Zwei Alben von Brad Mehldau erschienen

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 Brian Blade, Christian McBride, Joshua Redman und Brad Mehldau auf dem Cover des neuen Albums „Round Again“.
Brian Blade, Christian McBride, Joshua Redman und Brad Mehldau auf dem Cover des neuen Albums „Round Again“. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Werner Herpell

Das wurde aber auch höchste Zeit! So dürften viele Jazzfans und insbesondere Verehrer des Pianisten Brad Mehldau gedacht haben, als der US-Amerikaner bei der Grammy-Verleihung 2019 nach zehn Nominierungen endlich doch noch den wichtigsten Musikpreis der Welt entgegennehmen konnte. Das politisch aufgeladene „Finding Gabriel“, eines der besten unter seinen vielen ambitionierten Alben der vergangenen 25 Jahre, war ein würdiger Gewinner.

Fast bis zu seinem 50. Geburtstag, den er am 23. August feiert, musste Mehldau auf die höchsten Weihen warten. Dabei dürfte es im Jazz kaum einen geben, der inspirierte Kooperationen mit anderen Künstlern und produktiven Eigensinn zu einem so beeindruckenden Gesamtwerk geformt hat. Mit unzähligen Alben als Solist, Band-Frontmann oder Teamplayer und auch als Live-Musiker hat Mehldau den Pianojazz auf eine höhere Stufe gehoben.

Seine enorme Bandbreite beweist der 1970 in Jacksonville/Florida geborene Künstler auch wieder auf zwei fast zeitgleich erscheinenden neuen Alben. Sie zeigen den mit seiner Familie abwechselnd in New York und Amsterdam lebenden Mehldau mal von seiner lässig swingenden Seite, mal als in sich versunkenen Sinnsucher.

Mit „Round Again“ knüpft Mehldau (rechts auf dem Cover) bei einer frühen Phase seiner Karriere an, im Jahr 1994, als er Mitglied im Quartett des Saxofonisten Joshua Redman war. Die Musiker – neben Redman und Mehldau der Bassist Christian McBride und der Schlagzeuger Brian Blade – sind inzwischen Jazzikonen, bei ihrem zweiten gemeinsamen Album bilden sie jetzt eine veritable Supergruppe des Genres.

Die „Round Again“-Sessions sind ein Musterbeispiel für hochklassigen Jazz im Bandformat: gegenseitiger Respekt, Lust an der Improvisation, Virtuosität ohne Egotrips. Es ist eine vor Energie und Spielfreude nur so sprühende Wiedervereinigung. Dem Quartett sei es „um diesen großartigen federnden Sound des modernen Jazz“ gegangen, sagt Mehldau in einem gemeinsamen Youtube-Interview. Die Führungsrolle des ein Jahr älteren Redman für diese Aufnahmen vermag er neidlos anzuerkennen: „Du bist der Leader. Nimm das Kompliment einfach an.“

Ganz anders, nämlich als einsamer Klavier-Melancholiker, präsentiert sich Mehldau auf „Suite: April 2020“, seinem von der Corona-Katastrophe beeinflussten neuen Soloalbum. „Es ist eine Suite von zwölf kurzen Stücken und drei Coverversionen“, beschreibt der 49-Jährige lakonisch die 15 hochkonzentriert eingespielten Tracks. Seine Eigenkompositionen schildern mit Titeln wie „Waking Up“, „In The Kitchen“, „Uncertainty“ oder „Family Harmony“ offenkundig Erlebnisse in der pandemiebedingten Isolation.

Die Stücke spiegelten „das Nachdenken über bestimmte Erfahrungen und Emotionen durch die Covid-19-Krise, die uns alle durchgeschüttelt hat“, bestätigt Mehldau. Der eigenen Schwermütigkeit setzt er am Schluss noch drei sensible Interpretationen von Popsongs und einem American-Songbook-Klassiker entgegen: „Look For The Silver Lining“ (Achte auf den Silberstreif) – ein Pianist als Mutmacher. Auch mit seinen beiden aktuellen Werken erweist sich Brad Mehldau als eine der faszinierendsten Persönlichkeiten des Jazz. (dpa)

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