sängerdasein.“ RTL-Supertalent wurde im vergangenen November übrigens der Straßenmusikant Michael Hirte mit seiner Mundharmonika - jetzt stehen beide am 18. März im Berliner Tempodrom gemeinsam auf der Bühne. Vorher ist aber Freitag der 13. und Plattenverkaufsstart für den kleinen Dennis.

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